Karlstadt

Überraschung: Kruck verzichtet auf weitere Kandidatur

Zufriedene Freie Wähler (von links): Der Kreisvorsitzende Marco Pintar, Bürgermeister Paul Kruck, Kandidat Benedikt Kaufmann, der Zweite Vorsitzende Frank Moser und der Vorsitzende Manfred Lippert Foto: Markus Rill

Das ist ein unerwarteter Paukenschlag: Dr. Paul Kruck, seit elf Jahren Bürgermeister von Karlstadt, wird im März 2020 nicht zur Wiederwahl antreten. Und das, obwohl er im vergangenen Jahr seine prinzipielle Bereitschaft zu einer weiteren Amtsperiode signalisiert hatte. Bei seiner Jaheresversammlung am Freitagabend im Hotel Mainpromenade präsentierte der Ortsverein der Freien Wähler einen überraschenden Kandidaten für Krucks Nachfolge: Den 34-jährigen Dr. Benedikt Kaufmann.  

Der Vorsitzende Manfred Lippert erinnerte an Krucks Worte vom Mai 2018: "Ich würde zur Verfügung stehen, wenn sich kein geeigneter, junger Kandidat findet." Doch, so Lippert, die Freien Wähler "haben einen jungen, sehr kompetenten Mann gefunden". Zunächst sei dieser nur für eine Kandidatur auf der Stadtratsliste angesprochen worden, doch bald sei klar geworden: "Der kann mehr, der kann auch Bürgermeister."

Wer ist Benedikt Kaufmann?

Und dann stellte sich der junge Mann vor, der bisher nicht politisch in Erscheinung getreten ist. Benedikt Kaufmann sagte: "Sie wollen von mir sicher drei Dinge wissen. Wer bin ich? Warum möchte ich Bürgermeister werden? Warum für die Freien Wähler?" Kaufmann ist 34, in Karlstadt aufgewachsen und wohnt seit Anfang 2017 wieder mit seiner Ehefrau und zwei Kindern in seiner Heimatstadt. Im August erwartet er sein drittes Kind. Nach dem Abitur am Schöner-Gymnasium studierte er Jura, Politik und Soziologie in Würzburg und Passau.

Seit Januar 2018 leitet der promovierte Jurist das Bauamt am Landratsamt Würzburg und ist stellvertretender Leiter des Umweltamts. Zudem unterrichtet er Rechtsreferendare an der Uni. Kaufmann ist Schlagzeuger der Karlstadter Band "Steamboat Charlie" und einer Bigband. "Meine Mutter erzählt, dass ich schon als Kind Bürgermeister werden wollte, weil die bei Konzerten in der ersten Reihe sitzen dürfen", sagte Kaufmann.

Ihn reizt die Möglichkeit, die Angelegenheiten einer Gemeinde zu regeln. "Das muss mit Kompetenz und Fachwissen gemacht werden", sagte er. Dies beansprucht er für sich durch seine Arbeit in der Verwaltung. Außerdem hat er mehrfach an der Model-UN teilgenommen – internationale Planspiele, in denen die Delegierten über weltpolitische Themen debattieren. Im Studium hat sich Kaufmann  auch mit Europarecht beschäftigt. "Aber ein Bürgermeister muss nicht nur verwalten. Er muss auch imstande sein, pragmatische Lösungen zu finden und diese den Bürgern zu erklären und vermitteln."

Für die Freien Wählern spricht aus Kaufmanns Sicht deren Bürgernähe. "In der Kommunalpolitik passt nicht alles ins politische Rechts-Links-Schema. Ich stehe für Verlässlichkeit und Ehrlichkeit. Und ich ticke modern." Seine Themen seien Wohnraumbeschaffung, Verbesserung des ÖPNV, Mehr-Generationen-Leben und die Vereinbarkeit von Beruf und Familie. "Außerdem möchte ich die Sorgen der Bürger wahrnehmen." Kaufmann wurde von der Versammlung einstimmig nominiert.

Kruck: "Die gewünschte Lösung"

Nach ihm trat Paul Kruck ans Rednerpult. "Er ist genau die Lösung, die ich mir gewünscht habe." Der Bürgermeister sagte, er werde bald nach der Kommunalwahl 2020 65 Jahre alt. "Bis 68 hätte ich gerne gearbeitet, aber die Wahlperiode läuft, bis ich fast 72 bin. Das wäre mir schwer gefallen." Kruck zog eine positive Bilanz seiner Amtszeit. 

"Wir haben in die Infrastruktur investiert. Die Krippen und das Schwimmbad stehen gut da, die Schulen kommen noch", so Kruck. Die Finanzlage der Stadt sei ebenfalls positiv. Der Bürgermeister räumte aber auch ein: "Ich bin Naturwissenschaftler. Ich entscheide nach Fakten." Heutzutage aber wollten die Menschen "mitgenommen" werden. Kaufmann erfülle das moderne Profil. "Ich bin zutiefst davon überzeugt, dass er der Richtige ist."

Zu erkennen war, dass der Bürgermeister sich zu Unrecht für die Schließung des Karlstadter Krankenhauses zum Buhmann gemacht sieht. "Das wurde im Kreistag mit Zwei-Drittel-Mehrheit beschlossen. Aber bei den Leuten heißt es, der Schiebel und der Kruck sind Schuld." Dabei habe er von 2012 bis 2015 "wie ein Löwe für den Erhalt gekämpft".

Der FW-Ortsvorsitzende Manfred Lippert dankte Paul Kruck für seinen Einsatz und das Geleistete. Mit Blick zu Benedikt Kaufmann sagte Lippert: "Wir werden uns jetzt gemeinsam auf den Weg machen."

In einer früheren Version dieses Artikels hieß es, die Kommunalwahlen 2020 fänden im Mai statt. Richtig ist, dass sie am 15. März 2020 stattfinden. Dies wurde korrigiert.

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