Langenprozelten

Telekom-Kunden haben in Langenprozelten langsames Internet: Viele gehen zu HAB-Net

In weiten Bereichen Langenprozeltens sind relativ schnelle Internetgeschwindigkeiten möglich. Aber nicht überall. Auch im Gewerbegebiet ist die Situation verbesserungswürdig. Foto: Wolfgang Dehm

Wer in Langenprozelten kein HAB-Net-Kunde ist, muss sich vorerst auch weiterhin mit relativ langsamen Internetgeschwindigkeiten zufriedengeben. Das war das Ergebnis einer Bestandsaufnahme im Hotel "Zum letzten Hieb" mit dem SPD-Bundestagsabgeordneten Bernd Rützel, Vertretern der HAB-Net und der Deutschen Telekom sowie einigen Bürgern.

Bereits vor zwei Jahren hatten sich Bürger bei Rützel über zu langsames Internet in Langenprozelten beschwert. Kurz zuvor hatte HAB-Net, ein Tochterunternehmen der Stadtwerke Hammelburg, den Gemündener Ortsteil im Vektoringverfahren ausgebaut und flächendeckend Geschwindigkeiten zwischen 30 und 100 Mbit/s angeboten. Missfallen erregte damals der Umstand, dass Kunden anderer Anbieter wie Telekom oder Vodafone von diesen Übertragungsraten nicht profitieren konnten. Gelöst werden sollte das Problem durch Kooperationsverträge des Netzbetreibers HAB-Net mit den anderen Internetanbietern zur Nutzung der bestehenden Leitungen. Zustandegekommen sind sie bislang nicht.

HAB-Net kann 660 Haushalte mit 100 Mbit/s versorgen

In Langenprozelten gibt es rund 860 Haushalte. Von diesen können laut HAB-Net-Geschäftsführerin Anja Binder derzeit etwa 660 mit bis zu 100 Mbit/s versorgt werden. Die Zahl der HAB-Net-Kunden stieg ihren Worten zufolge seit dem Jahr 2018 von damals 70 auf aktuell 200 an. Die Schule in Langenprozelten habe eine direkte Glasfaserverbindung.

Natürlich könne man sagen, wer schnelleres Internet wolle, solle eben zu HAB-Net wechseln, meinte Rützel. Dennoch bohrte er nach wegen einer eventuell möglichen Kooperation zwischen Netzbetreiber und anderen Anbietern. Dazu sagte HAB-Net-Betriebsleiter Stephan Dausacker, nach einem Gespräch über Kooperationsmöglichkeiten mit einem Telekom-Mitarbeiter habe man diesem im Dezember 2018 die entsprechenden Unterlagen geschickt. Allerdings habe man bis heute, trotz zwischenzeitlicher Erinnerung, nichts mehr gehört. Somit könne derzeit nur HAB-Net in Langenprozelten die volle Bandbreite anbieten.

Die genauen Hintergründe dazu kenne er nicht, sagte Thomas Weigand von der Deutschen Telekom. Aber er versicherte, dass die Führung der Telekom bestrebt sei, Kooperationen einzugehen – auch wenn dies nicht ganz einfach sei.

Rützel: "Nur Zusammenarbeit der Anbieter macht Sinn"

Laut Rützel gibt es Situationen wie aktuell in Langenprozelten tausendfach in Deutschland. Aus seiner Sicht mache nur eine Zusammenarbeit der verschiedenen Anbieter Sinn. Dies sah ein Bürger ähnlich; er forderte eine Lösung für Telekom-Kunden, und die nicht erst in zwei oder drei Jahren. Oder aber die Telekom solle es sagen, wenn sie an 200 Kunden nicht interessiert sei, dies wäre dann für ihn auch in Ordnung.

Zudem machte er darauf aufmerksam, dass für die Haushalte ab der Kirche in Richtung Lohr auch ein Wechsel zu HAB-Net nicht viel bringe, da auch deren Netz in diesem Bereich langsam sei. Wenn dies der Fall sei, müsse man sich die Sache einmal anschauen und probieren, ob mehr gehe, meinte dazu Dausacker.

Laut Weigand sind der Telekom in Langenprozelten derzeit die Hände gebunden, was einen weiteren Ausbau betrifft. Auch sei offen, wer bei einem neuen Förderprogramm zum Zuge komme. Eine große Chance, dass die Telekom in den nächsten Jahren in Langenprozelten schnelleres Internet bieten kann, sah er nicht, zumal es auch Jahre dauere, bis möglicherweise eine Kooperation zustandekomme.

Ein weiterer Bürger berichtete, er sei von der Telekom zu HAB-Net gewechselt, habe jetzt 50 Mbit/s und sei "top zufrieden".

Fehlende Planungsressourcen und Baufirmen

Ganz anders sah dies bei einem dritten Bürger aus, der nach eigenen Angaben Telekom-Kunde ist und nur 1,85 Mbit/s bekommt. Unzufrieden zeigte sich auch ein Unternehmer, dessen Betrieb im Langenprozeltener Gewerbegebiet angesiedelt ist; er bekomme nur vier Mbit/s und auch die Netzstabilität lasse zu wünschen übrig. Im Gewerbegebiet, so der Mann, sei dringender Bedarf vorhanden.

Laut Telekom-Mann Weigand darf die Stadt Gemünden das Gewerbegebiet nicht ausschreiben, weil dort ein Vodafone-Kabel in der Straße liege. Infrage komme für die dortigen Betriebe eventuell das Telekom-Programm "Mehr Breitband für mich"; allerdings könne dies relativ teuer werden. Der Unternehmer, der sich darüber bereits erkundigt hatte, machte deutlich, dass ihn das fast 30 000 Euro kosten würde. Wenn alle Betriebe im Gewerbegebiet mitmachten, würde es billiger, meinte Weigand; er sprach von rund 7500 Euro pro Betrieb.

Warum die Telekom Langenprozelten nicht selbst ausbaut

Wieso die Telekom Langenprozelten nicht eigenwirtschaftlich ausbaue, so wie es vor einigen Jahren einmal vorgesehen gewesen sei, wollte Rützel wissen. Dazu fehlten zum einen die Planungsressourcen und zum anderen die Baufirmen, so Telekom-Mann Weigand.

Rützel schätzte, dass vielleicht drei Viertel der Langenprozeltener mit ihren Internetgeschwindigkeiten zufrieden seien. Dennoch meinte er mit Blick auf die bislang nicht zustandegekommene Kooperation, man solle doch mal prüfen, ob man das in diesem Jahr nicht doch hinbekomme. "Es ist ein dickes Brett, aber wir sollten nicht in Resignation verfallen."

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