LOHR

Strahlenreduzierung im Dialog mit der Telekom

In Sendelbach wurden oberhalb der Äußeren Bahn unweit der Wohnbebauung bereits vor einiger Zeit Bäume gefällt, um Platz für einen Mobilfunkmast zu schaffen. Foto: Ungemach

Immer mehr Menschen genügt es nicht, mobil telefonieren zu können; sie wollen unterwegs auch aufs Internet zugreifen und Angebote nutzen können, die mit großen Datenübertragungen verbunden sind.

Deshalb bauen die Versorger ihre Infrastruktur aus; bei betroffenen Anwohnern führt dies zuweilen zu Protesten – wie aktuell bei den von der Telekom geplanten neuen Mobilfunkstandorten in Sendelbach und Sackenbach. Vor diesen Hintergründen hat die Stadtverwaltung auf Antrag der Grünen Hans Ulrich vom Verein „Umweltinstitut München“ engagiert, der sich seit Jahrzehnten mit der Thematik befasst.

In der Stadtratssitzung am Montag, in der auch knapp 50 betroffene Anwohner anwesend waren, machte Ulrich deutlich, dass die Strahlenbelastung beim Telefonieren weitaus größer sei, als diejenige, die von Mobilfunkmasten ausgehe; allerdings sende der Mast rund um die Uhr.

Die Weltgesundheitsorganisation stufe Handystrahlung als „möglicherweise krebserregend“ ein, die Strahlenschutzkommission, die das Bundesumweltministerium berät, empfehle, „elektromagnetische Felder im Rahmen der technisch und wirtschaftlich sinnvollen Möglichkeiten zu minimieren“, so Ulrich.

Und genau dies soll jetzt in Lohr passieren. Ulrich empfahl der Stadt, sie solle mit der Telekom, die dazu bereit sei, in ein so genanntes Dialogverfahren einsteigen.

Alternativen nötig

Konkret bedeutet dies, dass die Stadt oder auch Bürger Alternativvorschläge zu den von der Telekom ausgesuchten Standorten machen sollen. Laut Bürgermeister Mario Paul wurde aus der Bevölkerung heraus bereits der Sendelbacher Sportplatz gemeldet; weitere Bürgervorschläge können laut Ulrich im Bauamt der Stadt Lohr abgegeben werden.

Sofern das Umweltinstitut München einen entsprechenden Auftrag erhält – Ulrich will der Stadt ein Angebot vorlegen – wird der Verein die Standortvarianten prüfen und bewerten, sie einander gegenüberstellen und eine Empfehlung aussprechen. Das Ganze solle zunächst öffentlich vorgestellt werden, erst dann solle ein Ratsbeschluss folgen. Bislang sei es laut Ulrich immer gelungen, im Dialogverfahren die ursprüngliche Strahlenbelastung zu reduzieren.

Eric Schürr (Bürgerverein) hätte gerne eine Garantie, dass die Sendeleistung in ein paar Jahren nicht einfach erhöht wird. Die gebe es nicht, sagte Hans Ulrich. „Man kann nur schauen, dass die Standorte günstig sind.“

Matthias Schneider (CSU) erinnerte an die ursprüngliche Idee, für das gesamte Lohrer Stadtgebiet ein Mobilfunkkonzept zu erstellen, mit beispielsweise fünf Standorten, die dann für alle Betreiber verpflichtend sein sollten. Davon riet Ulrich ab, denn dies funktioniere nur über Bauleitplanung und sei „wesentlich komplizierter, als Sie sich das vorstellen“.

Bärbel Imhof (Grüne) brachte den seit Jahren bestehenden Mobilfunkstandort auf dem Postgebäude neben dem Kreiskrankenhaus ins Gespräch. Ob es möglich sei, diesen zu überprüfen, wollte sie wissen. Das empfehle sich durchaus, meinte Ulrich, denn bislang seien oftmals nur drittklassige Standorte zum Zuge gekommen.

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