Gräfendorf

Trotz Rekatholisierung blieben viele Gräfendorfer evangelisch

Kamen im Pfarrheim zu einem Vortrag zusammen (von links): Wolfgang Schelbert, Hanskarl von Thüngen und Johannes Wagenpfahl (Kirchenpfleger). Foto: Johannes Sitter

Zur Jahresversammlung des "Fördervereins Alte Kirche Gräfendorf" hatte der Vorsitzende Wolfgang Schelbert die 56 Mitglieder ins Pfarrheim geladen. Nach der Versammlung referierte Baron Hanskarl Freiherr von Thüngen über das Thema Reformation und Gegenreformation in der Herrschaft Thüngen. Dabei streifte er die Kirchensynode im Jahr 1564 in Gräfendorf.

Nach der Versammlung erläuterte Freiherr Hanskarl von Thüngen anhand von Bildern, Tafeln und Grafiken auf Großleinwand die Entwicklung und den Einfluss des fränkischen Uradels derer von Thüngen, deren Erwähnung 788 im Stammhaus im Werntal erstmals urkundlich festgehalten ist. Die "Herrschaft Thüngen", auch "Thüngensche Cent" genannt, entwickelte sich vom "Königsgut" Thüngen aus bis ins 14./15. Jahrhundert als der Fränkischen Ritterschaft zugehöriges reichsmittelbares Hoheitsgebiet.

Im Jahre 1189 gründete Friedrich von Thüngen-Heßlar das Zisterzienserinnenkloster Schönau. Die Kirche des Klosters diente Jahrhunderte lang der Familie Thüngen als Grablege. Im 16. Jahrhundert regierte Konrad von Thüngen als Fürstbischof von Würzburg und Herzog von Franken von 1519 bis 1540. Er stellte sich als Bischof gegen die 1517 beginnende Reformation. Erst um 1550 konvertierte der thüngensche Adel zur lutherischen Lehre. Grund war "mangelhafte Seelsorge" in Franken. So wurde 1550 die Urpfarrei Wolfsmünster und mit ihr wohl auch Gräfendorf protestantisch.

1645 rekatholisiert

In Gräfendorf hatte Otto Wilhelm mit Bernhard III. im Jahre 1564 eine Versammlung der 20 thüngenschen Pfarrer mit ihren circa 40 Filialorten abgehalten, um eine Vereinheitlichung des Kirchenwesens im Gebiet der Freiherrn von Thüngen zu veranlassen. Sie hat sich in vielen Stücken bis auf den heutigen Tag erhalten. Das noch gebräuchliche Läuten um 14 Uhr am Vortag von Feier- und Sonntagen war damals der Ruf zur Beichte für die Abendmalsgäste des nächsten Tages.

Weiter wurden der Liturgieablauf, die Tauffeier und das Begräbnis festgelegt. Auch Neidhard IV. von Thüngen (1589 bis 1634) wurde katholisch erzogen, ehe er in späteren Jahren einen Bekenntniswechsel vornahm. In den Jahren 1613 bis 1625 kaufte er ein Großteil von Gräfendorf auf und baute einen Herrschaftssitz an der Schondra, das heutige Rathaus. Aufgrund hoher Schulden verpfändete er den Ort an das Juliusspital, das den Ort ab 1645 rekatholisierte.

Innenraum der Alten Schutzengelkirche Gräfendorf von 1869. Foto: Wolfgang Schelbert

Neidhard VI. wollte nach seinem Tod neben seinem Bruder, dem Domprobst von Würzburg Konrad Friedrich von Thüngen in der Domkirche, bestattet werden. Das wurde Neidhard VI. als Lutheraner nicht gestattet und so fand er seine letzte Ruhestätte in der Kirchengruft in Gräfendorf. Trotz der Rekatholisierung waren 1771 noch siebzig Personen der rund 500 Einwohner in Gräfendorf protestantisch.

Die rund 50 Besucher applaudierten dem Referenten langanhaltend. Zur Mitgliederversammlung trafen sich vorher rund 30 Mitglieder im Pfarrheim. Nach den Vereinsformalitäten ging der Vorsitzende auf den Arbeitseinsatz zum Schutz der Fenster in der alten Kirche vor Steinwürfen mit Plexiglasfolie ein. Als weitere Maßnahme strebt er das Ersetzen der letzten eingeworfenen Fenster auf der Westseite der Kirche und im Altarraum sowie die Erneuerung des Außenputzes der Kirche im Zuge der Dorferneuerung Gräfendorf 3 an.

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