ARNSTEIN

SuedLink-Erdkabel: Höchstens eine Trasse bei Arnstein

Drei mögliche Trassen betreffen die Planungen für die Stadt Arnstein bezüglich der Erdverkabelung durch die SuedLink. Es wird aber höchstens eine geben, versprach der Vertreter von Tennet dem Stadtrat.
Drei mögliche Trassen betreffen die Planungen für die Stadt Arnstein bezüglich der Erdverkabelung durch die SuedLink. Es wird aber höchstens eine geben, versprach der Vertreter von Tennet dem Stadtrat. Foto: Günter Roth

Was kommt im Zuge der geplanten Stromleitungen der SuedLink von Brunsbüttel nach Grafenrheinfeld beziehungsweise Großgartach auf die Stadt Arnstein zu? Nachdem die riesigen Überlandleitungen vom Tisch sind, stößt jetzt die vorgesehene Erdverkabelung auf einige Skepsis – auch im Werntal. Über den Stand der Planungen und die möglichen Korridore gab Thomas Wagner von der Firma Tennet als Referent für Bürgerbeteiligung der SuedLink dem Stadtrat von Arnstein Auskunft und beantwortete Fragen der Räte.

Die Wichtigste: Über den genauen Verlauf der Trasse ist noch nicht entschieden. Der Arnsteiner Raum könnte in drei Bereichen berührt werden. Da gibt es die Ost-West-Trasse, die nördlich von Arnstein ähnlich wie die der Bundesstraße 26n verlaufen würde, eine zweite könnte im Nordosten zwischen Altbessingen und Schwebenried über Büchold und über die nordwestlichen Höhenzüge des Werntals bis Binsfeld führen. Die dritte Alternative folgt im Wesentlichen der Gasleitung der OpenGrid und tangiert Binsfeld im Westen.

Kilometerbreiter Korridor

Die vorgestellten Vorschlagskorridore haben eine Breite von einem Kilometer, so Wagner. In der endgültigen Trasse wird es dann einen Schutzstreifen von maximal 30 Metern geben, in dem aber normale Landwirtschaft ohne Einschränkungen möglich sein werde. Lediglich tief wurzelnde Pflanzen dürften dort nicht angebaut werden, da die Erdkabel in einer Tiefe von mindestens 1,30 Meter verlegt würden. Die Kabel werden paarweise verlegt, damit sich die elektromagnetischen Felder von Plus- und Minuspol gegenseitig neutralisieren. Über das Material und die verwendete Spannung ist noch nicht entschieden – ob 525 Kilovolt anstelle 320 Kilovolt werde derzeit geprüft. In jedem Fall aber werde man Gleichstrom wählen.

Tennet sieht kein Risiko

Nach Fragen aus dem Stadtrat ging der Tennet-Referent auf die Strahlungswärme ein. Am Mantel der Kabel gebe es höchstens 40 Grad Celsius, dies würde sich aber an der Bodenoberfläche kaum noch auswirken. Bei bisher rund 1000 Kilometern verlegte Erdkabel seien bislang keinerlei Ertragsminderungen für die Landwirtschaft beobachtet worden. Seine Firma würde hier jedes Risiko ausschließen, weil sie ja schließlich gegenüber den Grundstückseignern regresspflichtig sei.

In den nächsten Schritten würden alle vorgestellten Trassen gleichberechtigt untersucht, wobei man sorgfältig die vorgebrachten Hinweise und Einwände aus der Bürgerbeteiligung berücksichtigen würde. Die letzte Entscheidung träfe dann die Behörde, die Bundes-Netzagentur. Ganz sicher aber werde es für die Stadt Arnstein höchstens eine Trasse auf ihrem Gebiet geben – vielleicht sogar gar keine. Einzelverträge für die Nutzungsrechte würden nicht geschlossen, sondern es werde transparent für alle dieselben Sätze für Entschädigungen geben. In der betroffenen Flur seien keine Umspannwerke, Gebäude und auch kein Schacht geplant. Die Nutzungszeit der Leitungen wird auf rund 40 Jahre veranschlagt; die Kosten der Verlegung auf etwa zehn Milliarden Euro geschätzt.

Antragskonferenz am Montag

An diesem Montag gibt es noch eine Antragskonferenz, bei der sowohl der Landkreis Main-Spessart als auch die Stadt Arnstein, vertreten durch die Bürgermeisterin Anna Stolz ihre Belange vortragen können. Insbesondere möchte hier die Stadt ihre Planungshoheit für eventuelle spätere Gewerbegebiete sicherstellen. Nach Beendigung der gegenwärtigen Fachplanungen soll Ende nächsten Jahres die Bundes-Netzagentur einen verbindlichen Korridor festlegen und die notwendigen Planfeststellungsverfahren einleiten.

Die Genehmigungen erwartet man bis 2021, sodass dann die Bauphase beginnen kann, die Inbetriebnahme erwartet Tennet im Jahr 2025.

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