GEMÜNDEN

Stelldichein der Trecker, Schlepper und Traktoren

Schleppertreffen: Sie haben viele Jahre auf dem Buckel, wenig PS unter der Haube und begeistern trotzdem das Publikum. Korso aus 57 Oldtimer-Traktoren zog durch Gemünden.
Spitzenreiter: Die Rundfahrt durch die Altstadt führte Johannes Urban mit einem 18 PS starken Schlüter AS 18 Dieselschlepper, Baujahr 1954 an. Auf dem „Beifahrersitz“ hatte Bürgermeister Jürgen Lippert Platz genommen. Foto: Helmut Hussong

In Reih' und Glied standen sie auf der Gemündener Lindenwiese, die Oldies unter den Schleppern, den Arbeitsgeräten der Bauern und Waldbesitzer. Manche blank geputzt mit glänzendem Lack, liebevoll restauriert, andere in Arbeitsmontur mit einigen Gebrauchsspuren, die zeigten, dass die alten Boliden im Arbeitsalltag noch im Einsatz sind.

30 Jahre mindestens sollten Traktoren auf dem Buckel, sprich auf der Karosserie haben, um beim fünften Oldtimer Schleppertreffen des MSC Gemünden ihre Runde durch die Altstadt zurück zur Lindenwiese zu drehen. Eigentlich kein hohes Alter für Zugmaschinen, Traktoren, Schlepper und Geräteträger, und so konnten die Bulldogfreunde auch wesentlich ältere Landmaschinen bewundern.

Mit Baujahr 1935 war der Lanz Bulldog D 7531 des Zellingers Thomas Endrich der Greis unter den Teilnehmern – mit 20 PS und einer Höchstgeschwindigkeit von 20 Stundenkilometern schon damals als Eilbulldog bezeichnet. Bei einigen Zugmaschinen dagegen hatte der Fahrer ein älteres Baujahr als sein Gerät. Noch nicht als Oldtimer ist der MB Truck 900 (Baujahr 1991) zu bezeichnen, den zum Beispiel Karl Ditterich als Forstmaschine für den MSC Gemünden ins „Rennen“ schickte.

Fotoserie

5. MSC-Schleppertreffen

zur Fotoansicht

Dieseldampf und vielstimmiger Motorenlärm lagen in der Luft, schwer und dumpf klang das Blubbern der Landmaschinen, als der Korso sich am Sonntagnachmittag von der Lindenwiese aus auf den Rundweg durch die Altstadt machte. Den langen Zug mit 57 Teilnehmern führte Johannes Urban mit seinen 18 PS starken Schlüter AS 18 Dieselschlepper, Baujahr 1954 an. Auf dem „Beifahrersitz“ hatte Bürgermeister Jürgen Lippert Platz genommen. Am Marktplatz stand der frühere MSC-Vorsitzende Joe Brandl mit dem Mikrofon in der Hand, erläuterte den Zuschauern über Lautsprecher die wesentlichen Eckdaten der Schlepper, befragte die Besitzer und Fahrer nach den Besonderheiten ihrer Geräte und hatte manchen Scherz parat.

Mit dem größten Hubraum von 10,3 Litern warteten die beiden Lanz Einzylinder-Glühkopf-Bulldogs von Joachim Riedmann (Steinfeld-Hausen) und Eugen Krebs (Fellen) auf, die mit 45 und 55 PS als Eilbulldog bei einem Eigengewicht von vier und fünf Tonnen eine Höchstgeschwindigkeit von 30 Stundenkilometern auf die Straße bringen konnten. Nicht nur für die Experten, sondern auch für die Zuschauer stellen die legendären Lanz-Bulldogs die Glanzpunkte einer solchen Rundfahrt dar.

Lanz Bulldog war die Verkaufsbezeichnung für Ackerschlepper, die ab 1921 bis 1957 von der Heinrich Lanz AG (später John Deere) in Mannheim hergestellt wurden. Mit diesen Traktoren prägte sich der Name Bulldog als umgangssprachlicher Name für einen Ackerschlepper ein.

Es gab auch einige „Spezialitäten“ bei dem Treffen zu bewundern. Der Schlepper von Rainer Weigand, ein Massey Fergusson, hatte ein Balkenmähwerk der Firma Mörtl angebaut. Der Geräteträger Fändet F231 GTE (Baujahr 1980), den Rudi Lauerer aus Wolfsmünster fuhr, soll einer der ersten Schnellläufer mit 16 Gängen und einer Höchstgeschwindigkeit von 29 Stundenkilometern gewesen sein. Der blaue Ford Major hatte große Breitreifen. „Dies ist die amerikanische Ausführung“, erläuterte sein Besitzer Gottfried Voll (Wolfsmünster) den Zuschauern.

Mit umgebauter Baubude im Schlepptau seines Fendt geht der Höllricher Stefan Werner auf Urlaubstour. Sogar einen alten, wieder hergerichteten Leiterwagen mit Eisenbereifung, wie ihn früher Kuh- und Pferdegespanne zogen, hatte Dieter Warmuth (Hafenlohr) an seinen Traktor gehängt. „Damit soll die alte Zeit nicht in Vergessenheit geraten“, erläuterte er.

Die Fahrer der Oldtimer und ihre Begleitung, egal, ob Großväter, Väter, Söhne und Enkel hatten, sichtlich Spaß an dieser Rundtour. Waren sie doch alle aus der näheren und weiteren Umgebung nach Gemünden gekommen, um ihre Fahrzeuge zu präsentieren und sich mit Gleichgesinnten auszutauschen. Als Vereine waren unter anderem dabei: die Halsbacher Dreschfreunde mit Lanz, Hannomag, MAN, Eicher und Fahr, die Schlepperfreunde Wolfsmünster mit Ford, Fendt, Massey Ferguson, Fordson und Fiat sowie die Schlepperfreunde Vorrhön aus Obereschenbach und die THD Mottgers.

Zurück auf der Lindenwiese stellten sich die Oldtimer-Schlepper den vielen jungen und älteren Besuchern zur Besichtigung. Mancher Fahrer und Landwirt erzählte von den Stärken, Schwächen der alten Fahrzeuge und den Erlebnissen mit ihnen. Experten tauschten nebenbei ihre Erfahrungen aus und gaben Tipps, wie und wo Ersatzteile zu bekommen sind.

 
MB Truck 900: Karl Ditterich und Nachwuchs im Forstschlepper.
Vorsicht, heiß: Der legendäre Lanz-Bulldog, der den Schleppern den Namen gab.
Rot in Rot: Georg Bechold (Rieneck) im Porsche Diesel Junior 10 im Interview mit Joe Brandl.

Schlagworte

  • Gemünden
  • Helmut Hussong
  • Alter (Lebensphasen)
  • Altstädte
  • Experten
  • Fiat
  • John Deere
  • Jürgen Lippert
  • Karosserien
  • Landmaschinen
  • MAN AG
  • Oldtimer
  • Opas
  • Paraden und Festzüge
  • Traktoren
Lädt

Schlagwort zu
„Meine Themen“

hinzufügen

Sie haben bereits
/ 15 Themen gewählt

bearbeiten

Sie folgen diesem Thema bereits

entfernen

Um "Meine Themen" nutzen zu können müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen

zustimmen
0 0
Kommentar schreiben

Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!