LOHR

Technikmuseum: Vom Mini-Radio bis zur Dampfmaschine

Karl Zimmermann sammelt alte Technik, am liebsten alte Motorräder. Seine Sammlung sucht in Nordbayern ihresgleichen.
Altertümer auf zwei und vier Rädern: Neben einem der ersten motorisierten Krankenfahrstühle hat Karl Zimmermann in diesem Raum seiner Sammlung mehrere Dutzend alte Fahr- und Motorräder zusammengetragen. Foto: JOhannes Ungemach

Das wird zur Sucht, da kommt dann immer mehr dazu!“ Karl Zimmermann muss es wissen. Der 74-Jährige sammelt seit fast 50 Jahren alte Technik. In all den Jahren hat er eine Privatsammlung zusammengetragen, die in ihrer Vielfalt in Unterfranken ihresgleichen sucht. Immer sonntags öffnet er im bei Lohr gelegenen Nantenbach (Lkr. Main-Spessart) sein faszinierendes Reich der Technikgeschichte für Besucher. Ideal für einen schönen Sommertag.

Von der riesigen Dampfmaschine mit fünf Meter großem Schwungrad bis zum kleinsten Radio der Welt, vom Düsentriebwerk eines Jagdbombers bis zur historischen Kaffeemaschine, vom Kleinschnittger-Aluminiumauto ohne Rückwärtsgang über diverse Rennboote und eine komplette Schmiede bis zur 8-PS-Herkules, die ihren Besitzer 1965 um die ganze Welt trug – das alles und noch viel mehr findet sich in Zimmermanns Sammlung.

Ein Schwerpunkt sind alte Zweiräder mit und ohne Motor. Dutzende stehen in den rund 800 Quadratmeter großen Räumen. Daneben aber auch etliche Autos vom Heckflossen-Mercedes über einen Porsche 356 C bis zu einem noblen Briten.

Jede freie Minute hat der selbstständige Lackierermeister seiner großen Leidenschaft gewidmet. Und das seit seinem 13. Lebensjahr. „Wo andere Kinder mit Puppen gespielt haben, habe ich alles gesammelt, was alt ist“, erinnert sich Zimmermann.

Alte Technik: Die Dampfmaschine mit einem fünf Meter großen Schwungrad verrichtete einst in einem Furnierwerk in Gemünde... Foto: Johannes Ungemach

Sein erstes Motorrad kaufte Zimmermann mit 13 Jahren für 20 Mark: eine 98er Sachs. Er zerlegte den Motor und beschaffte sich Ersatzteile. Nach zwei Jahren war das Vehikel fahrbereit – und Zimmermann stellte fest, dass er es ohne Führerschein nicht fahren durfte.

Deswegen tauschte er das Motorrad gegen einen Viertaktmotor, baute ihn auf ein Paddelboot und konstruierte per Keilriemen einen Antrieb zur Schraube. Und los ging es zu Spazierfahrten auf dem Main bei Kitzingen, wo Zimmermann damals wohnte.

Als er 15 oder 16 Jahre alt war, kaufte sich der Sammler und Tüftler für eine Mark auf einem Kitzinger Schrottplatz ein defektes Moped, reparierte es, fuhr es einige Zeit und verkaufte es dann wieder, um das nächste anzuschaffen. Doch irgendwann begann Zimmermann damit, die Altertümer zu behalten.

Vom Röhrenradio bis zum selbstspielenden Klavier: Karl Zimmermann in einem seiner Ausstellungsräume. Foto: Johannes Ungemach

Wie viele Exponate seine Sammlung mittlerweile umfasst, das weiß Zimmermann selbst nicht. Seit 1971 hortet der gelernte Waffenmechaniker und Karosseriebauer in Nantenbach auf dem Grundstück, auf dem er damals seinen Karosseriebau- und Lackierbetrieb gründete, unzählige Raritäten. Jedes Stück hat eine Geschichte, die er Besuchern gerne erzählt. Da wäre zum Beispiel die von einem Düsentriebwerk, das einst ein Kampfflugzeug der Schweizer Armee antrieb. Als Zimmermann erfuhr, dass die Maschinen zum Verkauf standen, wollte er seinem Jagdtrieb folgend unbedingt eines der Triebwerke haben.

Doch das Kriegswaffengesetz stand dem Import des Triebwerks im Wege, schließlich handelte es sich um den Bestandteil eines Kriegsgeräts. Noch heute freut sich Zimmermann darüber, wie es ihm nach monatelangen Verhandlungen mit dem damals noch in Bonn angesiedelten zuständigen Ministerium dank eines pfiffigen Einfalls gelang, doch eines der Düsentriebwerke für seine Sammlung zu ergattern: Er bat die Schweizer darum, ihm das Triebwerk einer nicht mit Waffen bestückten Übungsmaschine zu verkaufen. Zack, schon hatte er die Einfuhrgenehmigung.

Unzählige Streifzüge führten Zimmermann bei der Suche nach neuen technischen Altertümern und Raritäten ins In- und Ausland. Daheim angekommen restaurierte er mit seinem fachlichen Können vor allem viele der Zwei- und Vierräder so, dass sie heute wie neu aussehen. Manches hat Zimmermann aber auch so gelassen, wie er es gefunden hat. Beispielsweise den Scheunenfund eines Goggomobils, das er in seiner Sammlung als solchen präsentiert.

In den Ausstellungsräumen finden sich auch etliche Leihgaben. Zimmermanns Einsatz und Begeisterung für den Erhalt alter Fahrzeuge hat sich herumgesprochen, weswegen ihm etliche Liebhaber alte Fahrzeuge für seine Ausstellung überließen, weil sie ihre Schnauferl in guten Händen wissen wollten. So wie Zimmermann seine Sammlung im In- und Ausland zusammengetragen hat, kommen heute Besucher aus dem In- und Ausland, um das von ihm zusammengetragene Sammelsurium an Technik zu bestaunen.

Technikmuseum

Die Sammlung von Karl Zimmermann gilt mittlerweile als das größte Fahrzeug- und Technikmuseum Nordbayerns. Zu besichtigen ist das umfangreiche Sammelsurium an alten Maschinen, Fahrzeugen und Gerätschaften alljährlich zwischen Mai und Oktober an jedem Sonntag von 11 bis 17 Uhr. Nantenbach, ein Ortsteil von Neuendorf, liegt im Maintal zwischen Gemünden und Lohr.

Gruppen können auch außerhalb der Öffnungszeiten unter Tel. (0 93 51) 60 35 02 Termine vereinbaren.
Infos im Internet: www.fahrzeugmuseum- neuendorf.de

 
 

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