MAIN-SPESSART

Taxi-Gewerbe: Verbissener Kampf um jede Fahrt

Im Landkreis Main-Spessart und in Würzburg wird in der Branche mit harten Bandagen gerungen. Vor allem Mietwagen von Kollegen von auswärts werden genau beobachtet.
Hier werden Sie gefahren: Der Wettbewerb um die Kunden wird im Taxigewerbe allerdings teilweise verbissen geführt. Foto: Pleier

Im Taxigewerbe in Unterfranken, insbesondere im Landkreis Main-Spessart, aber auch in Würzburg, rumort es gewaltig. Mit teils harten Bandagen versuchen etablierte Taxiunternehmer, ihr Feld gegen neue Konkurrenten zu behaupten. Vor allem lukrative Krankenfahrten sind begehrt und umkämpft.

Während manche Taxler und Anbieter von Mietwagen-Krankenfahrten ihren etablierten Mitbewerbern „Mafiamethoden“ vorwerfen, sehen diese die Neuankömmlinge als schwarze Schafe und Billigheimer, deren angeblich unlauteres Treiben sie aufdecken müssen. Es ist eine Schlammschlacht mit gegenseitigen Beschuldigungen und teils „unseriösen und schmutzigen Praktiken“, wie es ein Taxiunternehmer formuliert. Die etablierten Taxifahrer geben der AOK eine Mitschuld.

Matthias Schmidt aus Aschaffenburg, stellvertretender Bundesvorsitzender im Taxiverband Deutschland, sagt, er habe von den Problemen in Main-Spessart gehört. So habe er über die Jahre beispielsweise „massenweise Beschwerden von Kunden erhalten, dass in Lohr nichts funktioniert“, dass der Service schlecht sei und keine Taxis zu bekommen seien. Das könne nicht sein, sagt ein Taxifahrer, es gebe im Landkreis eher zu viele Taxis.

Die letzten Beschwerden seien aber schon zwei, drei Jahre her, so Schmidt. Ende Mai kam es vor dem Amtsgericht Gemünden zu einem Verfahren wegen falscher Verdächtigung unter Lohrer Taxifahrern. Man merkte, dass sich Angeklagter und Zeuge nicht mochten. Das Verfahren wurde eingestellt.

„Ich habe keine Lust auf einen irrwitzigen Taxikrieg.“
Verbandsvertreter Matthias Schmidt begründet Verzicht auf Filiale in Lohr

Taxi- und Mietwagenunternehmer Schmidt selbst hatte vor ein paar Jahren Aufträge für Dialysefahrten mit Mietwagen in Lohr. Weil eine Fahrerin aber dann nach Lohr gezogen sei, sei dies ein Verstoß gegen die sogenannte Rückkehrpflicht gewesen, den Konkurrenten angezeigt hätten. Mietwagenunternehmen müssen, im Gegensatz zu Taxis, nach jedem Auftrag zu ihrem Sitz zurückkehren und dürfen nicht woanders auf Kundschaft warten. Er habe sein Bußgeld ans Landratsamt bezahlt, aber trotzdem überlegt, in Lohr sogar eine Filiale aufzumachen. Aber: „Ich habe keine Lust auf einen irrwitzigen Taxikrieg.“

Vor allem Dialysepatienten sind hochbegehrt: Dreimal in der Woche müssen sie zur Blutreinigung gebracht werden, die Zeiten sind planbar. Oft sind es für Taxifahrer und Anbieter von Krankenfahrten mit Mietwagen zudem langfristige Kunden. Es ist ein gutes und damit umkämpftes Geschäft mit den Kranken. Bei einem Vorfall im Landkreis Main-Spessart, so erzählt es eine Mietwagenfahrerin, sei ihr ein Dialysepatient auf einer Treppe entrissen und sie dabei verletzt worden. Der Patient und der konkurrierende Taxiunternehmer bestreiten dies jedoch, stattdessen bekam sie eine Anzeige, weil sie sich dem Taxi in den Weg gestellt hat.

Glaubt man den unabhängig voneinander gemachten Schilderungen einer ehemaligen Mietwagenunternehmerin aus einem Nachbarlandkreis sowie einer Fahrerin, haben Taxiunternehmer in Lohr und Karlstadt vor Dialysepraxen nicht vor „Psychoterror“ und Nötigung zurückgeschreckt.

Die eine sagt, sie habe einmal durch einen Pulk finster dreinblickender Taxifahrer „Spalier laufen“ müssen, mehrere Fahrer seien zudem eingeparkt worden, währenddessen die beschuldigten Taxifahrer die Patienten, die oft Hilfe benötigen, alleine in die Praxis hätten laufen lassen, erzählen sie.

