Karbach

Trauriges Karbacher Soldatenschicksal nach 74 Jahren geklärt

Seine letzte Nachricht in die Heimat stammt vom Januar 1945. Dann überrannten die Russen die Front in Polen. Von Ottmar Vogel aus Karbach verlor sich jede Spur. Bis jetzt.
Ein Hochzeitsfoto von Ottmar Vogel und Ehefrau Maria, geb. Laudenbacher. Im Krieg vermisst, konnte sein Schicksal jetzt geklärt werden. 
Ein Hochzeitsfoto von Ottmar Vogel und Ehefrau Maria, geb. Laudenbacher. Im Krieg vermisst, konnte sein Schicksal jetzt geklärt werden.  Foto: Privat/Repro Josef Laudenbacher

Wie viele Frauen wartete auch Maria Vogel nach dem Zweiten Weltkrieg jahrelang vergeblich auf ihren an der Ostfront eingesetzten Ehemann. War er gefallen, in Gefangenschaft geraten, lag er in einem Lazarett? Bis zu ihrem Tod am 31. August 1992 blieb das Schicksal des Karbachers ungewiss. Die letzte Nachricht an Maria, die er am 4. Juli 1942, geheiratet hatte, schickte Ottmar Vogel am 11. Januar 1945 aus dem Raum Radom in Polen. Wenige Tage später eroberten die Russen das Gebiet. Danach verlor sich für 74 Jahre Vogels Spur. 

Eine Nachricht an Dritte aus dem Jahr 1946, er sei bei "Kutno Lebitschthan" beigesetzt, ließ sich nicht überprüfen. In einer Mitteilung vom 14. April 1953 an Maria Vogel, geborene Laudenbacher, wurde der Vermisste für tot erklärt. Kinder hatte das Paar nicht. Als sich Vogels Schicksal nach 74 Jahren endlich klärte, gab es keine Adresse, an die sich die Deutsche Dienststelle, die unter anderem auch für die Verwahrung von Rück- und Nachlässen ehemaliger Wehrmachtsangehöriger (WAST) zuständig ist, wenden konnte. Ein Schreiben der Behörde erreichte über die im Oktober 2018 angeschriebene Gemeinde Karbach und die Verwaltungsgemeinschaft schließlich den Autor dieser Zeilen. Die Erkennungsmarke und der Ring des vermissten Soldaten waren bei Umbettungen in Osteuropa sichergestellt worden. 

1908 in der Vogelsmühle in Karbach geboren

Der Autor konnte auf die Frage nach noch lebenden Angehörigen oder Verwandten sofort Auskunft erteilen, weil er die Familienverhältnisse kennt. Ottmar (Otto Georg Vogel), war am 17. August 1908 in der Vogelsmühle in Karbach als Sohn der Auguste und des Georg Vogel geboren worden. Er hatte drei ältere Geschwister: Gustav, Betty und Anna. Ottmar lernte Metzger und arbeitete zuletzt in Frankfurt als selbständiger Metzger, bevor er eingezogen wurde. Vogel diente zuletzt als Stabsgefreiter und Kraftfahrer in einem Infanterie-Nachrichten-Regiment, Kp. 214.

Der Ehering von Ottmar Vogel, der zusammen mit der Erkennungsmarke in Polen gefunden wurde.
Der Ehering von Ottmar Vogel, der zusammen mit der Erkennungsmarke in Polen gefunden wurde. Foto: Josef Laudenbacher (Repro)

Beim Nachlass handelt es sich um einen Ring mit der Gravur 3. (5.?) 12. 1939. M. 24. (27.?) 12.1941. Nach Bekanntwerden der Anschrift der Nichte Helga Balzert, die noch zwei Geschwister Maria Rehm (Düsseldorf) und Hedwig Amann (Karbach) hat, setzte sich die Dienststelle WAST in Berlin mit den Verwandten in Verbindung. Neben dem Ring gefunden wurde die Erkennungsmarke mit der Beschriftung -84- 2. (Nachr.) Kp. 214.  Diese konnte anhand der Wehrmachtsunterlagen zweifelsfrei Ottmar Träger zugeordnet werden.

Todesumstände bleiben offen

Angaben über die Umstände und den Zeitpunkt des Todes ihres Onkels enthält die Mitteilung an die Hinterbliebenen nicht. Nach Ermittlungen des zuständigen Fachreferates konnte lediglich eingegrenzt werden, dass Ottmar Vogel zwischen dem 12. Januar und dem 24. Januar 1945 bei Schwarzgrund im Kreis Welungen/Wartheland den Tod gefunden hatte.

Der Soldatenfriedhof Siemianowice in Polen.
Der Soldatenfriedhof Siemianowice in Polen. Foto: Josef Laudenbacher (Repro)

Die sterblichen Überreste des Gefallenen ruhen nun auf dem Deutschen Soldatenfriedhof Siemianowice/Polen, Block 18, Reihe 11, Grab 1146-1154. Nach Recherchen des Autors ist die Stele für das Grab noch nicht im Verzeichnis enthalten. Aus Karbach gibt es nach wie vor noch eine ganze Reihe von Vermissten, deren Schicksal für die Angehörigen ungeklärt ist. Diese Ungewissheit ist nun zumindest im Fall Ottmar Vogel beendet.

Wartheland und SoldatenfriedhofSiemianowice
Zu Beginn des Zweiten Weltkrieges besetzten deutsche Truppen im September 1939 das westliche Polen und drückten ihm neue Verwaltungsgrenzen auf. Der Landkreis Welungen (zeitweise auch Welun) wurde Teil des Regierungsbezirkes Kalisch (ab 1941 Litzmannstadt) im sogenannten Reichsgau Wartheland. Mit dem Einmarsch der Roten Armee im Januar 1945 endete die deutsche Besetzung.
In Siemianowice/Laurahütte bei Katowice wurde dem Volksbund Deutscher Kriegsgräberfürsorge in den 90er Jahren von den polnischen Behörden kostenlos ein Gelände für die Anlage eines deutschen Soldatenfriedhofes zur Verfügung gestellt. An einem zentralen Gedenkplatz sind Stelen aufgestellt, auf denen die Namen der Orte stehen, aus denen die Gefallenen dorthin gebracht wurden. 1997 begannen die Umbettungen der deutschen Soldaten aus vielen Orten wie etwa Katowice, Bielsko Biala, Krakow, Tarnow, Kielce, Czestochowa, Piotr-kow Trybunalski, Sieradz, Nowy Sacz und Lodz. Insgesamt bietet die Anlage Platz für rund 40 000 Tote; Ende 2018 war sie Ruhestätte für 33 283 Deutsche, die im Zweiten Weltkrieg umgekommen sind. Die Umbettungen dauern noch an. 

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