Wombach

Steffen Endres baut ein Naturstammhaus in Wombach

Holzfreund: Steffen Endres hat sich ein Wohnhaus aus massiven Baumstämmen gebaut.  Foto: Johannes Ungemach

Man merkt es gleich: Steffen Endres hat sich sein Traumhaus gebaut. Das Strahlen verschwindet gar nicht aus dem Gesicht des 41-Jährigen, wenn er durch sein Naturstammhaus läuft, von der Entstehungsgeschichte erzählt und von der mittlerweile fast zweijährigen Arbeit am Haus.

Es steht seit Herbst 2017 am Ortsrand von Wombach, direkt unterhalb des Vereinsheims. Noch ist es nicht ganz fertig.

Trotzdem zieht es bereits reichlich Aufmerksamkeit auf sich. Immer wieder bleiben Menschen stehen, fotografieren oder fragen Endres gar, ob sie mal einen Blick ins Innere werfen können.

Diesen Blick gewährt der Bauherr gerne. Waren es doch solche Besichtigungen, die Endres selbst in seiner Absicht bestärkt haben, sich ein solch ungewöhnliches Haus zu bauen.

Der 41-Jährige arbeitet als Werkzeugmechaniker bei Warema in Marktheidenfeld, hat jedoch schon immer einen engen Bezug zu Holz. Nicht nur wegen seines Vaters, der Schreinermeister ist, sondern auch durch den familiären Waldbesitz und die Arbeit darin.

Zehn Jahre sei es her, dass er sich die erste Fachzeitschrift zum Thema Holzhausbau bestellt habe, erzählt Endres. Richtig "ernst geworden" sei es ihm mit seiner Idee jedoch 2015.

Da sah er zum ersten Mal ein Naturstammhaus von innen. Ein Kollege hatte sich ein kleines gebaut. Von da an war Endres' Leidenschaft geweckt. »Es hat mich immer mehr gereizt, je mehr ich mich damit befasst habe«, sagt der Junggeselle. Ihn habe die Bauweise der Naturstammhäuser fasziniert, die Gemütlichkeit. Auch das Raumklima eines solchen Hauses sei unvergleichlich.

Endres unternahm fortan Motorradtouren quer durch die Republik, um Häuser zu besichtigen. Mitunter sprach er die Eigentümer einfach im Garten an – und saß manchmal wenig später mit ihnen im Wohnzimmer des Holzhauses, um Informationen zu sammeln.

Zur Probe eingemietet

Schließlich mietete sich Endres bei einer seit über drei Jahrzehnten auf den Bau von Naturstammhäusern spezialisierten Firma im Hunsrück für eine Nacht in ein Musterhaus ein. Der Gründer der Firma habe sich seine Kenntnisse in Kanada angeeignet, erzählt Endres. Spätestens nach der Übernachtung im Naturstammhaus war seine Entscheidung gefallen.

2016 stieg Endres konkret in die Planung des eigenen Hauses ein. Anfang 2017 ging es richtig los: Endres fuhr erneut in den Hunsrück.

55 Stämme für ein Haus

Dort lagen bereits die 55 für sein Haus bestimmten Douglasienstämme auf dem Hof. Der längste 18 Meter lang und 1,5 Tonnen schwer. »Kerzengerade Stämme sind das A und O«, sagt Endres.

Mehrmals reiste er in den folgenden Monaten noch in den Hunsrück. Dort verfolgte er fasziniert, wie die Spezialisten die Stämme mit freihändigem Motorsägenschnitt in Form brachten. Zur Probe wurde das Haus dort schon mal aufgebaut. Und wieder ab. Zwei große Laster brachten die Stämme Anfang September 2017 nach Wombach.

Wuchtig und mit zwei Metern Dachüberstand: Steffen Endres auf dem Balkon seines im Bau befindlichen Hauses in der Straße... Foto: Johannes Ungemach

Dort war bereits der Keller gemauert. Endres hatte sich eigens einen großen Baukran gekauft. Mit ihm wurden die Stämme einfach aufeinandergelegt, sieben Lagen hoch, dazwischen lediglich eine Dichtschnur und Schafwolle. Nach zwei Tagen standen die Wände.

