KARLSTADT

Umsonst & Draußen widerstand widrigem Wetter

Alle Jahre wieder, wenn man die vergangene Dekade betrachtet, legt das Sommerwetter pünktlich zum Karlstadter U & D eine Verschnaufpause ein und beschert den Besuchern Regengüsse statt Juliwetter. Die Qualität des Festivals hat darunter jedoch noch nie gelitten. Auch diesmal nicht.
Voll gut drauf: Der Sänger der Gruppe „Megaphon“ testet die Gesangsqualitäten seiner Fans auf dem U & D.

Die Veranstalter sind zu Recht stolz darauf, dass sie jeder Witterung trotzen. So auch in diesem Jahr, beim 18. Umsonst und Draußen auf dem Karlstadter Saupurzel. 25 Bands und ein DJ-Act präsentieren die Organisatoren um Martin Maier den Musikliebhabern in diesem Jahr.

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Umsonst und Draußen

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Fast schon traditionell beginnt das Festival laut, rockig und gitarrenlastig, „damit die Anwohner wissen, worauf sie sich einstellen müssen“, so Moderator Matthias Walz. Nicht verwunderlich also, dass die Würzburger „Alternative Metal“ Band „Nump“ den Auftakt in den „Rock Freitag“ macht. Harte Riffs, knallende Drums und dröhnende Bässe, dazu der genretypische „Schreigesang“ heizen den Zuschauern, die sich, mit Gummistiefeln und Regenschirmen bewaffnet, vor der Hauptbühne tummeln, ordentlich ein. Die Musiker selbst sehen allerdings gar nicht mal so düster aus, wie ihre Musik streckenweise klingt.

Ebenfalls aus Würzburg kommen „Nulldb“, Gewinner des „Deutschen Rock-und-Pop-Preises 2008“, die allein schon optisch einiges hermachen: Schottenrock, Cowboyhut, der Gitarrist sogar mit schwarz-weißer Ganzkörperbemalung in „Kiss-Manier“. Sie schaffen es, harte Stilrichtungen wie „Nu Metal“ oder die sogenannte „Neue Deutsche Härte“, welcher Bands wie Rammstein zugeordnet werden, mit Pop-Einflüssen zu kombinieren. So schrecken sie nicht vor simplen Harmoniefolgen in den Refrains zurück und greifen auch nach dem obligatorischen Tonartwechsel vor dem letzten Chorus des Liedes. Ein Konzept, das einschlägt. Hinzukommen deutschsprachige Texte, die sich inhaltlich vom Lovesong bis zur Revolutionsforderung bewegen.

Fauxpas des Abends

Mittlerweile schon bekannt ist die „Splatterpop“-Formation „Blutjungs“ aus Aschaffenburg. Eines muss man der Band lassen, sie wissen zu polarisieren und bringen eine Menge Fans mit aufs Festival. Allerdings lässt sich darüber streiten, in wieweit die Ironie, die sie an den Tag zu legen versuchen, die teilweise vor Geschmacklosigkeit und Brutalität strotzenden Texte legitimiert. So erscheint die lustvolle Hymne an „Fred den Metzger“, der gerne Sex in den Schweineinnereien und Tierabfällen oder Zeilen wie „wenn du mein Herz willst, musst du deine Mutter töten, deinen Kindern die Hälse brechen“ doch etwas daneben.

Macht schon optisch einiges her: „Nulldb“ aus Würzburg mit Schottenrock, Cowboyhut und schwarz-weißer Ganzkörperbemalung.
Den Fauxpas des Abends beging wohl Sänger Martin Großmann, der die pädagogische Meisterleistung vollbrachte, einen fünfjährigen Jungen aus dem Publikum bei einem Lied über Nekrophilie auf die Bühne zu holen. Musikalisch bemühen sich die „Blutjungs“ um einfache Harmoniefolgen und simpelste Spielweise im Stil des „Funpunk“, was ihnen auch gelingt.

Eine Menge Spaß brachten „Mama Boom“ auf die Bühne. Die explosive Mischung aus Reggae und Rap á la Samy Deluxe oder Culcha Candela brachte die Gäste auf dem Saupurzel zum „abdancen“.

Der Samstag war auch in diesem Jahr geprägt von musikalischer Vielfalt, mal weitab vom Mainstream und mal mittendrin. Die vier Musiker von „Vladiwoodstok“ spielten bekannte Pop-, und Instrumentalstücke als „Russian Mariachi-Polka“. Der typische 2/4-Takt, bei dem es sich zur Freude der meisten Besucher bestens auf die „1“ klatschen lässt, und die wodkagetränkte Stimme des pelzmützetragenden Frontmanns verwandelte Melodien wie „The Moon of Alabama“ aus Brechts „Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny“ oder das „Godfather Theme“ aus dem Film „Der Pate“ in mitreißende Tanznummern.

Im Kontrast dazu steht die Berliner Punk-Pop Gruppe „Harthof“, die mit deutschen Texten, einer energiereichen Performance und eingängigen Refrains nicht nur Fans im Teenie-Alter ansprechen.

Bekannt vom „Karscht Live“ im letzten Jahr waren die „Urban Life Beats“ der Nürnberger „Megaphon“. Die sechs Jungs fabrizieren irgendetwas zwischen Hip Hop und Reggae. Immer exakt bestechen sie durch hohes Maß an guter Laune und bringen die Menge zum Tanzen.

Voll in Aktion: Der Frontmann der Band „Death Jocks“ heizte nicht nur dem Publikum ein. Die Gruppe spielte auf der Garagenbühne, die nicht nur Newcomern vorbehalten war. Foto: Fotos (3): FELIX HAIN
Mit einer Sängerin aus England konnte die „Pop-Electro“ Gruppe „Beatshots“ aus Darmstadt überzeugen. Besonders erfreute sich das Publikum an ihrem durch Meyer-Landrut‘sche Imitation mittlerweile gern gehörten britischen Akzent.

Zum Finale des Samstags ließen die Headliner des 18. U & D, „ Die Springer“, es nochmal krachen. Popsongs in klassischer Drei-Mann-Besetzung, die zwar nicht immer nagelneu klangen, aber perfekt konzipiert und musikalisch einwandfrei waren.

Bands mit Format

Neben den „Hauptacts“ spielten auch auf der Garagenbühne wieder einige Bands mit viel Format. Dieses Jahr wurden allerdings nicht explizit Newcomer-Bands gefördert, sondern es kamen eingespielte Combos auf dem Garagenwagen zum Einsatz. Highlights waren die Würzburger „Dead United“, die mit ihrer Gruselshow das Publikum das Fürchten lehrten oder am Samstag die Rockband „The Ghost Rockets“ aus Schweinfurt, die durch eine immense Vielfalt brillierten und eigentlich auf der Hauptbühne besser aufgehoben gewesen wären.

Neben den musikalischen Leckerbissen war beim Umsonst & Draußen auch fürs leibliche Wohl gesorgt. So konnten die Gäste zwischen einer Vielzahl von kulinarischen Köstlichkeiten wie Crepes, Flammkuchen, Steaks oder Thai-Nudeln wählen, um anschließend durch die Reihen der Stände und Verkäufe zu schlendern und sich auf die Konzerte am Sonntag zu freuen.

 

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