MARKTHEIDENFELD

Tafel Marktheidenfeld: Wenig Geld, großer Enthusiasmus

Seit zehn Jahren hilft die Tafel an der Friedenstraße Bedürftigen aus der Stadt und dem Umland. Foto: M. Harth

Bei einem internen Fest für rund 80 ehrenamtliche Mitarbeiter wurde am Sonntag im Pfarrheim St. Laurentius an die Gründung der Marktheidenfelder Tafel vor zehn Jahren erinnert. Heute trägt die Einrichtung in der Friedensstraße zur Versorgung von etwa 90 Berechtigten aus der Stadt und dem Umland bei. Mit deren Angehörigen können sich etwa 200 bedürftige Personen über einen inzwischen nicht mehr wegzudenkenden Beitrag zur Bewältigung ihres Alltags freuen.

Ullrich Ruwe, Vorstandsmitglied der Ökumenischen Sozialstation St. Elisabeth, begrüßte als Vertreter des Trägers und dankte allen Helfern in Vergangenheit und Gegenwart für ihr Engagement Woche für Woche, Jahr für Jahr. Jeder wirke mit seinen Fähigkeiten bei der Bewältigung vielfältiger Aufgaben mit.

Ingrid Fischer, Gründungsmitglied und langjährige Teamleiterin, blickte darauf zurück, wie die einst in der Kolpingfamilie und beim Agenda-21-Arbeitskreis der Stadt entstanden Idee nach und nach umgesetzt werden konnte. Dazu habe man dauerhaft auf die Unterstützung von Sponsoren aus der örtlichen Wirtschaft und privater Spender bauen können. Auch bei Stadt und Landkreis stieß man auf Wohlwollen.

Im Februar 2007 ließ man sich den Tafelgedanken von der entsprechenden Initiative aus Schweinfurt näher bringen. Man suchte etwa 50 Helfer und erhielt vom Landkreis die Zusage für einen Laden mit Lager in den ehemaligen Werkstätten der Berufsschule an der Marktheidenfelder Friedenstraße. Schon im April konnte man drei Ausgabeteams und eine Mannschaft für die Transportfahrten bilden. Die Tafel in Lohr stand bei Fragen gerne zur Verfügung und bald erklärte sich die Sozialstation als offizieller Träger bereit.

Die Werkstätten galt es mit Unterstützung der Helfer und heimischer Unternehmen zu säubern und zu streichen. Zwischenwände wurden eingezogen, Markisen zur Beschattung der großen Rolltore montiert. Aus verschiedenen Quellen konnte man eine angemessene Einrichtung zusammentragen. Man hatte wenig finanzielle Mittel, aber umso mehr Enthusiasmus, meinte Fischer. Im Juli 2007 konnten die Tafel-Räume gesegnet werden.

Schließlich galt es Lebensmittel zu beschaffen, Bäckereien, Lebensmittelläden, Supermärkte und manches Unternehmen zeigten sich großzügig wie dauerhaft zuverlässig. Schon im Jahre 2008 wurde eine begehbare Kühlzelle eingebaut und bald wegen der guten Raumkapazitäten das zentrale Lager für die Tafeln im Landkreis Main-Spessart übernommen. Die Zugehörigkeit zum Tafelverbund Nordbayern machte zusätzliche Transporte erforderlich und 2010 konnte mit Hilfe von Sponsoren ein dringend erforderliches Kühlfahrzeug in Betrieb genommen werden. Über die Jahre sei mit ehrenamtlicher Hilfe an der Friedensstraße ein richtiges, gemeinnütziges Unternehmen entstanden, schloss Fischer ihre Ausführungen.

Heribert Rügamer, der als Vorsitzender der Ökumenischen Sozialstation St- Elisabeth ein Jahrzehnt lang besondere Verantwortung trug, verheimlichte nicht seine Bedenken in finanzieller Hinsicht, als der Gedanke der Übernahme der Trägerschaft an ihn herangetragen wurde. Erst als der damalige Bürgermeister Leonhard Scherg ihm versicherte, dass man sich im Notfall auf die Unterstützung der Stadt und der Umlandgemeinden verlassen könne, sei die Entscheidung leichter gefallen. Bei den zuständigen Stellen sei Fragen wohlwollend begegnet worden.

Schwerwiegende finanzielle Probleme seien glücklicherweise nie aufgetreten. Die Tafel sei leistungsfähig und unverzichtbar. Sein eigenes Ehrenamt, so führte Rügamer weiter aus, habe seinen Erfahrungsschatz bereichert und den Respekt vor der Leistung der Helfer, ob in den Ausgabeteams, bei den Fahrern oder in der Logistik, Verwaltung und Buchhaltung, wachsen lassen. Rügamer, der vor kurzem die Verantwortung an seine Nachfolger übertrug, wünschte der Tafel auch für die Zukunft Erfolg.

Vor der Feier hatte der katholische Dekan Hermann Becker die Tafel schon in der Predigt des Gottesdienstes in der St.-Josef-Kirche gewürdigt. Im Pfarrheim sprach er seinen Dank bei einem Tischgebet aus, verbunden mit der Bitte um eine gerechte Verteilung und Frieden auf Erden. Dann wurde den Helfern der Marktheidenfelder Tafeln vom Team des Gasthauses „Bräustüble“ selbst eine festliche Tafel bereitet. Am Sonntag 9. Juli, will man in der Friedenstraße die Tore des Marktheidenfelder Tafel-Ladens weit offen halten und die Bevölkerung aus der Stadt und dem Umland zur Information vor Ort einladen.

Eine große Schar ehrenamtlicher Helfer gewährleistet den Betrieb der Marktheidenfelder Tafel. Foto: Martin Harth

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