Als Decke kamen sechs Zentimeter dicke Leimhölzer obendrauf. Den Dachstuhl lieferte eine Zimmerei aus der Rhön. Das Dach deckte Endres mit seinem Bruder Jürgen und Helfern selbst. Im Dezember 2017 war es dicht. Es hat einen Überstand von rund zwei Metern. Das soll verhindern, dass die Stämme bei Regen nass werden.

Viel Handarbeit

Mit dem Kran wurden die Stämme einfach aufeinandergelegt.  Foto: Endres

Viel Zeit verwendete der Bauherr darauf, alle Stämme von Hand zu schleifen und sie zweimal mit Salzwasser und danach mit Naturöl zu behandeln. Ein bisschen weiße Farbe habe er beigemischt, um die Stämme heller zu machen. Unter dem Einfluss der Witterung werde das Holz noch nachdunkeln, sagt Endres.

Für ihn beginnt jetzt der Innenausbau. Wasser- und Heizungsrohre laufen in den wenigen gemauerten Wänden. Für die Elektrik wurden Löcher durch die Stämme gebohrt. Rund 190 Quadratmeter Wohnfläche bietet das Haus.

Das Dachgeschoss will Endres als Ferienwohnung ausbauen. Das Ambiente lässt sich insgesamt als luftig-rustikal beschreiben. Wie außen prägen auch innen die wuchtigen Stämme die Räume.

Heizen mit Holz

Heizen wird Endres sein Haus komplett mit Holz. Die Dämmleistung der Baumstämme sei prima, sagt er. Das habe er zuletzt während der Hitzeperiode gemerkt. Als draußen an die 40 Grad herrschten, habe es in seinem Haus konstant 23 Grad gehabt, so der Bauherr.

Im Vergleich zu einem aus Stein gemauerten Haus sei ein Naturstammhaus sicher "um einiges teurer", weil viel mehr Arbeit drinstecke, sagt Endres.

Für ihn jedoch sei die Arbeit an seinem Haus zum Hobby geworden. »Ich möchte nicht tauschen«, sagt Endres über sein Haus – und strahlt.

Steffen Endres stellt die Gewindestange nach, um den Setzungsprozess des Stammhauses auszugleichen. Foto: Johannes Ungemach
Naturstammhaus setzt sich um bis zu 15 Zentimeter
Neben der Optik hat ein Naturstammhaus noch eine Besonderheit: Es setzt sich nach dem Errichten noch um bis zu 15 Zentimeter, nicht zuletzt weil das Holz trocknet und dabei schwindet. Der Prozess kann laut Steffen Endres drei Jahre dauern. Seit dem Aufbau in Wombach habe sich sein Haus um rund vier Zentimeter gesetzt. Wenn das Haus erst mal beheizt werde, beschleunige sich der Prozess nochmals.
Das Setzen bedeutet, dass die Fenster nicht passgenau eingebaut werden können. Sie würden sonst von den sich setzenden Stämmen gesprengt.
Aus diesem Grund wurde beim Einbau der Fenster nach oben ein größerer Schlitz gelassen. Dieser ist mit lamellenartigen Hölzern verschlossen. Sie schieben sich in dem Maß ineinander, wie sich die Wand setzt.
An verschiedenen Stellen im Haus muss Endres überdies regelmäßig den Gabelschlüssel ansetzen. Einige tragende Stammsäulen stehen auf Gewindestangen. Auch an ihnen müssen die Zentimeter nachgegeben werden, die sich das Haus setzt.
"Ein solches Haus gibt es halt nicht von heute auf morgen", sagt Endres über den langwierigen Prozess: "Man muss Geduld haben. Und es muss einem Spaß machen."
Endres jedenfalls will sich für den 2017 begonnenen Bau seines Hauses auch weiterhin Zeit lassen. Vielleicht könne es bis Weihnachten mit dem Einzug klappen, sagt er, und fügt dann hinzu: "Aber erst im nächsten Jahr."

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