Gemünden

Tolle Spende: Ein Harmonium aus Kanada fürs Museum

Das Ehepaar Opp aus Lohr vor dem Harmonium Foto: Ferdinand Heilgenthal

Das ehrenamtlich geführte Film-Photo-Ton-Museum in Gemünden hat in jüngster Zeit einige spektakuläre Neuzugänge verbucht. Jetzt wartete die Abteilung "Ton" mit einem besonderen Glanzstück auf: Das Ehepaar Gudrun und Günter Opp aus Lohr stifteten ein 1899 in Kanada hergestelltes, voll funktionsfähiges Harmonium. Auf das Instrument aufmerksam geworden ist über verschiedene Stationen Gemündens Ehrenbürger Albin Schäfer. Er wurde als Musiker gefragt, wer an dem wegen Wohnungsauflösung frei werdenden Harmonium Interesse haben könnte, worauf er den Kontakt zum Museum herstellte.

Die sichtlich erfreuten Vorsitzenden Jürgen Sommerer und Adolf Spreng hatten zusammen mit ihren engagierten Helfern das Ehepaar Opp zur erstmaligen Präsentation eingeladen. Die ehemalige evangelische Pfarrerin und der Gymnasiallehrer a. D. zeigten sich glücklich über den neuen Standort für ihr Erbstück: "Wir sind hocherfreut, dass unser Harmonium in diesem schönen Museum so einen würdigen Platz bekommen hat."

In Ontario gebaut – für eine Kirche

Anschließend berichteten sie einiges über die Herkunft und die Eigenart des Instrumentes, das in Woodstock, Provinz Ontario, im Großbetrieb "D. W. Karn & Co" hergestellt worden war. Es kam über den Onkel des Vaters von Günter Opp, der im Handel tätig war, nach Deutschland. Das Harmonium sei ursprünglich wohl für eine Kirche konzipiert worden, vermuteten die Anwesenden, worauf auch der Spiegel im Aufsatz hinweist. Dieser ermöglicht einen Blick auf den Pfarrer, um den Fortgang des Gottesdienstes zu verfolgen. Interessanterweise fand sich bei der Platzierung im Museum hinter dem Spiegel eine Ausgabe der regionalen Tageszeitung mit dem Erscheinungsdatum 31. August 1898, welches das Herstellungsjahr plausibel erscheinen lässt. Das Zeitungspapier diente zur genauen Fixierung des Spiegels.

Organist Werner Fella spielte Kirchenlieder Foto: Ferdinand Heilgenthal

Die Herstellerfirma wurde 1867 von Denis Karn und John Miller gegründet. Sie produzierte in großen Mengen Harmonien und Pianos und stellte ihre Produkte auf Weltmessen aus. Im Jahr 1899 beschäftigte das Werk 250 Mitarbeiter. Laut Mitteilung in der zeitgenössischen lokalen Presse betrug die Produktion 150 Harmonien und 25 Pianos in der Woche. In den 1920er Jahren ging die Firma in Konkurs. Die Vermögenswerte wurden von der Firma Sherlock Manning übernommen, die bis 1960 weiterhin Harmonien baute.

Nach den spannenden Erläuterungen nahm Werner Fella, Organist der Pfarrkirche Heiligste Dreifaltigkeit, auf dem dazugehörigen reich verzierten Hocker Patz und ließ das mit nur einem Manual ausgestattete Instrument erklingen. Durch den Einsatz verschiedener Register kam bei den vorgetragenen Kirchenliedern eine respektable Klangfülle zustande, wie sie als Liedbegleitung für eine Kapelle durchaus ausgereicht haben dürfte. Die Luft, die die Tonzungen zum Schwingen bringt, entsteht durch zwei laufend in Bewegung zu haltende Fußpedale, die an einen Blasebalg angeschlossen sind.

Zusätzliche Geschenk

Die Replik "Die Flötenspielerin" (etwa 60 mal 80 Zentimeter groß) Foto: Ferdinand Heilgenthal

Sozusagen als Zugabe bedachte das Ehepaar das Museum mit einer weiteren Schenkung. Den Tonraum ziert jetzt die Replik einer antiken Flötenspielerin. Der als Relief dargestelle Akt wurde als Original im 19. Jahrhundert auf dem Gelände der Villa Ludovisi in Rom ausgegraben und stammt ursprünglich vermutlich aus einer griechischen Kolonie in Kalabrien.

Einig waren sich die Anwesenden, dass mit den beiden neuen Exponaten das Museum und das Huttenschloss insgesamt eine bemerkenswerte Aufwertung erfährt.

Die Öffnungszeiten: Von April bis Oktober: Dienstag von 10 bis 12 Uhr und Donnerstag von 15 bis 17 Uhr. Ganzjährig: Samstag von 14 bis 17 Uhr und Sonntag von 10 bis 12 Uhr. Am Wochenende ist zeitgleich im Erdgeschoss das vereinseigene Cafe geöffnet.

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