BURGSINN

SuedLink in der Diskussion: Energielebensader oder Profittrasse?

SuedLink in der Diskussion: Vertreter aus Politik, Technik und von Bürgerinitiativen hatte die Bürgerinitiative Sinngrund-Allianz zur Podiumsdiskussion nach Burgsinn geladen (von links): Ingo Rennert, Willie Balkie, Guntram Ziepel, Ralph Lenkert, Gottfried Walter, Uwe Probst und ... Foto: Roland Bauernschubert

Der Protest muss von den Bürgern ausgehen. Man muss ganz vorne anfangen und ideologiefrei an das Thema herangehen. Dies waren drei markante Aussagen am Ende einer mehr als zweistündigen Podiumsdiskussion zum Thema SuedLink in der Sinngrundhalle. Veranstaltet hatte die Bürgerinitiative Sinngrund-Allianz gegen SuedLink diese Diskussionsrunde. Als Moderator lieferte Willie Balkie die Gesprächsvorlagen.

Günther Felbinger (Landtagsabgeordneter der Freien Wähler) forderte den Schwenk hin zu einer Bürgerenergiewende. Er warf den regierenden Parteien vor, die Energiewende zu blockieren und zu schlafen, statt Entscheidungen zu treffen. Dass weder ein CDU-/CSU-Vertreter noch ein SPD-Politiker an der Runde teilnahm, kommentierte er: „Wer keine Zeit hat, der hat auch kein Interesse.“

SuedLink werde definitiv nicht benötigt, meinte er und verwies auf eine Aussage des Tennet-Pressesprechers, die Versorgungssicherheit für Bayern sei bis 2015 gewährleistet. Die Stromtrasse sei also nicht die von den Befürwortern beschworene Energielebensader für den Süden, sondern helfe lediglich den großen Stromkonzernen, weiterhin beträchtliche Profite zu machen. Felbinger forderte, die Energiewende endlich in Bürgerhand zu geben, Anreize für regenerative Energiegewinnung zu erhalten und eine Regionalisierung der Stromerzeugung.

Vor 120 Besuchern

Viel Unterstützung erhielt er von dem Bundestagsabgeordneten Ralph Lenkert, energiepolitischer Sprecher der Bundestagsfraktion der Linken. Dieser erklärte den rund 120 Zuhörern in der Sinngrundhalle, dass weder die Bundesregierung noch die Bundesnetzagentur auf seine Nachfrage beantworten konnten, wie hoch die Übertragungsraten von elektrischer Energie zwischen den Bundesländern und wie alt die vorhandenen Trassen in Deutschland seien. Das seien zwei wesentliche Punkte, die nach seiner Meinung einer Beurteilung über den Bedarf neuer Trassen zugrunde lägen. „Aber Sie wissen, dass SuedLink gebraucht wird“, sagte Lenkert ironisch. Nach eigenen Berechnungen habe er festgestellt, dass selbst im ungünstigsten Moment bei den vorhandenen Übertragungskapazitäten eine Reserve von acht Gigawatt Strom im vorhandenen Netz verfügbar sei.

Lenker zitierte den Stromnetzbetreiber 50Hertz, der in Hamburg, Berlin und den östlichen Bundesländern Höchstspannungsnetze betreibt: „Es gibt kein Problem mit der Versorgungssicherheit. Ohne SuedLink wird es aber ein Zwei-Preiszonen-Problem geben.“

Der Befürchtung, dass die Bürger im Süden ohne SuedLink um 25 Prozent höhere Stromkosten zu tragen hätten, als die im energiereichen Norden, begegnete Lenkert mit einem Rechenexempel. Schon jetzt zahle der Bürger rund 134 Millionen Euro Übertragungsverluste pro Jahr. Die Baukosten für die Hochspannungsstromtrasse würden auf zehn Milliarden Euro geschätzt. Dazu kämen rund 360 Millionen Euro für die vertraglich zugesicherte Rendite von neun Prozent für Tennet. Insgesamt also rund eine Milliarde Euro, die die Bevölkerung jedes Jahr für SuedLink aufbringen müsse.

Dem stünden rund 600 Millionen gegenüber, die die Befürworter als wirtschaftlichen Schaden in den Raum stellten, falls SuedLink nicht gebaut werde. Eine absurde Rechnung, meinte Lenkert, der die Zuhörer zu massivem Protest gegen den Bau der Trasse aufforderte. Vor allem, weil nach seiner Erwartung nicht nur zwei, sondern am Ende fünf Trassen über die Köpfe der Bürger hinweg zögen.

