Zimmern

Trauerfeier für Uwe Lambinus: ein Kämpfer für Gerechtigkeit

Der Ehrenbürger der Stadt Marktheidenfeld und langjährige Bundestagsabgeordnete wurde am Mittwochnachmittag in Zimmern beigesetzt. Die Redner würdigten einen Aufrichtigen.
Eine große Trauergemeinde nahm am Mittwoch auf dem Friedhof in Zimmern Abschied von Ehrenbürger Uwe Lambinus. Die Feuerwehr gab das Ehrengeleit, Fahnenabordnungen aller Ortsvereine waren vertreten. Foto: Joachim Spies

Auf zwei Tafeln im Eingangsbereich der Kirche St. Michael in Zimmern erinnerten Schwarz-Weiß-Fotos an Uwe Lambinus und zeigten die wichtigen Dinge in seinem Leben: Er mit seiner Familie, mit Freunden, mit politischen Weggefährten, darunter auch Bundeskanzler Willy Brandt. Vorne im Altarraum, wo die silberfarbene Urne stand, war Lambinus auf einem Foto am Rednerpult des Deutschen Bundestags zu sehen, wo er in seinen 22 Jahren als Abgeordneter immer wieder seine Meinung sagte und mit seiner Rhetorik glänzte.

An die große Ausstrahlung des SPD-Politikers erinnerte auch der evangelische Pfarrer Bernd Töpfer, der den Lebensweg des am Silvesterabend im Alter von 78 Jahren verstorbenen Marktheidenfelder Ehrenbürgers nachzeichnete. Er sei ein Kämpfer für Gerechtigkeit und für die Benachteiligten gewesen, der durch seine Rede mitreißen konnte. "Small talk war ihm ein Graus, er wollte diskutieren und Probleme lösen", sagte Töpfer. "Er ging keiner Auseinandersetzung aus dem Weg." Doch auch wenn Lambinus ein Mann der deutlichen Worte war und für seine Sache manchmal auch laut werden konnte, so habe er doch immer das Wohl der Menschen im Blick gehabt.   

Schon früh Interesse an der Politik gezeigt 

Schon mit zwölf Jahren habe Uwe Lambinus politisches Interesse gezeigt, sei mit 27 Jahren Bürgermeister von Zimmern geworden und habe von 1972 an 22 Jahre dem Bundestag angehört. Auch so manch Privates erfuhr die Trauergemeinde, für die die Sitzplätze in der Kirche nicht ausreichten. So etwa, dass der Verstorbene als Jugendlicher ein begnadeter Geräteturner war, sich beim Krippenspiel in der Auferstehungskirche vom Hirten zum Hl. Josef hocharbeitete und der erklärte Liebling der Diakonissen war.

Musikalisch gestaltet wurde der Gottesdienst von Kantor Alexander Wolf an der Orgel sowie Lambinus' Schwester Sophia Böhnisch an der Gitarre, die unter anderem das von der Familie gesungene Beatles-Stück "Let it be" begleitete. Die Kollekte kommt auf Wunsch des Verstorbenen dem Bauunterhalt für die Ortskirche zugute. 

Für die Sozialdemokraten würdigte sein langjähriger Weggefährte im Bundestag, der frühere Staatssekretär Walter Kolbow die Verdienste von Lambinus. "Freiheit, Gerechtigkeit und Solidarität waren seine Wegmarken," so Kolbow, der den leidenschaftlichen SPDler als "Freund der Menschen" und "politischen Ehrenmann" bezeichnete. Kolbow: "Das Unmögliche möglich zu machen war ein Lebensmotto von ihm."

"Nah am Menschen, ohne ihnen nach dem Mund zu reden"

An Lambinus' Verdienste um die Stadt Marktheidenfeld, die ihn 2014 zum Ehrenbürger machte, erinnerte Bürgermeisterin Helga Schmidt Neder. Seit 1996 Ratsmitglied, habe er an guten Lösungen und deren zügiger Umsetzung gearbeitet. Große PP-Projekte wie das Rathaus oder das Wonnemar seien ohne sein Werben dafür und sein Argumentieren nicht möglich gewesen, so Schmidt-Neder, die seine "direkten Ansagen" schätzte: "Uwe Lambinus war nah an den Menschen, ohne ihnen nach dem Mund zu reden." Stets habe das Wohl der Stadt vor persönlicher Profilierung gestanden.

Schmidt-Neder würdigte auch den Einsatz des Verstorbenen in der Königlich-privilegierten Schützengesellschaft, im Aufsichtsrat des Heimstättenwerks und in der Bürgerkulturstiftung.  Hier galt für Lambinus all das, was der Vorsitzende der Feuerwehr Zimmern, Mario Riedmann, für die Ortsvereine Gesangverein Heimatliebe, Feuerwehr, TTC und Narrenclub sagte. "Wir fanden immer ein offenes Ohr." Viele Jahre habe Lambinus die Vereine unterstützt und gefördert, beim Gesangverein sogar anfangs aktiv mitgesungen. Die Vereine gaben ihrem Mitglied auf dem Weg zum Grab auch das Ehrengeleit.  

Seit der Geburtsstunde Main-Spessarts im Kreistag

Als "politisches Urgestein" charakterisierte Landrat Thomas Schiebel den SPD-Politiker, der seit der Geburtsstunde des Landkreises 1972 im Kreistag dabei war. Was seiner Ansicht nach Lambinus auszeichnete: "Er war streitbar, aber stets an der Sache orientiert. Er konnte Mehrheitsentscheidungen akzeptieren, war nicht nachtragend und man konnte sich auf ihn verlassen."

Diese Toleranz und das Respektieren anderer Meinungen erwähnte auch Bernd Schwinn, Präsident des Rad- und Kraftfahrerbunds (RKB) Solidarität, dessen Präsident Lambinus von 1988 bis 2006 war. Der zum Ehrenpräsidenten Ernannte sei "ein toller Mensch und guter Freund" gewesen.

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