Lohr

Stadthalle Lohr: Altes Schattentheater mit moderner Technik

Die Schattentheatertruppe "Die Mobilés" gastierte mit "Moving Shadows" in der Stadthalle Lohr. Hier eine Szene, in der das Kind derart gut gefüttert wird, dass es bald größer als die Erwachsenen ist.   Foto: Karlheinz Haase

Eigentlich war es ein riesiger Schritt zurück in die Zeit vor dem Film, in die das Ensemble des Schattentheaters "Mobilé" die gut 400 Zuschauer in der Lohrer Stadthalle entführte. Die vier Damen und vier Herren zauberten erstaunliche Bilder auf die 6,50 mal 3,80 Meter große Rückprojektionsleinwand. Und wenn sie sich aus ihren Verrenkungen lösten, führte das zu witzigen Aha-Effekten im Publikum: "Aha, so machen die das also!"

Thema Kino: Die Schlüsselszene aus "Titanic". Foto: Karlheinz Haase
"Die Mobilés" entführten in die Natur Afrikas. Foto: Karlheinz Haase

Im 18. und 19. Jahrhundert erfreuten sich Schattentheater in Europa großer Beliebtheit. Manches ist beim modernen Schattentheater anders. Da ist statt der Lampe ein Beamer, der mal ein Abendrot, mal am Himmel dahinziehende Wolken und mal Schneefall auf die Leinwand strahlt. Und da ist eine Tonanlage, die ein Konglomerat an Originalklängen abspielt.

So lief zum Thema "Kino" beispielsweise die Titelmelodie von "Jurassic Park" ab, während die Schauspieler sich in Saurier verwandelten. Oder es erklang ein "Didgeridoo", während sich der heilige Berg Australiens, der Uluru, erhob  und kurz darauf ein Känguru mit seinem Jungen im Beutel und ein Emu auftraten.

Gelegentliche Requisiten 

Fraglich, ob es nötig war, den Schriftzug "Sydney" einzublenden, ehe sich die Darsteller zum dortigen Opernhaus formierten. "Seit wir das machen, gibt es an der Stelle Applaus", verriet Choreograf Stefan Südkamp hinterher. Vorher hätten trotz seiner markanten Silhouette viele im Publikum das Bauwerk nicht erkannt. Gut allerdings, dass solche Hilfsmittel nur äußerst selten eingesetzt werden.

Andere kleine Requisiten sind hingegen an der Tagesordnung, so etwa die Indianerfeder, der Cowboyhut oder auch ganze Gebäude, die in Wirklichkeit klein sind, aber auf der Leinwand riesig erscheinen, weil sie so nah an die Lichtquelle gehalten werden.

Einer agiert hinter und einer vor der Leinwand. Foto: Karlheinz Haase

Dieser Groß-klein-Effekt ist eines der reizvollsten Elemente im Schattentheater. Was weit weg ist von der Leinwand, erscheint auf dieser überdimensional. Je näher etwas dran ist, desto kleiner wird es abgebildet. Und das im Zusammenspiel hinzubekommen, ist eines der besonders beeindruckenden Kunststücke der Darsteller. So gibt es eine längere Geschichte mit den Erlebnissen einer Familie. Einzig der Kopf des Kleinen wirkt dabei unproportional winzig. Es geht eben schlecht anders, wenn er von einem Erwachsenen gespielt wird. Doch die Größenverhältnisse stimmen.

Reizvolle Größenverhältnisse  

Das Problem ist, dass die großen Eltern und der Kleine so interagieren müssen, als stünden sie sich gegenüber. In Wirklichkeit sind die Eltern aber nah am Beamer, der Kleine dagegen nah an der Leinwand. Wie aber kontrollieren die Schauspieler das? Werden sie gefilmt und das Ergebnis wird hinter der Bühne auf seitlich aufgestellten Leinwände projiziert? Denn zur Seite schauen dürfen sie nicht. Sie müssen im Profil zu sehen sein. "Das schaffen die ohne weitere technische Hilfsmittel, alleine durch ihre Erfahrung", erklärt Südkamp.

Die Theatertruppe bedankt sich... Foto: Karlheinz Haase
...beim Publikum in Lohr. Foto: Karlheinz Haase

Die in Lohr gezeigte Show "Moving Shadows" habe eine Probenzeit von drei Monaten erfordert, berichtet er. Die nächste Show ist gerade fertig und hat nur drei Wochen gebraucht. Sie werde eine durchgängige Geschichte enthalten, verrät er. In einem Jahr werde sie in der Lohrer Stadthalle zu sehen sein.

Neben diesen abendfüllenden Programmen spielt die Truppe kürzere Shows bei verschiedenen Events, beispielsweise Firmenpräsentationen. Beim weltgrößten Comedy-Festival "Juste pour rire" in Montreal gewann sie gleich zwei von Insgesamt sechs Preisen. Sie setzt sich zusammen aus Tänzern, Artisten und Schauspielern. Und alle Rollen sind doppelt besetzt – falls jemand mal erkrankt. Sonst würde die ganze Choreografie nicht funktionieren.

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