Kopplungspunkt für Stromhandel

Lenkert prognostizierte außerdem, dass Grafenrheinfeld in Zukunft nicht als regionaler Verteiler für Windstrom aus dem Norden fungiere, sondern vielmehr als großer Koppelungspunkt für den nationalen und internationalen Stromhandel ausgebaut werde, damit die Betreiber weiterhin mit möglichst billigem Strom milliardenschwere Gewinne erzielten.

Guntram Ziepel, der Bundesvorsitzende aller Bürgerinitiativen gegen SuedLink, appellierte eindringlich an die Zuhörer, sofort gegen die Pläne der Bundesregierung aktiv zu werden. Die aktuellen Stromnetz-Ausbaupläne eröffneten einen Selbstbedienungsladen für die Übertragungsnetzbetreiber, sagte Ziepel. Deshalb müsse jeder Bürger, der sich in irgendeiner Weise davon betroffen fühle, mit Einsprüchen gegen den Netzentwicklungsplan Druck machen. Mit „Power to Gas“ sei der Energietransport von Nord nach Süd effektiv und ohne weitere Belastung für die Bürger jetzt schon möglich. Denn bei einem existierenden Gasnetz von 477 000 Kilometern sei auch das viel beschworene Speicherproblem längst gelöst.

Dem stimmte Ingenieur Rennert, Aufsichtsratsvorsitzender des Planungsbüros Infranetz, zu. Die vernünftigste Lösung sei aus seiner Sicht „Power to Gas“, bei der erneuerbarer Strom in Wasserstoff oder Methan umgewandelt werde. Diese könnten in der Gasleitung transportiert, gespeichert und anschließend in den verschiedenen Anwendungsbereichen genutzt werden. Bei Bedarf werde es wieder verstromt.

Sollte die SuedLink-Trasse aber unverzichtbar sein, „dann würden wir ihn am liebsten beerdigen“. Laut Rennert ist die Erdverkabelung der Stromleitungen von Nord nach Süd einfach machbar. Bei seriöser Berechnung der Trassenlösung sei die Erdverkabelung auch nicht teurer, erklärte er. Die Erdverkabelung hinterlasse anders als die Stromtrasse keine sichtbaren Spuren in der Landschaft. Rennert forderte eine Denkpause in der Energiepolitik und einen Stopp des Bundesbedarfsplanes. Er stellte den Parteien in Aussicht, dass die politische Dividende sehr hoch sei, wenn Suedlink gestoppt oder erdverkabelt werde.

Gottfried Walter, unterfränkischer Bezirksvorsitzender der AfD, stellte den prognostizierten Strombedarf infrage und plädierte für eine bessere Nutzung von Gaskraftwerken und der bekannten Techniken. Vor allem aber sollten die Bürger in der weiteren Planung der Energiewende mitgenommen werden.

Als einziger Befürworter von SuedLink bekräftigte Uwe Probst, netzpolitischer Sprecher der bayerischen FDP, den Bedarf an Stromtrassen nach dem Wegfall des Atomstroms. Er meinte, dass er noch keine Lösung bei Speichertechnologien sehe. Gaskraftwerke müssten wegen fehlender Wirtschaftlichkeit bereits stillgelegt werden, und stellten deshalb keine Alternative dar. Nicht zuletzt mit dieser Bemerkung zog sich Probst den Unmut der Zuhörer zu. Seine weiteren Beiträge beschränkten sich im Wesentlichen auf die Kernaussage, dass man die Energiewende ohne Ideologie angehen müsse.

Widerspruch in der FDP

Den von Balkie aufgezeigten parteiinternen Widerspruch zwischen der bayerischen FDP (pro Suedlink) und der hessischen FDP (contra SuedLink) konnte Probst nicht auflösen. Er appellierte daran, den besten Lösungsmix anzustreben und kritisierte die Aktivität vieler Bürgerinitiativen, die schnelle Verfahren zugunsten einer Problemlösung blockierten. Am Ende der Diskussion stand die Absichtserklärung, dass die Bürgerinitiativen in Main-Spessart ihre Zusammenarbeit verbessern und engere Kooperation mit den Bürgerinitiativen der anderen betroffenen Landkreise anstreben wollen.

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