Main-Spessart

„Taxikrieg“: Taxifahrer schwärzten Konkurrenten ohne Führerschein an

Dass ein Taxifahrer aus dem Landkreis Main-Spessart ohne Führerschein Taxi fuhr, wussten seine Konkurrenten offenbar und belasteten ihn. Foto: Roland Pleier

In der Taxi- und Krankenfahrtenbranche im Landkreis Main-Spessart wird mit harten Bandagen gekämpft, wie die Redaktion in der Vergangenheit bereits berichtet hat. Schon mehrfach landeten Fälle aus der Branche vor Gericht, weil sich Taxifahrer gegenseitig einer Verfehlung bezichtigten. Von "Taxikrieg" war schon die Rede. Die Front verläuft dabei zwischen einem Zusammenschluss von Taxiunternehmern auf der einen Seite und solchen, die sich nicht anschließen möchten, auf der anderen. Nun stand ein "freier" Taxifahrer in Gemünden vor dem Amtsgericht, weil er vergangenes Jahr Taxi gefahren ist, obwohl er gerade ein Fahrverbot und damit keinen Führerschein hatte.

Das wussten konkurrierende Taxifahrer offenbar, die wohl die Chance für eine Retourkutsche sahen. So war es der Angeklagte, der im Mai 2015 einem anderen Taxifahrer, dessen Name auch diesmal wieder fiel, vor Gericht einer falschen Verdächtigung bezichtigte. Das Verfahren gegen seinen ungeliebten Konkurrenten wurde damals eingestellt.

Taxifahrer fuhr ohne Führerschein

Im Januar 2018 hatte das Amtsgericht Gemünden wegen Geschwindigkeitsübertretung ein einmonatiges Fahrverbot gegen den 52-jährigen Taxifahrer ausgesprochen, dessen Frau ein Taxiunternehmen betreibt. Insgesamt 17 Fälle listete die Staatsanwältin auf, in denen er im Juni und Juli gefahren sein soll, obwohl er keinen Führerschein hatte. Fälle, wo er in Hammelburg, Gemünden und Würzburg gesehen worden sein soll, legten bereits nahe, dass hier Konkurrenten, die wohl von dessen Fahrverbot wussten, ein Auge auf ihn hatten.

Das sagte auch ein Lohrer Polizeibeamter aus. Nachdem er den Taxifahrer auf einer nächtlichen Streifenfahrt am 1. Juli 2018 angehalten und ihn damit konfrontiert hatte, dass er doch gerade keinen Führerschein habe, seien andere Taxiunternehmer zur Polizei gekommen und hätten "detaillreich ausgesagt". "Die konkurrierenden Taxiunternehmer kamen häufiger und haben weitere Fahrten vorgelegt", so der Polizist. Die Polizei stellte bei einem Durchsuchungsbeschluss bei dem Angeklagten zu Hause mehrere Ordner mit Schichtnachweisen sicher, aus denen sich anhand des Schriftbilds offensichtlich ergab, dass der 52-Jährige tatsächlich ohne Führerschein gefahren sein muss.

Der Angeklagte räumte die Schwarzfahrten ein

Der Angeklagte räumte in der Verhandlung die von der Polizei ermittelten zwölf Schwarzfahrten, bei denen er an manchen Tagen über 500 Kilometer gefahren war, ein. Sein Verteidiger erklärte, dass sein Mandant eingesprungen sei, weil im Taxiunternehmen Fahrer ausgefallen seien, vor allem für Krankenfahrten, etwa zu Dialyseterminen. Die fünf weiteren angeklagten Fälle, die offenbar konkurrierende Taxiunternehmer eifrig beigetragen hatten, wurden eingestellt, weil sie nicht ins Gewicht gefallen wären. Somit ist ein weiterer Verhandlungstermin mit konkurrierenden Taxifahrern als Zeugen, der für kommende Woche angesetzt war, nicht mehr nötig.

Die Staatsanwaltschaft hielt dem Angeklagten zugute, dass er geständig und nicht einschlägig vorbestraft war. Der bislang einzige Eintrag im Bundeszentralregister war eine Verurteilung vom August 2016 wegen Vorenthaltens und Veruntreuens von Arbeitsentgelt zu 80 Tagessätzen zu je 15 Euro. Die Staatsanwältin forderte eine Geldstrafe von 110 Tagessätzen zu je 25 Euro und ein Fahrverbot von drei Monaten. Der Verteidiger plädierte für 70 Tagessätze und einem kürzeren Fahrverbot. Die Frau des Angeklagten habe wegen der Fälle schon mit der Verwaltungsbehörde Probleme bekommen.

Richterin ließ Milde walten

Richterin Kristina Heiduck verurteilte den 52-Jährigen schließlich zu 90 Tagessätzen zu je 25 Euro und einem zweimonatigen Fahrverbot. 90 Tagessätze reichten aus ihrer Sicht aus, weil sie sehe, "dass alles andere für Sie berufliche Konsequenzen haben kann". Sie erkannte an, dass der Angeklagte sich in einer "Notlage" befunden habe, weil die Patienten transportiert werden mussten, aber dann müsse der Betrieb so geführt werden, dass nicht gegen Recht verstoßen wird. Inzwischen, so der Angeklagte, habe er drei weitere Fahrer eingestellt, aber auch einen entlassen.

Ein Prozessbeobachter konkurrierender Taxiunternehmer beurteilte anschließend das Urteil als mild. Normalerweise würde in solchen Fällen die Fahrerlaubnis für sechs Monate entzogen und der Verurteilte müsste den Führerschein neu machen.

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