Marktheidenfeld

Tausende junge Fische für den Main

Die Fischer- und Schifferzunft Marktheidenfeld hat wieder für mehr Leben in ihren Zunftgewässern gesorgt. "Es ist traurig, dass man das machen muss", sagt Züchter Oberle.
Otto Väth, Günter Hegmann und Christoph Oberle bereiten den Fischbesatz auf dem Schelch am Homburger Mainufer vor.
Otto Väth, Günter Hegmann und Christoph Oberle bereiten den Fischbesatz auf dem Schelch am Homburger Mainufer vor. Foto: Thomas Lermann

Otto Väth (71) und Günter Hegmann (70) sind seit 50 Jahren in der Fischer- und Schifferzunft Marktheidenfeld und damit die dienstältesten Mitglieder der 1649 gegründeten Vereinigung. Sie ist nach der königlich-privilegierten Schützengesellschaft von 1581 die zweitälteste Institution in der Stadt. Dieser Tage fuhren sie von Homburg aus im Auftrag ihrer Zunft mit dem Schelch auf den Main hinaus und entließen Tausende von Fischen, die die Vereinigung finanziert hatte, in die Freiheit. In einer Pressemitteilung berichtet die Fischerzunft von der Aktion:

Fischzüchter Christoph Oberle aus Erlangen hat die Jungfische in Fischbehältern im Lastwagen angeliefert. Mit dem Kescher verlädt er die lebende Fracht in den Schelch der Fischer. "Ohne Wasser keine Fische", sagt der 54-Jährige. Der Satz gelte aber auch umgekehrt, denn die Fische leisteten durch die Nahrungsaufnahme ihren Beitrag zur Reinhaltung der Gewässer.

"Wenn man den Leuten vor 50 oder 100 Jahren gesagt hätte, dass man Meefischli einsetzen muss, hätten die sich totgelacht."
Christoph Oberle, Fischzüchter

Rotaugen, Rotfedern, Schleien, Hechte, Zander und Barsche hat Oberle dabei. "Es ist traurig, dass man das machen muss", meinte der Züchter, doch ohne menschliche Hilfe wären die Flüsse wohl längst ausgestorben. "Wenn man den Leuten vor 50 oder 100 Jahren gesagt hätte, dass man Meefischli einsetzen muss, hätten die sich totgelacht", ist sich Oberle sicher. Aber heute zerstörten Schwarzmeergrundeln und andere Räuber den Laich und die Brut der heimischen Fischarten.

Die Fischzucht Oberle im Aischgrund bei Erlangen blickt auf eine jahrhundertelange Tradition zurück. Die Trockenheit des Sommers blieb nicht ohne Folgen: "Es fehlt Wasser und so mussten wir Ende Juli einige Teiche notfischen", erzählt der Züchter. "Mitte November und immer noch kein Wasser – das hat's noch nie gegeben", sagt der Fischzüchter. Sein Flehen wurde offenbar sogleich erhört, denn seit dem ersten Adventswochenende fällt genügend Wasser vom Himmel.

Tausende junger Fische wie diese hat die Fischerzunft in den Main gesetzt.
Tausende junger Fische wie diese hat die Fischerzunft in den Main gesetzt. Foto: Thomas Lermann

Eine zweite Fischlieferung hat die Fischerzunft in der letzten Novemberwoche aus der Rhön bekommen. Karpfen, Schleien, Barsche und Hechte hatte Gregor Herrmann aus Gersfeld dabei. "Die Fischzucht Rhönforelle exportiert in die ganze Welt", sagt der 33-Jährige, während er den mit Wasser gefüllten Transportbehälter entlädt. Am Marktheidenfelder Mainufer nimmt Alfred Lermann die Jungfische entgegen. Mit dem Fischernachen verteilt der 67-Jährige anschließend den schwimmenden Nachwuchs entlang des Ufers.

"Der Kormoran wird vergrämt oder bejagt, da er weiterhin ein großes Problem für unsere Fischfauna darstellt."
Thomas Lermann, Obermeister

Die schwarzen Vögel sind hervorragende Jäger und dezimieren den Fischbestand des Mains. "Der Kormoran wird vergrämt oder bejagt, da er weiterhin ein großes Problem für unsere Fischfauna darstellt", sagt Obermeister Thomas Lermann. Hingegen ist die Grundel nicht nur ein Laichräuber, sondern steht inzwischen selbst auf dem Speisezettel unserer Raubfische. "Die Grundel wird von Aal, Hecht, Zander und Barsch sehr gut als Futter angenommen", bestätigt der Obermeister, und Alfred Lermann berichtet, er würde immer größere Barsche fangen, weil sie sich an den Grundeln gütlich tun.

Alfred Lermann war am Main in Marktheidenfeld mit dem Schelch unterwegs.
Alfred Lermann war am Main in Marktheidenfeld mit dem Schelch unterwegs. Foto: Thomas Lermann

Nicht nur mit ihren Fressfeinden müssen die Mainfische fertig werden, auch der trockene und heiße Sommer beeinträchtigt das Leben im Fluss. Ernste Folgen konnten zum Glück gerade noch vermieden werden. "Da der Main eine Ansammlung von Staubecken darstellt und sehr viele Zuläufe hat, konnte der Wasserpegel relativ hochgehalten werden", berichtet Obermeister Thomas Lermann. "Die Wassertemperaturen waren zwar kritisch, haben aber keine hohen Verluste im Main verursacht."

Im Rahmen der Hege und Pflege der heimischen Fischfauna tätigt die Fischer- und Schifferzunft Marktheidenfeld jedes Jahr im Frühjahr und Herbst umfangreichen Fischbesatz in den Main. Finanziert wird der Besatz aus Fördermitteln der Europäischen Union, Ausgleichszahlungen der Betreiber der Wasserkraftwerke am Main und der örtlichen Fischerzunft.

Ausschließlich aus eigenen Mitteln hat die Zunft eingesetzt: 1000 Zander (zwölf bis 15 Zentimeter),100 Hechte (20 bis 25 Zentimeter lang), 500 Hechte (15 bis 20 Zentimeter), 650 Barsche (acht bis zwölf Zentimeter), 3000 Karpfen (zehn bis zwölf Zentimeter), 150 Karpfen (20 bis 30 Zentimeter), 1000 Schleien (zehn bis 15 Zentimeter), 2000 Schleien (sieben bis zehn Zentimeter), 2000 Rotaugen (vier bis sieben Zentimeter), 2000 Rotfedern (fünf bis acht Zentimeter), .

Angeln bei der Marktheidenfelder Fischerzunft
Das Marktheidenfelder Fischwasser erstreckt sich von Flusskilometer 168,3 (bayerisch-badische Landesgrenze) bis Flusskilometer 180,65 (Bahnwärterhaus Thürauf), mit Ausnahme des Klosterwasser Triefenstein (Flusskilometer 172,32 bis 176,39).
Eine Verkaufsstelle für Angelkarten für die beiden Mainabschnitte der Marktheidenfelder Fischer- und Schifferzunft ist das Bürgerbüro der Stadt Marktheidenfeld, Luitpoldstraße 17, Tel.: (09391) 50040. Voraussetzung ist der Besitz und die Vorlage eines staatlichen Fischereischeins.  Angelkarten für 2019 sind bereits erhältlich.

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