KARLSTADT

Täglich sollen 10 000 Fahrzeuge hinterm Saupurzel rollen

Von der Karlstadter Siedlung ist es nicht einmal einen Kilometer bis hinter den Saupurzel. Dort ist das Naturschutzgebiet „Flugsande“, dort hat die Stadt die neuen Behausungen für die umgesiedelten Eidechsen des künftigen Industriegebiets „Hirschfeld“ anlegen lassen. Dort tut sich den Karlstadter Erholungssuchenden eine andere Welt auf, abseits vom geschäftigen Treiben im Maintal und den Industrietürmen der Stadt.

Und genau dieses Gebiet wird der „Zubringer Karlstadt“ künftig irgendwie durchschneiden und Straßenverkehr in diese bisherige Oase der Ruhe bringen. Täglich 9800 Fahrzeuge werden für die Anfangszeit auf dieser Spange zwischen B 26 und B 27 prognostiziert, sobald der Teil bis Karlstadt fertig ist, darunter 1600 Lastwagen. Zum Vergleich: Das sind rund 2000 Fahrzeuge weniger als derzeit zwischen Karlstadt und Retzbach, aber doppelt so viele Lastwagen!

Dass an der Linienführung der Trasse nicht mehr zu rütteln sein wird, daran ließ der aus Würzburg angereiste Michael Fuchs, Leiter des Straßenbauamts, in der Stadtratssitzung keinen Zweifel: „Die ist im Bundesverkehrswegeplan festgeschrieben, daran können wir nichts ändern.“ Bürgermeister Paul Kruck schob von vorneherein einer möglichen Diskussion einen Riegel vor: „Wir beschließen heute nichts, wir wollen auch keine Statements abgeben, sondern uns nur informieren, Sie können Fragen an Herrn Furchs stellen“, sagte er eingangs zu den Stadträten.

Diese sollen sich nun zunächst innerhalb ihrer Fraktionen beraten. Ende März dann soll diskutiert und anschließend eine Stellungnahme der Stadt beschlossen werden. Die Meinungen gingen im Stadtrat auseinander, ob der Zeitraum bis dahin zu knapp ist. Welche Wünsche der Karlstadter überhaupt noch berücksichtigt werden können, deutete Fuchs vage an: „Sie sind die Ortskundigen und können hier und da Hinweise geben, dass die Trasse beispielsweise um 50 Meter verschoben werden soll.“ Es gebe noch etwas Spielraum, beispielsweise für die Ausführung der Anschlussstellen.

Spannende Neuigkeiten hatte er in seiner Präsentation nicht zu berichten. Indem die Strecke nun nicht autobahnartig mit vier Fahrstreifen ausgebaut wird, könne man sie besser ans Gelände anpassen, erklärte er. Dabei werden auch die Einschnitte nicht so tief und Brücken nicht so mächtig ausfallen wie bei einem Autobahnausbau. Bekanntlich sollen zwei Fahrstreifen gebaut werden. An geeigneten Stellen – beispielsweise bei Steigungen – soll es Überholstreifen geben.

Für den 15,3 Kilometer langen Abschnitt von Arnstein bis Karlstadt stehen die geschätzten 63,5 Millionen Euro laut Fuchs schon zur Verfügung. Es soll aber zunächst der erste Abschnitt bis zur Kreisstraße MSP 6 zwischen Müdesheim und Hundsbach gebaut werden. In der Zwischenzeit werde die Planung bis Karlstadt weiter vorangetrieben. Die weiteren 8,4 Kilometer bis Karlstadt sind mit 33,5 Millionen Euro veranschlagt.

Im „weiteren Bedarf mit Planungsrecht“ sind der 26,2 Kilometer lange Abschnitt bis zur A 3 bei Waldbrunn für knapp 110 Millionen Euro und der 17 Kilometer lange „Zubringer Lohr“ für 34 Millionen Euro. Fuchs erwähnte auch, dass der sechsstreifige Ausbau der A 7 von Werneck bis Biebelried im weiteren Bedarf ist. In der bisherigen Diskussion um die B 26n hatte dies immer eine Rolle gespielt. Die Bürgerinitiative gegen die „Westspange“ hatte oft darauf verwiesen, dass der Ausbau der A 3 und A 7 diese überflüssig machen würde.

Die jüngste Verkehrszählung zur Belastung der B 26 im Werntal stammt von 2015. Demzufolge fahren hier insgesamt mehr als 5000 Fahrzeuge in 24 Stunden, darunter knapp 700 Lastwagen. Für 2025 werden ohne einen Bau der B 26n 8800 Fahrzeuge mit 800 Lastwagen prognostiziert. Während bei den Pkw dann eine Sättigung erreicht zu sein scheint, werde der Güterverkehr in den kommenden Jahren noch zunehmen, prognostizierte Fuchs.

Die Prognosen für die B 26n: Knapp 15 000 Fahrzeuge und 1700 Lastwagen – also nicht mehr 38 000, wie es für eine autobahnähnliche Strecke vorhergesagt war. Dafür soll der Verkehr im Werntal (Beispiel Halsheim-Müdesheim) von derzeit 6000 Fahrzeugen inklusive 700 Lkw auf dann 2900 Fahrzeuge inklusive 200 Lkw sinken. Der „Zubringer Lohr“ werde 7300 Fahrzeuge und 700 Lastwagen aufnehmen.

Bis die B 26 n Baurecht erlangt, werde geklärt sein, wie der Verkehr auf das bestehende Straßennetz angeführt wird, versicherte Fuchs.

Rückblick

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