Lohr

Tanzen, um fit zu bleiben

Silke Schiff nennt den zarten Hinweis ihres Sohnes als Grund für ihre Tanzkurs-Teilnahme. Ihr Partner Hans-Ulrich Leutwein schenkte ihr den Kurs.
Silke Schiff nennt den zarten Hinweis ihres Sohnes als Grund für ihre Tanzkurs-Teilnahme. Ihr Partner Hans-Ulrich Leutwein schenkte ihr den Kurs. Foto: Frank Zagel

Neun Paare aus Lohr und Umgebung haben sich am Sonntagabend zum Tanzkurs des TSV in seinen Räumlichkeiten eingefunden. Im Wiegeschritt gleiten die Teilnehmer über das Parkett. "Rückwärtswiege, Vorwärtswiege – eins, zwei, Cha-Cha-Cha", kommentiert Tanzlehrer Heinz Pappenberger zum Takt der Musik. "Jetzt müssten sich alle wieder gegenüberstehen", wendet sich der 67-Jährige an seine Schüler. Mit seiner heutigen Vortanzpartnerin Andrea Wagner führt er die Tanzschritte vor.

Seit die Tanzabteilung des TSV im Jahr 1982 gegründet wurde, unterrichtet Pappenberger in Lohr. Für ihn gab es schon immer nur zwei Berufswünsche, sagt er im Gespräch. "Entweder werde ich Koch oder Tanzlehrer", war für Pappenberger nach seiner Schulzeit klar. Das Kochen hat er sich als Hobby bewahrt und sich seine weitere große Leidenschaft, den Tanz, zum Beruf gemacht. 1976 beendete der Himmelstadter eine dreijährige Ausbildung zum Tanzlehrer. Seitdem leitet er das 1867 gegründete Familienunternehmen – eine mobile Tanzschule – in der vierten Generation.

Etwa 20 Tänze unterrichtet Pappenberger: Standard, Latein, auch Modetänze wie zur Zeit der Salsa. Der "Joker unter den Tänzen" ist für Pappenberger noch immer der Disco Fox: "Der kann fast überall getanzt werden."

Der Altersdurchschnitt steigt

"Meist beginnen die ersten Tanzkurse für Schüler in der neunten Klasse", erklärt der Tanzlehrer. Kurz vor der Hochzeit gibt es eine Auffrischung. "Wenn die Kinder das Haus verlassen", so Pappenberger, "beginnen viele Paare wieder mit dem Tanz." Rückläufig sei die Branche nicht, lediglich der Altersdurchschnitt habe sich in den letzten Jahrzehnten erhöht.

"Tanzkurse sind keine Kontaktbörse mehr wie früher", berichtet Pappenberger über die Veränderungen. "Dennoch finden sich immer wieder Paare, die dann auch heiraten." "Während das Tanzen früher zur Gesellschaft dazu gehörte", erklärt Pappenberger, "tanzen heute viele Menschen, um fit zu bleiben."

Sabine Fink und Matthias Lübeck aus Lohr bezeichnen sich bei den Tanzkursen als Wiederholungstäter. Das Paar bevorzugt als Tanzart die Rumba.
Sabine Fink und Matthias Lübeck aus Lohr bezeichnen sich bei den Tanzkursen als Wiederholungstäter. Das Paar bevorzugt als Tanzart die Rumba. Foto: Frank Zagel

Im Tanzsaal des TSV zählen die Paare ihre Schritte mit. Die zweite Stufe des Kurses "Standard und Latein" in der fünften Stunde – zehn Einheiten beinhaltet der Kurs – steht auch für das Tanzpaar Sabine Fink und Matthias Lübeck aus Lohr an. "Wir sind Wiederholungstäter", sagt Fink, die gemeinsam mit ihrem Partner ihr Hobby betreibt. "Wir haben uns auch beim Tanzen kennengelernt." Als seinen Lieblingstanz gibt Lübeck die Rumba an: "Rumba ist schön langsam und ein liebevoller Tanz."

Silke Schiff hat den Tanzkurs zu Weihnachten von ihrem Lebensgefährten Hans-Ulrich Leutwein geschenkt bekommen. "Mein Sohn hat bei seinem Abschlussball gesagt, dass ich so peinlich tanze", sagt die Lohrerin zu ihrer Motivation. Im letzten Jahr erfolgte der erste Kurs, jetzt ist das Paar wieder dabei. Beide bevorzugen den langsamen Walzer. "Der ist als Paar einfach schön zu tanzen", sagt Leutwein.

Seit 2014 ist Gerhard Becker der Leiter der Abteilung Tanz beim TSV. Erst mit 50 Jahren stieg der 68-Jährige wieder in sein Hobby ein. "Meine Frau wollte etwas gemeinsam mit mir unternehmen", erinnert er sich. Etwa 60 Mitglieder hat die Tanzsportabteilung des TSV Lohr – alle sind aktive Tänzer. Diese treffen sich jeweils sonntags nach den Kursen zum Tanzclub.

Unter Pappenbergers Anleitung tanzen hier die Fortgeschrittenen. "Manchmal suchen wir uns etwas aus, manchmal bestimmt der Tanzlehrer." Becker bezeichnet Pappenberger als ein "Unikat". "Tanz bedeutet für mich auch eine verzögerte Demenz", ist sich Becker sicher. "Beim Tanzen denken wir und bewegen uns", so Becker, "das fordert Hirn und Körper und hält jung."

Ungewöhnliche Position für einen Tanzlehrer: Heinz Pappenberger (links) und Abteilungsleiter Gerhard Becker.
Ungewöhnliche Position für einen Tanzlehrer: Heinz Pappenberger (links) und Abteilungsleiter Gerhard Becker. Foto: Frank Zagel

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