Lohr

Stärkste Fraktion werden und Klima retten

Diese Kandidatinnen und Kandidaten bewerben sich auf der Liste der Grünen um ein Mandat im künftigen Lohrer Stadtrat, der im März 2020 gewählt wird. Foto: Wolfgang Dehm

"Wir wollen das Bürgermeisteramt halten und stärkste Fraktion im Lohrer Stadtrat werden." Dieses Ziel benannte Bärbel Imhof, Stadträtin und Ortsverbandsvorsitzende der Lohrer Grünen, am Freitagabend im Landhotel zur alten Post in Sendelbach, wo die 34 stimmberechtigten Versammlungsteilnehmer einstimmig die vorgeschlagene Kandidatenliste für die Stadtratswahl im März 2020 bestätigten.

Um auf der Grünen-Liste zu kandidieren, muss man nicht zwangsläufig Parteimitglied sein. Aktuell sind die Grünen im 24-köpfigen Stadtrat mit fünf Personen vertreten und stellen zudem mit Mario Paul (parteilos) den Bürgermeister.

Mit Blick auf das derzeit die Schlagzeilen beherrschende Thema Klimawandel sagte Imhof, dieser sei deutlich spürbar, auch in Lohr; sterbende Wälder, Wasserknappheit und schwindende Artenvielfalt zeugten davon. Es müsse "endlich gegen die Ursachen des Klimawandels" vorgegangen werden.

Vor diesem Hintergrund gaben die sieben Spitzenkandidaten Einblick ins Wahlprogramm der Lohrer Grünen.

Mario Paul ging auf das Thema "Wirtschaft der Zukunft" ein. Wichtig sei es, zu versuchen, die Wirtschaftsstruktur zu diversifizieren, mit bestehenden, noch nicht so großen Unternehmen zu wachsen, Neugründungen zu generieren und neue Ansiedlungen im Bereich der Gesundheitswirtschaft zu fördern. Dafür müsse die Stadt auch Flächen bereitstellen, beispielsweise im Sandfeld neben dem Obi-Markt.

Auf die "Stadtentwicklung" ging Diana Pechlaner ein. Die Zeit der großen Repräsentationsprojekte ist ihren Worten nach vorbei, mittlerweile stünden nachhaltige Vorhaben im Fokus. Unter anderem nannte sie, den Umgriff am ehemaligen Stadtbahnhof zu analysieren, die Netzinfrastruktur voranzutreiben, eine kommunale Wohnungsbörse zu fördern und Durchlüftungsschneisen zu sichern.

"Wir müssen anders mit unserer Mobilität umgehen", forderte Clemens Kracht, dessen Thema die "Verkehrswende" war. Es gelte, die verschiedenen Verkehrsarten zu trennen, sichere Radwege und sichere Fußwege zu schaffen. Ferner regte er an, den Stadtbusverkehr (Lohrliner) "noch etwas attraktiver zu gestalten", die Situation am Hauptbahnhof zu verbessern, am ehemaligen Stadtbahnhof wieder eine Haltestelle zu reaktivieren, schnelle Radachsen zu verwirklichen, Car-Sharing-Systeme anzuschieben und vieles mehr.

Laut Björn Janetzky, der auf die "Energiewende" einging, werden in Lohr nur sechs Prozent des Photovoltaik-Potenzials genutzt. Dieser Anteil müsse deutlich steigen, außerdem müsse die vorhandene Nahwärme besser genutzt werden, der Umstieg auf Elektrofahrzeuge müsse vorangetrieben werden und beim Lohrliner müsse man weg von den großen Bussen.

Der Rückgang der Arten sei weltweit in vollem Gange, insbesondere bei den Insekten, sagte Wolfgang Weis. Deshalb müsse "Biodiversität und Artenschutz" künftig "unser Herzensanliegen" sein. Als Beispiel für mögliche Maßnahmen nannte er den Waldumbau mit Waldrand- und Waldinnengestaltung durch Einbringen blühender Baumarten. Auch auf Freilandflächen und in Siedlungsgebieten müssten mehr Blühflächen angelegt werden.

"Es sollte nur Fairtrade geben" sagte Ulrike Röder, deren Thema der faire Handel war. Dieser sollte ihren Worten nach regional stattfinden, aber auch weltweit, was ihren Worten nach letztendlich auch Migration eindämmen würde. Speziell für Lohr regte sie an, in allen städtischen Einrichtungen das Vergabewesen komplett auf öko, fair und regional umzustellen.

Mit dem "Zusammenhalt der Gesellschaft" befasste sich Mathilde Lembach. Mit Blick auf die größer werdende Gruppe der Menschen über 60 brachte sie ein Mehrgenerationenhaus sowie eine Ehrenamtsbörse ins Spiel, für Familien wünschte sie sich unter anderem preiswerte oder kostenlose Nutzung des öffentlichen Personennahverkehrs sowie ausreichend Kita-Plätze. Auch für junge Menschen solle man Lohr noch attraktiver machen, zudem solle man die offene Jugendarbeit stärken.

Als jüngste Kandidatin auf der Grünen-Liste hielt die 22-jährige Hannah Imhof ein flammendes Plädoyer für mehr Anstrengungen in Sachen Klimaschutz. Lange schon sei klar, welche fatalen Auswirkungen der Klimawandel haben werde, aber Politik und Wirtschaft verschlössen immer noch ihre Augen, kritisierte sie. Die Fridays-for-Future-Demonstrationen seien ein Hilferuf der jungen Generation. "Unser Handeln heute entscheidet über die Welt von morgen und übermorgen."

Die Stadtratskandidaten der Grünen in Lohr

1. Mario Paul (Sendelbach)

2. Ulrike Röder (Steinbach)

3. Clemens Kracht (Stadt)

4. Mathilde Lembach (Stadt)

5. Björn Janetzky (Sendelbach)

6. Diana Pechlaner (Stadt)

7. Wolfgang Weis (Sendelbach)

8. Bärbel Imhof (Stadt)

9. Erno Hirvelä (Steinbach)

10. Lena Werner (Stadt)

11. Werner Burk (Wombach)

12. Hannah Imhof (Stadt)

13. Manuel Mühlbauer (Stadt)

14. Karin Lutz (Halsbach)

15. Andreas Frech (Stadt)

16. Carola Schrauth (Wombach)

17. Peter Wiegandt (Stadt)

18. Christine Blaser (Sendelbach)

19. Albert Jücker (Ruppertshütten)

20. Elaine Sims (Wombach)

21. Andreas Paff (Stadt)

22. Birgit Bernhart (Sackenbach)

23. Sigrid Gehret (Halsbach)

24. Gerold Wandera (Lindig)

Ersatzleute: Barbara Henrici, Andreas Brauns, Annette Madré (alle Stadt).

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