KARLSTADT/HIMMELSTADT

„Türkenkopf“ aus Muschelkalk:

Gesichtszüge im Fels: Der „Türkenkopf“ galt als Standortmerkmal für Mainschiffer. Im mittleren Bereich der Felsformation kann man tatsächlich eine Art Gesicht mit Turban erkennen. Heute wird die Felswand zwischen Himmelstadt und Karlstadt als „Karschter Mauer“ bezeichnet.
Gesichtszüge im Fels: Der „Türkenkopf“ galt als Standortmerkmal für Mainschiffer. Im mittleren Bereich der Felsformation kann man tatsächlich eine Art Gesicht mit Turban erkennen. Heute wird die Felswand zwischen Himmelstadt und Karlstadt als „Karschter Mauer“ bezeichnet. Foto: Georg Michel

Markante Landschaftsformationen, Bäume oder Gesteinsstrukturen fungierten schon immer als Orientierungshilfen für die Bevölkerung. Oft war der Volksmund bei der Schöpfung unverwechselbarer Bezeichnungen sehr fantasievoll. Man denke nur an exotisch klingende Wald- und Flurnamen, die bis heute in ihrer vielfältigen Form Gültigkeit haben.

Sie tauchen oft sogar noch in aktuellen Bebauungsplänen und als Straßenbezeichnungen in Gemeinden auf. Mitunter lässt sich die Herkunft von Namen wie „Eichäcker“, „Gülden Hölzlein“ oder „Kuhsing“ nur erahnen. Ähnlich ist es mit den alten Eichen, Buchen oder Linden, die über Jahrhunderte für die nähere Bestimmung eines Ortes gebraucht wurden. In Zeiten, in denen es noch keine satellitengestützte Ortungssysteme wie GPS gab, waren die aus ihrer Umgebung herausragenden Baumriesen oder ehemaligen Kultplätze und Richtstätten oft die einzigen Hilfsmittel für die Standortbestimmung und handgefertigte Kartierungen.

Steinere Markierungspunkte

Wer Bezeichnungen hörte wie „bei den sieben Tannen“, „oberhalb der Linde“, oder „an der Richteiche“, der wusste Bescheid und konnte einordnen, was sein Gegenüber meinte. Obwohl die Bäume vielerorts nicht mehr existieren, haben sich viele der daraus erwachsenen Bezeichnungen oft erstaunlich gut gehalten.

Steinerne Markierungspunkte haben dagegen eine längere Lebenserwartung und waren nicht nur für die Straßenführung oder Flurnamen bedeutend. Beinahe in jedem deutschen Fluss, so auch im Main, gab es so genannte „Hungersteine“. Wenn diese Felsbrocken bei Niedrigwasser sichtbar wurden, bedeutete das nichts Gutes. Dann drohten der Landwirtschaft karge Ernten und in der Folge mussten auch die übrigen Einwohner mit schlechten Zeiten rechnen.

Ein besonderes steinernes Denkmal kennt Georg Michel, Mitarbeiter der Gemündener Außenstelle des Wasser- und Schifffahrtsamtes Schweinfurt. Es ist der „Türkenkopf“. Etwa eineinhalb Kilometer von Himmelstadt entfernt in Richtung Karlstadt hat sich in der Muschelkalkformation über Jahrtausende hinweg durch Witterungseinflüsse ein mehrere Meter hohes Relief entwickelt, das eine frappierende Ähnlichkeit mit menschlichen Gesichtszügen aufweist.

Seinen Namen verdankt das Gebilde dem „Turban“, der bei genauer Betrachtung auf dem Haupt zu erkennen ist. Weil die Bundesstraße nahe vorbeiführt und auch die Bahnstrecke nicht den idealen Abstand zur fast senkrecht aufragenden Wand aufweist, Autos und Eisenbahn außerdem zu schnell fahren, ist der Kopf am ehesten vom gegenüberliegenden Radweg in Laudenbach zu sehen – oder von einem Schiff aus. Daher diente die markante Naturerscheinung den Flößern, Wasserbauern und Schiffsleuten als Standortbestimmung.

Gruß an die Schiffsleute

Wenn er als kleiner Bub seinen Vater Anton Michel, der sein Brot ebenfalls am Main verdient hat, gefragt hat, an welcher Stelle an der zu betreuenden Staustufenhaltung zwischen Himmelstadt und Rothenfels er heute arbeite, bekam er schon einmal die Antwort: „Heute pflastern wir unterhalb vom Türkenkopf“, erzählt der gebürtige Wernfelder Wasserbauwerker.

Flößer gibt es im 21. Jahrhundert nicht mehr. Und inzwischen ist der Gebrauch des Begriffs verblasst. Unter Mitarbeitern des Wasser- und Schifffahrtsamts und Schiffsleuten ist inzwischen der Begriff „Karschter Mauer“für die Felsen zischen Himmelstadt und Karlstadt gängiger.

Gesichtszüge im Fels: Der „Türkenkopf“ galt als Standortmerkmal für Mainschiffer. Im mittleren Bereich der Felsformation kann man tatsächlich eine Art Gesicht mit Turban erkennen. Heute wird die Felswand zwischen Himmelstadt und Karlstadt als „Karschter Mauer“ bezeichnet.
Gesichtszüge im Fels: Der „Türkenkopf“ galt als Standortmerkmal für Mainschiffer. Im mittleren Bereich der Felsformation kann man tatsächlich eine Art Gesicht mit Turban erkennen. Heute wird die Felswand zwischen Himmelstadt und Karlstadt als „Karschter Mauer“ bezeichnet. Foto: Georg Michel

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