MAIN-SPESSART

SuedLink: Stromtrasse durch Sinngrund und den Bachgrund?

SuedLink: Stromtrasse durch Sinngrund und den Bachgrund?

Der Protest gegen die geplante Stromtrasse SuedLink von Norddeutschland nach Grafenrheinfeld entlang der Rhönautobahn schwappt aus dem Nachbarlandkreis Bad Kissingen nach Main-Spessart herüber. Anlass sind Prüfungen des Netzbetreibers Tennet für Alternativtrassen. Sie könnten den Sinn- und Bachgrund treffen. Detaillierte Planungen über den tatsächlich angestrebten Verlauf soll es laut dem Unternehmen aber erst im September geben.

Zunächst hatte Tennet im Frühjahr eine Trasse mit den 80 Meter hohen Masten entlang der Rhönautobahn in den Raum gestellt. Gleichzeitig zeigte man sich offen für Alternativen. Bei sogenannten Dialogveranstaltungen von Tennet formierte sich Widerstand von Bürgerinitiativen gegen die Leitungen. Neben Auswirkungen auf den Tourismus fürchtet man gesundheitliche Risiken. Ein Trumpf der Trassengegner im Landkreis Bad Kissingen gegen den ursprünglich angepeilten Verlauf könnte das dort gerade erweiterte Biosphärenreservat werden.

30 Trassenvorschläge

Insgesamt hätten sich bei den Dialogveranstaltungen 30 Trassenvorschläge ergeben, so ein Pressesprecher von Tennet auf Nachfrage der Main-Post. In die Untersuchungen einbezogen sind auch das Umfeld der neuen Gasleitung und der nie fertiggestellten Reichsautobahn.

Alarmiert zeigt sich der Freie Wähler-Landtagsabgeordnete Günther Felbinger aus Gemünden. „Die Alarmzeichen stehen auf rot, mehrere mögliche Stromtrassen durch das Sinntal nach Gemünden und weiter in den Bachgrund würden den Tod für jeglichen Tourismus in unserer Region bedeuten“, schreibt er unter Verweis auf die Proteste im Nachbarlandkreis. Auch im Main-Spessart-Kreis müsse es öffentlichen Widerstand geben.

„Eher durch Zufall habe ich erfahren, dass Tennet eine Alternativtrasse entlang der Eisenbahnstrecke im Sinngrund bis Gemünden und dann weiter entlang des Bachgrunds mit diesen 80 Meter hohen Masten in Erwägung zieht. Das ist doch ein Irrsinn in diesem engen Tal überhaupt auf die Idee zu kommen, dort eine solche Leitung entlang führen zu wollen“, wettert der Volksvertreter. Mittlerweile sei neben einer 500 Kilovolt-Wechselstromleitung von einer weiteren parallel verlaufenden 380 Kilovolt-Gleichstromleitung die Rede. Dass auch der Main-Spessarter Teil des Sinngrunds und weiter entlang des Maintals als Alternativtrasse in Erwägung gezogen wird, sei bisher nicht weiter durch Tennet an die kommunalpolitischen Entscheidungsträger der Region herangetragen worden.

Felbinger: Widerstand aufbauen

Felbinger warnt: „Hier müssen sich die Bürgermeister und der Kreistag schnellstmöglich positionieren, um diese völlig überflüssige Stromtrasse zu verhindern. Wir müssen ein Netzwerk an Widerstand aufbauen, ähnlich wie es im Landkreis Bad Kissingen bisher geschehen ist.“

Er habe deshalb bereits die Bürgermeister der Sinngrundgemeinden informiert, die daraufhin auch teilweise bei der Mitgliederversammlung der Bürgerinitiative „Sinntal gegen die Stromtrasse“ in Römershag am Montag dabei gewesen seien. Felbinger hofft auf eine schnelle Reaktion trotz der Urlaubszeit.

Denn, so folgert er, bereits bis Ende August könnte Tennet Nägel mit Köpfen machen und die alternative Trasse durch den Sinngrund bei den nächsten Bürgerdialogen Anfang September in den betroffenen Regionen vorstellen. Felbinger verlangte von Tennet, die Pläne schnellstmöglich offen zu legen und mit den Kommunalpolitikern in Kontakt zu treten.

Der Abgeordnete sieht seitens der Bundesregierung nicht überzeugend nachgewiesen, dass diese Stromtrassen nötig sind. Vielmehr setzt er auf regionale und dezentrale regenerative Energieversorgung, wie es auch die Bürgerinitiative Sinntal vorschlägt, da auch Mindestabstandsgrenzen trotz möglicher Erdverkabelung (200 Meter zu offener und 400 Meter zu geschlossener Bebauung) nicht eingehalten werden können.

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