KARLSTADT

Strauß von Liedern und Stilen

Saitenzauber: Ein weihnachtliches Konzert fand im Theater in der Gerbergasse in Karlstadt mit Anne Kox-Schindelin, Conny Morath und Stefan Schmitt statt. Foto: Rainer Hain

Das weihnachtliche Konzert „Famoser Saitenzauber – von und mit famos“ war im Theater in der Gerbergasse angekündigt. Der Run auf die Restplätze war bis vor Konzertbeginn ungebrochen. Dieser verschob sich sogar um zehn Minuten, weil noch „Extrastühle“ gestellt beziehungsweise leere Sitze aufgefüllt werden konnten. „Ausverkauft“: Da steigt die Spannung.

Die musikalische Besetzung ist den Fans bekannt. Anne Kox-Schindelin an der Harfe, die Sängerin Conny Morath und der Gitarrist Stefan Schmitt, der auch sonst alles spielt, was irgendwie Saiten hat.

Die Einstimmung machte amerikanischer „Weihnachtspop“, die heimliche Hymne für alle, die dieser Tage auf Schnee warten: „Let it snow“. Doch siehe da, durch das exakte und heitere Spiel war der Kitsch verflogen, und die Zuschauer summten schon am Anfang mit. Wie sich dann später zeigte, sollte das Konzertrepertoire weniger traditionelle weihnachtliche Stimmung erzeugen, sondern ganz einfach besinnliche Musik präsentieren. Nicht wenige Titel kamen aus dem schottisch-irischen Umfeld, nicht zuletzt durch die Möglichkeiten der Harfenklänge, die ja in diesen musikalischen Ethnien eine besondere Rolle spielen.

„Scarborough fair“, von Harfe und Gitarre dargeboten, war eines davon. Auch bei der nun folgenden Filmmusik von Jean-Pierre Jeunet „ Die wunderbare Welt der Amelie“ legte sich eine ganz eigene, meditative Ruhe auf die Zuhörer. Eigentlich für Piano geschrieben verzaubert das Stück auf der Harfe durch kunstfertige Arpeggien und eine gewisse, befreiende Leichtigkeit.

Conny Morath begegnete dem Harfensolo mit einem Liebeslied, einem Song von Henry-John Deutschendorf, alias John Denver, „You fill up my senses“, gefolgt von dem schottischen „Annie Laurie“ über die Schönheit des Heidekrauts in den Highlands, ein keltisches Heimatlied.

Conny bindet einen Strauß von Liedern und Stilen, die alle einen bekannten Namen haben. Die Palette reicht von Anita Bakers „You can reach me“ zu Whitney Houstons „You light up my life“ zu Broadway-Swing-Classics wie„ All of me“. Bei der letzteren Nummer legte Conny Morath noch ein Kazoo-Solo hin, und Anne Kox-Schindelin imitierte ein Stride-Piano auf der Harfe, was ihr sehr gut gelang.

Connys gesanglicher Höhepunkt des Abends war wohl Edith Piafs „Pam-Pam“. Was die wenigsten wissen, ist, dass der Komponist Norbert Glanzberg Würzburger beziehungsweise fränkischer Jude ist, der 1936 vor den Nazis von Würzburg nach Paris fliehen konnte und dort von der Piaf versteckt wurde.

Nach der Pause legten sich die Solisten mit den entsprechenden Weihnachtsliedern noch einmal so richtig für Weihnachten in die Kurve. Dabei hatten sie keine Hemmungen, Lieder von Bob Dylan oder der Spider Murphy Gang mit einzuflechten. Stilbruch? Keineswegs, allenfalls willkommene Kontraste, die das Publikum mit begeistertem Beifall quittierte, zeigte doch gerade hier Stefan Schmitt, wie versatil er auf all den vielen Instrumenten wie Dobro, Mandoline, Kontrabass und was er sonst noch so alles dabei hat, ist: Jedes Lied hat einen eigenen Sound.

Die Runde der Zugaben eröffnete Leonard Cohens „Hallelujah“ und produzierte dabei die eine oder andere Gänsehaut. Die Zugaben waren zur Freude der Konzertbesucher meist zum Mitsingen und der Ausdruck großer Gefühle, fast wie Weihnachten eben. Dass kein Tannenbaum auf der Bühne stand, hat wohl nicht weiter gestört.

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