MAIN-SPESSART

Über 50-Jährige sind für Firmen ein Gewinn

Unternehmen mit Weitblick: Jürgen König (von links) vom Jobcenter Main-Spessart, die Arbeitsvermittlerin Karin Hoffmann und Landrat Thomas Schiebel (rechts) zeichneten das Seniorenzentrum „Mainbrücke“ mit Kerstin Koßner und das Autohaus Grampp mit Hans-Joachim Burkard dafür aus, dass sie ältere Arbeitnehmer eingestellt haben. Foto: Karlheinz Haase

Ältere Arbeitnehmer sind nicht weniger wert als jüngere. „Für ein Unternehmen kann es ein großer Gewinn sein, Personen über 50 Jahre einzustellen“, betonte Eugen Hain, der Geschäftsführer der Würzburger Agentur für Arbeit bei einer Preisübergabe im Landratsamt Main-Spessart. Das Bundesministerium für Arbeit und Soziales ehrte drei Firmen, die über die Vermittlung von Leila 50plus ältere Arbeitssuchende eingestellt haben: das Seniorenzentrum Mainbrücke (Marktheidenfeld), die Firma Peter Grampp (Lohr) und Taxi „Non-stop“ (Gemünden).

Hans-Joachim Burkard, der als Serviceleiter von VW/Audi für Grampp in Lohr die Ehrung entgegennahm, berichtete, dass 2012 drei Leute eingestellt wurden. Einer ist in der Dialogannahme tätig, nimmt dort Aufträge entgegen und wirft einen ersten Blick auf die Fahrzeuge. Der andere arbeitet in der Fahrzeugaufbereitung. Hinzu kommt eine Putzfrau.

Grampp habe aufgrund der geringen Fluktuation in der Firma einen hohen Anteil älterer Arbeitnehmer. Sechs der 50 Mitarbeiter seien älter als 50 Jahre. Es sei in der KFZ-Branche von Vorteil, wenn der Kunde immer wieder seinen bekannten Ansprechpartner vorfindet. Burkard meinte, es sei hauptsächlich Kopfsache, ob ein Mensch dynamisch auftritt – weniger eine Frage des Alters.

In seiner Firma habe man festgestellt, dass die Eingestellten einen regelrechten Schub gemacht haben. Burkard: „Da könnte sich mancher Auszubildende eine Scheibe abschneiden. Denn die Azubis werden schwieriger.“

In Lohr komme erschwerend hinzu, dass Bosch-Rexroth mehr Lohn zahle. Zudem würden die Beschäftigten das Arbeiten dort oft als angenehmer empfinden, weil sie sich weniger die Hände schmutzig machen als in einem KFZ-Betrieb.

Die Leiterin des Seniorenzentrums Mainbrücke in Marktheidenfeld, Kerstin Koßner, berichtete, dass nach der Eröffnung des Hauses im August 2011 viele Junge eingestellt wurden, die gerade aus der Schule kamen. Inzwischen habe ein Umdenken und ein weitgehender Austausch des Personals stattgefunden. Man habe etliche ältere Mitarbeiter gewonnen, was zu einer guten Mischung aus Jung und Alt geführt habe, die von mehr Ruhe, Beständigkeit und einem respektvollen Umgang geprägt sei. Das Haus hat 147 Plätze und bisher 75 Bewohner. Von den 53 Mitarbeitern in Pflege, Reinigung und Küche sind 13 älter als 50 Jahre.

Das Taxiunternehmen „Nonstop“ in Gemünden hat bei weniger als zehn Mitarbeitern gleich drei über 50 eingestellt. Es konnte zwar kein Vertreter der Firma bei der Preisverleihung dabei sein, doch die anderen Anwesenden wussten zu berichten, dass Rentner gerne für Kurierfahrten eingesetzt werden, weil sie flexibel, motiviert und verlässlich sind.

Eugen Hain sagte, Älteren unterstelle man, sie seien häufiger krank, was aber nicht nachgewiesen sei. In den meisten Berufen sei heute auch die körperliche Belastung für Ältere nicht zu hoch, sieht man einmal von Arbeiten auf dem Bau ab.

In Main-Spessart liegt die Arbeitslosenquote momentan bei 2,5 Prozent. Von den 1785 Arbeitslosen sei ein Drittel älter als 50. Man könne bei Neueinstellungen nicht nur Personen „um die 30, mit zehn Jahren Auslandsaufenthalt und Berufserfahrung“ nehmen. Wie solle es dann funktionieren, dass bis 67 gearbeitet wird? Leider hätten die Älteren von der konjunkturellen Belebung der vergangenen Jahre nicht profitiert. Viele Firmen würden erst dann Ältere einstellen, wenn der Fachkräftemangel besonders gravierend ist. Hain: „Ältere einzustellen ist aber kein Gnadenakt, sondern ein Gebot der ökonomischen Vernunft.“ So solle die Preisübergabe auch ein Beispiel für andere sein. „Wir hoffen auf Nachahmer.“

Jürgen König, Geschäftsführer des Jobcenters in Karlstadt, sagte, das Jobcenter Main-Spessart in Karlstadt sei seit 2006 im Pakt von Leila 50plus. In dieser Zeit gelangen schon 373 Vermittlungen von Arbeitssuchenden zwischen 50 und 65 Jahren. Landrat Thomas Schiebel betonte, wie wichtig die Vermittlungsstelle im Landkreis sei.

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