GEMÜNDEN

Taxigewerbe: Gezerre um Dialysepatient vor Gericht

Am Montag gab es erneut eine Gerichtsverhandlung in Gemünden, bei der es um einen Vorfall im hiesigen Taximilieu geht. Dazu muss man wissen: In Main-Spessart sind sich die Unternehmen im Taxi- und Krankenfahrtengewerbe untereinander nicht alle grün. Auf der einen Seite gibt es einen Zusammenschluss von Taxiunternehmen, der drei anderen, die nicht teilnehmen, vorwirft, sie arbeiteten unseriös. Auf der anderen Seite sind die drei selbstständigen Taxi- und Mietwagenunternehmen, die dem Verbund vorwerfen, sie zu schikanieren.

Streit um Patienten

Am Amtsgericht Gemünden ging es in einer Güteverhandlung nun um einen Fall aus dem vergangenen Jahr. Damals stritten sich zwei Parteien in Harrbach vor dem Haus eines Patienten, der zur Dialyse nach Karlstadt musste. Beide wollten den Patienten fahren, beide sahen sich im Recht. Dialysefahrten sind eine lukrative Angelegenheit: Die Patienten sind regelmäßige und oft langfristige Kunden.

Die Klägerin aus dem Raum Gemünden war damals als Angestellte eines Mietwagenunternehmens vor Ort. Sie wirft einem hinzugekommenen anderen Taxiunternehmer vor, ihr im Gezerre um den Patienten einen Bluterguss am Arm zugefügt zu haben. Strafrechtlich wurde das Verfahren bereits eingestellt, nun ging es um zivilrechtliche Ansprüche der Klägerin.

Vergleich scheitert

Richter Christian Spruß versuchte gleich zu Beginn, die Parteien zu einer Einigung zu bewegen, die nach seinem Vorschlag so aussehen könnte, dass der Beklagte einen gewissen Betrag an eine gemeinnützige Einrichtung zahlt. Die „unschöne Geschichte“, so Spruß, „hat unstreitig stattgefunden“. Den Vorschlag des Anwalts der Klägerin, der Beklagte solle 175 Euro an eine Einrichtung und ebenso viel an seine Mandantin zahlen, lehnte der Anwalt des Beklagten allerdings ab, weil keine Bereitschaft bestand, etwas an die Klägerin zu zahlen.

Der Vorfall, um den es geht, hat sich wie folgt abgespielt: Ein Mietwagenunternehmen, das nicht im Verbund ist, kam mit zwei Autos nach Harrbach, um den neuen Patienten abzuholen. Den Auftrag hätten sie von einer Schwester der Dialysestation erhalten, das bisherige Taxiunternehmen sei insolvent, habe es geheißen, so die als Zeugin vor Gericht anwesende, damalige Kollegin der Klägerin. Sie seien extra etwas früher hingefahren, weil sie mit Ärger gerechnet hatten. Das Unternehmen, das den Patienten bis dahin gefahren hatte, war Mitglied des Taxi-Verbunds.

Zweites Taxiunternehmen taucht auf

Plötzlich tauchte ein Taxi des konkurrierenden Unternehmens auf. Der 49-jährige Fahrer rief daraufhin einen befreundeten Taxiunternehmer an, der kurze Zeit später auch erschien. Dieser sei „sehr in Rage“ gewesen, sagte die Zeugin. Vor Gericht ging es darum, was sich auf der Treppe zum Haus des Patienten abspielte. Dort stand schon die Klägerin, die den Patienten hinunterbegleiten wollte, als der herbeigeeilte Taxiunternehmer erschien.

Der sagte aus, er habe dem gehbehinderten Patienten, der schon im Begriff gewesen sei, die Treppe herunterzufallen, helfen wollen, die Klägerin habe ihm jedoch den Weg versperrt. Dann habe er sie, so die Klägerin, so fest gepackt, dass sich später am Arm ein Bluterguss bildete, davon habe die Polizei auch Bilder. Ihre Kollegin erzählte, sie habe ihr später den geröteten Arm gezeigt. Der 49-jährige Zeuge, der Fahrer des anderen Taxiunternehmens, sagte jedoch aus, der Beklagte habe lediglich ihre Hand berührt, die diese sofort zurückgezogen habe. Fünf, sechs Sekunden später habe sie plötzlich „aua! aua!“ gerufen. Der Zeuge: „Für mich war das Kindergartentheater.“ Der Patient konnte von Richter Spruß nicht mehr befragt werden, er ist inzwischen gestorben.

Weg versperrt

Im weiteren Verlauf rief die Klägerin die Polizei und stellte sich dem anderen Taxi, das den Patienten mit Hilfe des Beklagten schon eingeladen hatte, in den Weg, was ihr wiederum eine Anzeige wegen Verkehrsbehinderung einbrachte.

Richter Spruß machte mehrfach klar, dass er das Gezerre um einen Patienten vor dessen Augen für ein unwürdiges Schauspiel hält. Er brachte zweimal noch seinen Vergleichsvorschlag ins Spiel, doch der Anwalt des Beklagten wünschte eine Entscheidung, keine Einigung. Im November wird Spruß sein Urteil verkünden – ein bei Zivilsachen übliches Vorgehen.

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