Das bestreiten die Fahrer des Verbunds der Taxifahrer und Krankentransporteure Main-Spessart bei einem Treffen mit der Redaktion vehement – genauso wie den Vorwurf, ein Fahrer des Verbunds hätte andere zu Falschaussagen und Verleumdung angestiftet. Der beschuldigte Unternehmer sagt, er „habe eine ganz saubere Weste“, sei bei Kunden beliebt und klagt seinerseits über anonyme Verleumdungsbriefe. Ein anderer Taxifahrer, der nichts mit dem Verbund zu tun haben wolle, bediene sich hingegen unsauberer Methoden, stelle anderen Taxifahrern Fallen, um sie dann anzuzeigen, mache Abrechnungen falsch und nötige andere zu Falschaussagen. Der Beschuldigte bestreitet die Vorwürfe und gibt sie eins zu eins zurück.

Nicht bestreiten die etablierten Taxifahrer hingegen, dass sie sehr beflissen „unseriöse“ Praktiken vor allem der Mietwagenkonkurrenz aufzudecken versuchen und diese an das jeweils zuständige Landratsamt als Genehmigungsbehörde weitergeben. „Auflauern muss sein“, sagt Holger Klier, Chef der Würzburger Taxigenossenschaft, die Behörden würden ja sonst nicht tätig werden. Eine Mietwagenfirma, die in Würzburg zu „ruinösen Bedingungen“ fahre, habe er über ein halbes Jahr lang beobachten lassen, um Verfehlungen aufzudecken. Gegen die Rückkehrpflicht werde regelmäßig verstoßen, so Klier. „Der Wettbewerb ist nur möglich mit linken Mitteln.“ Dadurch ebenfalls nötige anonyme „Testfahrten“, um sie zu überführen, seien keine „Fallen“.

Die ehemalige Mietwagenunternehmerin aus einem Nachbarlandkreis beschwert sich über Taxifahrer-„Spitzel“ aus dem Landkreis Main-Spessart, die ihren Fahrern mit Fotoapparaten bewaffnet gefolgt seien. Anschließend hätten die ihr Polizei und Landratsamt auf den Hals gejagt. Die Verfolger aus Taxikreisen habe sie nur „Spessarträuber“ genannt: tätowierte, rauchende Taxifahrer in angeblich schlecht gewarteten oder sogar mängelbehafteten Fahrzeugen, wie sie behauptet.

„Der Wettbewerb ist nur möglich mit linken Mitteln.“
Holger Klier von der Taxigenossenschaft Würzburg, weshalb Auflauern sein muss

Die Taxifahrer des Verbunds aus dem Landkreis Main-Spessart drehen den Spieß um und deuten auf manche Mietwagenunternehmen – die seien es, die Kranke in schlecht gewarteten oder sogar mängelbehafteten Fahrzeugen transportierten.

Ein Mietwagenunternehmen aus dem Landkreis Main-Spessart, gegen das die Taxifahrer besonders den Vorwurf erheben, es würde zu Dumpingpreisen fahren, wehrt sich. Man bezahle „übertariflich, über dem Mindestlohn“ und beschäftige auch keine Fahrer schwarz, teilt es mit. Eine Mietwagenunternehmerin sagt, Fahrten würden ausgeschrieben und der Günstigste bekomme sie eben, es werde nichts gemauschelt, um an Aufträge zu kommen.

Holger Klier von der Taxigenossenschaft Würzburg sieht die AOK Bayern in Würzburg mit den angeblichen Billig-Mietwagenunternehmern, die zum Teil mit alten Autos und unter Tarif führen, unter einer Decke, indem sie „auf dem Rücken der Versicherten“ Aufträge an diese vergebe. Die Taxis des Main-Spessart-Verbunds, klagen die Taxifahrer, bekämen keine Aufträge von der AOK über Krankenfahrten mehr, obwohl sie mit der AOK einen Vertrag abgeschlossen hätten. Patienten müssten mitunter die Differenz zum Preis eines „Billigheimers“ zahlen, wenn sie mit einem anderen Taxiunternehmen fahren wollen, so Klier.

Stephan Götz, Bereichsleiter der AOK-Direktion Würzburg, bestreitet, dass die Krankenkasse einen ruinösen Preiskampf fördere. Seit 1. Mai dieses Jahr hätten alle in Main-Spessart den gleichen Vertrag, ein Unternehmen ohne Vertrag bekomme keine Fahrten. Da nun alle den gleichen Vertrag haben, gebe es auch keine Aufzahlungen der Versicherten mehr. Außerdem, so Götz, beauftrage die AOK Bayern keinen Taxi- und Mietwagenunternehmer direkt, sondern Versicherte könnten nach Genehmigung selbstständig ein Unternehmen auswählen.

Einen Erfolg zeitigte das „Auflauern“ des Taxiverbunds Main-Spessart schon: Eine Mietwagenfirma aus dem Landkreis Kitzingen musste wegen Verstößen gegen die Rückkehrpflicht laut Landratsamt Geldbußen zahlen und hat sich vor zwei Jahren schließlich aus dem Landkreis Main-Spessart zurückgezogen.

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