KARLSTADT

Statt Krankenhaus ein „Campus der Generationen“

Was wird aus der Klinik in Karlstadt? In einem neuen Konzept ist weit mehr vorgesehen als eine reine Nachnutzung des bisherigen Gebäudes. Was das kosten könnte, ist noch nicht bekannt.

Einen „Masterplan“ nannte es der Karlstadter Architekt Alfred Wiener, was er da am Freitag in einer Pressekonferenz im Landratsamt zur Nachnutzung des Karlstadter Krankenhauses präsentierte. Dabei ging es um weit mehr als nur das Krankenhausgebäude. Das Konzept sieht einen „Campus der Generationen“ vor. Wie viel all das kosten würde, ist bisher völlig unbekannt. Landrat Thomas Schiebel: „Die wirtschaftliche Bewertung fehlt.“

Hier in groben Zügen die wesentlichen Punkte des Konzepts:

Demzufolge „passiert“ am meisten gar nicht im Krankenhaus, sondern beim Altenheim. Dieses benötigt 33 zusätzliche Einzelzimmer, die R-tauglich sind. Sie müssen also mit Rollstühlen befahrbar sein und brauchen für die Wenderadien bestimmte Mindestgrößen. Wollte man diese Zimmer im bisherigen Krankenhaus ansiedeln, so wären die Wege überlang – der längste von der Station bis ins letzte Zimmer 115 Meter. Geht also nicht.

„Den wirtschaftlichen Aspekt wollen wir nicht priorisieren.“
Thomas Schiebel zur Nachnutzung des Karlstadter Krankenhauses

Daher lautet die Idee: die Gebäude der Caritas und des nicht barrierefreien Gesundheitsamts abreißen und dort einen Erweiterungsbau des Altenheims mit den zusätzlichen Zimmern hinstellen. Dann wäre der längste Flur für den Schwesternruf nur noch 41 Meter. Bisherige Zweibettzimmer im Altenheim würden zu Einzelzimmern. Unterm Strich wäre die Zahl der Bewohner gleich; nur der Verteilungsschlüssel ändert sich. Ohne Umbau könnte im Erdgeschoss die Tagespflege von jetzt zehn auf dann 20 Personen erhöht werden.

Zum Krankenhaus: Dieses trägt nach dem Konzept künftig den Titel „Zentrum für Familiengesundheit“. Die Caritas könnte hier einen Teil als Ersatz für ihr abgerissenes Gebäude übernehmen. Die Erziehungsberatung des Landkreises – derzeit in der Langgasse untergebracht – könnte einziehen, ebenso der Hospizverein. Bis zum Neubau in Lohr 2023 benötigt die Klinikverwaltung Räume. Danach könnten sie zu Arztpraxen werden. Im jetzigen Konzept sind zunächst vier Arztpraxen dargestellt.

Die Uniklinik Würzburg hat Interesse, eine Institutsambulanz für Psychosomatik und Psychotherapie im Kindes- und Jugendalter zu betreiben. Die Küche, die bisher auch das Altenheim mitversorgt, ist laut Wiener nicht mehr zeitgemäß. Eine neue Küche soll in der Altenheimerweiterung unterkommen. Auch die Heizzentrale sei in die Jahre gekommen, ebenso die Lüftung.

Später einmal könnte der „Campus der Generationen“ durch ein Gebäude für selbstbestimmtes Wohnen im Alter mit Wohnungen in einer Größe zwischen 40 und 80 Quadratmetern ergänzt werden. Wiener schlägt hier ein sogenanntes Laubenganghaus vor. In Richtung der lauten Bahnlinie lägen sozusagen verglaste Balkone als Zugänge in die einzelnen Wohnungen, die dann jeweils nach Westen orientiert sind.

Im Westen des Gebäudes könnte schließlich auch noch eine Kindertagesstätte entstehen. Sie könnte 1000 Quadratmeter im Gebäude und 800 Quadratmeter Freifläche haben. Die Zahl der Parkplätze sei nicht genau durchgerechnet, aber es gebe genug Möglichkeiten zu parken, beispielsweise auch in den Untergeschossen verschiedener Gebäude, sagt der Architekt.

Bei dem Konzept gibt es noch viele Fragezeichen. Beispielsweise soll die Stadt Karlstadt gehört werden, denn es würde um die Umgestaltung eines ganzen Viertels gehen.

Landrat Schiebel sagte, es gehe zunächst um den medizinischen Aspekt der Nachnutzung des Krankenhauses. „Den wirtschaftlichen Aspekt wollen wir nicht priorisieren.“

Stellten im Landratsamt das Konzept für einen „Campus der Generationen“ vor: (von links) Klinikreferent Gregor Bett, Landrat Thomas Schiebel, Architektin Silja Wiener und Architekt Alfred Wiener. Foto: K. Haase

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