KARLSTADT

Standpunkt: Wohnbaupolitik neu ausrichten

500 Bewerber für ein WG-Zimmer in Berlin. Das ist inzwischen Normalität. Spaßvögel hatten eine Anzeige geschaltet: Platz auf dem Balkon für ein Zweimann-Zelt für 250 Euro monatlich zu vermieten. Und es gab Interessenten. Davon ist Karlstadt in einem Landstrich mit schrumpfender Bevölkerungszahl weit entfernt. Trotzdem ist auch hier die Nachfrage nach Wohnraum groß.

Doch angesichts des Flächenverbrauchs in Bayern von 13 Hektar pro Tag (Stand 2015) ist es verantwortungsvoll, wenn Karlstadt auf die Nachfrage nach Bauplätzen nicht mit uferlos neuen Baugebieten antwortet, sondern einen gewissen Druck aufrechterhält, damit bestehende Immobilien renoviert und Baulücken geschlossen werden. Es ist erschreckend genug, dass die Kernstadt innerhalb von nur 50 Jahren flächenmäßig um das Zehnfache gewachsen ist.

Natürlich will keiner in die Zeit zurück, in der ungefähr dieselbe Zahl von Einwohnern zusammengepfercht – nach heutigen Maßstäben zu eng – in der Altstadt lebte. Für viele muss es befreiend gewesen sein, in ein großzügigeres Haus in der Siedlung zu ziehen. Jetzt aber muss die Wohnbaupolitik in eine andere Richtung gehen. Es muss auf die Bedürfnisse der Menschen geschaut werden.

Richtigerweise hat die Studie zur „Revitalisierung des Einfamilienhausgebiets“ darauf hingewiesen, dass in etlichen Häusern nur noch eine Person lebt, weil die Kinder aus dem Haus sind und der Partner nicht mehr lebt. Hier ist ein Ansatzpunkt. Für die meisten kommt eine echte Wohngemeinschaft wahrscheinlich nicht infrage. Aber für solche alleinstehenden Menschen wäre ein Wechsel in kleinere Einheiten sinnvoll. Das können Wohnungen in Gemeinschaftshäusern sein, aber auch kleine Singlehäuser.

Bestens geeignet hätte sich dafür das stadtnahe Baugebiet Echterstraße. Dort wurde es versäumt. Und auch im Wurzgrund wurden wieder nur die üblichen Bauplätze für Einfamilienhäuser ausgewiesen, statt er hohen Zahl von Ein- und Zwei-Personen-Haushalten Rechnung zu tragen.

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