Marktheidenfeld

UGM: Neue Liste für die Kreistagswahl in Main-Spessart

Die Gesichter der neuen Liste "UGM" (von links): Richard Roos, Achim Müller, Christian Menig, Thomas Stamm und Steffen Schreck. Foto: Joachim Spies

Den etablierten Parteien und Gruppierungen erwächst bei der Kreistagswahl 2020 neue Konkurrenz: "Unabhängig Gemeinsam für Main-Spessart (UGM)" nennt sich die Liste, die nach der Wahl am 15. März die Landkreispolitik mitgestalten will. Die Listenführer sind kommunalpolitisch bewanderte und renommierte Persönlichkeiten: Der bisherige CSU-Kreisrat und Stadtrat Christian Menig aus Marktheidenfeld, der parteilose Marktheidenfelder Bürgermeisterkandidat Thomas Stamm, der frühere Freie Wähler-Kreisvorsitzende Achim Müller, Bürgermeister in Birkenfeld und Vorsitzender der VG Marktheidenfeld, der Esselbacher Bürgermeister Richard Roos (CSU) und der Rothenfelser Journalist Steffen Schreck (CSU),  

Auch wenn alle aus der Region Marktheidenfeld kommen, so stünden für die neue Liste die Themen im Mittelpunkt, betonten alle Kandidaten bei der Vorstellung am Mittwochabend im Hotel "Schöne Aussicht" in Marktheidenfeld. Bisher zählt die Liste rund 20 Personen, darunter auch Einzelne aus dem Karlstadter Raum, verriet Christian Menig auf Nachfrage. "Wir bieten ein neues politisches Angebot." Man gehe davon aus, die Kandidatenzahl "auf mindestens 30, besser noch 40" zu erhöhen. Alle Vier der bisher politisch Aktiven sagen, dass sie auch auf den Listen ihrer Parteien aussichtsreiche Plätze bekommen hätten. Richard Roos: "Wir sind hier keine Schar der Frustrierten, sondern wir wollen nach vorne denken und die wichtigen Themen platzieren."

Kein eigener Landratskandidat und keine Empfehlung 

Achim Müller betonte, dass die UGM allen offen stehe, aus allen Bereichen des Landkreises. "Ich hätte auch keine reine CSU-Liste unterstützt", stellte er klar.  Menig kündigte an, auch auf einzelne Personen von proMAR zuzugehen, die in den vergangenen Jahren eine gute Arbeit geleistet hätten. Die neue Liste bringe keinen eigenen Landratskandidaten und spreche auch keine Empfehlung für eine oder einen der bisherigen Bewerberinnen oder Bewerber aus. Christian Menig ergänzte: "Wir können uns mit allen eine gute Zusammenarbeit vorstellen." Man unterstütze aber keine Personen, sondern gute Ideen.

"Bei vielen Entscheidungen sind die Bürger nicht mitgenommen worden."
Christian Menig, Stadt- und Kreisrat

Dass er zwar als Stadtrat, nicht aber auf Kreisebene für die CSU 2020 antrete, habe er seiner Partei früh mitgeteilt, so Menig. Dass dies und die neue Liste dort nicht auf Begeisterung gestoßen sei, sei klar. Aber er denke, so mehr bewegen zu können, und das ist aus seiner Sicht auch nötig: "Bei vielen Entscheidungen sind die Bürger nicht mitgenommen worden." Thomas Stamm ist es wichtig, "authentisch zu sein". Weil er als Parteiloser ums Bürgermeisteramt kandidiere, sei die UGM auch für ihn das richtige und keine Parteiliste.

Für Achim Müller, der in Birkenfeld als Bürgermeisterkandidat der Freien Wählergemeinschaft antritt, "beißt sich die Kandidatur auf dieser Liste nicht". Er wolle die Region Marktheidenfeld weiterentwickeln zum Wohle des Landkreises, sagt Müller und der Esselbacher Bürgermeister Richard Roos, der in Kürze von der CSU wieder als Bürgermeisterkandidat nominiert werden wird, pflichtet ihm bei. "Ich sehe mich als Lobbyisten für meine Region." Viele Themen seien bisher relativ einseitig beleuchtet worden, kritisiert er.

Mittelzentrum Marktheidenfeld hat Nachholbedarf

Roos und Müller haben als Bürgermeister naturgemäß ihre engere Heimat im Fokus. Die Zahl der Arbeitsplätze und Einwohner wachse hier kontinuierlich."Das Mittelzentrum Marktheidenfeld wird in Main-Spessart zu wenig gewürdigt", beklagt Müller.  Seine Bürger fühlten sich "ein wenig abgehängt". Roos macht eine Liste auf: Hier gebe es keinen Bahnhof, kein Amtsgericht, absehbar kein Krankenhaus. Nächstes Problem: "In Esselbach und Altfeld haben wir über 2000 Arbeitsplätze, aber keinen ÖPNV." Der Anschluss an den ICE-Bahnhof Aschaffenburg fehle. Sonntags fahre überhaupt kein Bus. Roos: "Da haben wir alle 500 Meter einen behindertengerechten Bushalt, aber es kommt kein Bus."

Wohnqualität, Lebensqualität in den Ortschaften sei wichtig. Die Verkehrsbelastung durch Mautflüchtlinge und Pendlerströme sei hoch, die B26n werde das auch nicht lösen, meint Müller. "Wir fühlen uns mit unseren Anliegen nicht verstanden", sagt er. 

Fehler mit frühzeitiger Krankenhausschließung gemacht

Ein Beispiel für fehlendes politisches Verständnis benennt auch Christian Menig: die Schließung von Notaufnahme und Chirurgie am Marktheidenfelder Krankenhaus. Die sei vom Prinzip her "sicher richtig, aber nicht zu dem Zeitpunkt".  Da hätte man bis zur Eröffnung des neuen Klinikums 2024 warten müssen, denn die Schließung in Karlstadt und Marktheidenfeld habe auch Lohr überfordert, "wo sie einen Riesenjob machen". Die nächsten fünf Jahre müsse man nun sinnvoll überbrücken, mit einer Außenstelle des Klinikums, mit Fachärzten. Richard Roos mahnt, dass man die Patienten nicht mehr zurückhole, wenn man diese erst mal an Kliniken in Aschaffenburg, Würzburg und Wertheim verloren habe.

Andere Ideen als im Kreistag bisher angedacht, hat die UGM auch bei den Schulbauten in Marktheidenfeld. Hier steht die Sporthalle zur Sanierung an, sind ein Neubau des Gymnasiums und der Umzug der Realschule geplant. Natürlich müsse etwas geschehen, so Menig, aber: "Wir müssen die beste und nicht die schnellste Lösung finden." In desolate Bausubstanz zu investieren oder die "einzigartige Sportanlage" und alles Grün zuzubauen, das ist auch für Richard Roos nicht die Lösung.

"Wir wollen hier nicht eine Opferrolle spielen, sondern agieren."
Thomas Stamm, Marktheidenfelder Bürgermeisterkandidat

Thomas Stamm lenkte den Blick sogar ins Stadtzentrum. Mit dem Lermann-Gelände habe man ein Riesenareal mitten in der Stadt, das es vernünftig zu entwickeln gelte. Hier könne man auch an die Bereiche Schule oder Gesundheit denken, der Landkreis sollte hier mit beteiligt sein. Bei den Bürgern sei eine große Unzufriedenheit zu spüren, wie die Region Marktheidenfeld wegkommt, hat Stamm in vielen Gesprächen erfahren. Doch diese Feststellung ist ihm wichtig: "Wir wollen hier nicht eine Opferrolle spielen, sondern agieren." Ob die Liste drei, vier oder mehr Sitze bekomme, ist ihm selbst zweitrangig. Ihm gehe es nicht um machtpolitisches Denken sondern darum, für Main-Spessart gute Ideen zu entwickeln und umzusetzen. 

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