Karlstadt

Unabhängige Stelle für Pflegethemen in Main-Spessart schaffen?

Die Gleichstellungsbeauftragte am Landratsamt in Main-Spessart zog Bilanz über zwei Jahre Arbeit. Diese ist vielseitig und fordernd und unverzichtbar.
Die Gleichstellungsbeauftragte des Landkreises Main-Spessart, Birgit Seubert. Foto: WTZ

Ein breites Spektrum komplexer Themen präge ihre Arbeit als Gleichstellungsbeauftragte, berichtete Birgit Seufert in der Jahresschlusssitzung des Kreistags. Weil sie vor zwei Jahren zuletzt einen Tätigkeitsbericht ablegte, gab es diesmal keine statistischen Daten zur Geschlechterverteilung im Landratsamt und im Klinikum Main-Spessart. Diese Statistiken werden nur alle drei Jahre fortgeschrieben.

Bei den von der Gleichstellungsbeauftragten allen Frauen und Männern angebotenen Einzelberatungen lagen die Hauptprobleme in den Bereichen und Beruf, Familie, Tod, Trennung, Scheidung, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, sowie Gewalt und zwischenmenschliche Probleme. In letzter Zeit gab es viele Anfragen zur Pflege von Angehörigen. "Für diesen Themenbereich sollte der Landkreis eine unabhängige Stelle schaffen," so Birgit Seufert. In andren Kreisen wurden schon unabhängige Pflegestützpunkte geschaffen.

"Schnuppertage" in handwerklichen und technischen Berufen 

Zweiter Tätigkeitsschwerpunkt der Gleichstellungsbeauftragten ist der Bereich Frau und Beruf. Der "Girls Day" jedes Jahr am 4. April ist inzwischen etabliert, er soll Mädchen handwerkliche und naturwissenschaftlich-technische Berufe näher bringen. Auch die Schnuppertage zur Berufsfindung in den Herbstferien an der Fachhochschule in Schweinfurt  und der Firma "Schaeffler Technologies" sind gefragt.

Die Schnuppertage werden von der Gleichstellungsbeauftragten mitorganisiert. Das Themenspektrum reicht von Informationen in den Schulen über den kostenlosen Bustransfer bis zur Evaluation. Vor 20 Jahren riefen die Gleichstellungsbeauftragten im Bereich Main-Rhön in Kooperation mit der Agentur für Arbeit, der Fachhochschule sowie der Firma FAG die Schnuppertage ins Leben – sie sind in Bayern einmalig.

Wichtig für etwas ältere Frauen ist der Wiedereinstieg ins Berufsleben und der Bereich Minijob – hier legten die Gleichstellungsbeauftragte und die Beauftragte für Chancengleichheit des Jobcenters, Christina Bloch, die Broschüre "Der Mini Job – da ist mehr für Sie drin!" auf.

Eingestellt wurde die Servicestelle des Kreises "Frau und Beruf"  nach sechs Jahren zum 30. April 2018. Das Rhön-Saale-Gründerzentrum Bad Kissingen als Projektträger bewarb sich nicht mehr um das Projekt, weil die EU und das Bayerischen Staatsministerium die Anforderungen erheblich erhöht hatten.

Aktionstag will mehr Frauen in die Politik bringen

Der seit 2015 von den unterfränkischen Gleichstellungsbeauftragten veranstaltete "Interkommunale Aktionstag" will mehr Frauen in die Politik bringen. Dazu will er ihnen das Handwerkszeug zum Mitmischen in der Kommunalpolitik vermitteln. Der vierte Aktionstag wurde am 20. Oktober 2018 in Karlstadt veranstaltet. Es gab einen einführenden Vortrag von Christine Borst, Bürgermeisterin aus Krailling und Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft "Frauen führen Kommunen" sowie eine Talkrunde mit unterfränkischen Kommunalpolitikern und -politikerinnen sowie Workshops für eine Kandidatur und die politische Arbeit.

Darauf folgte ein Fortbildungsprogramm. Im Landkreis Main-Spessart gab es auf der Arbeitnehmerbildungsstätte Benediktushöhe Retzbach drei Workshops bis hin zu "Mein Einstieg in die Kommunalpolitik." Der fünfte Aktionstag 2019 in Schweinfurt vermittelte unter anderem, wie Frauen ihre politischen Ziele strukturiert und souverän anpacken können.

Zum Jubiläum "100 Jahre Frauenwahlrecht in Deutschland" wurde zweimal der Film "Die göttliche Ordnung" gezeigt, der den Kampf von Frauen in der Schweiz für ihr Wahlrecht (das dort erst 1971 eingeführt wurde) thematisiert.

Runder Tisch gegen häusliche Gewalt

Leider nötig sei laut Seubert der Einsatz des "Runden Tisches gegen häusliche Gewalt" mit den Gleichstellungsbeauftragten aus Würzburg, Kitzingen und Main-Spessart sowie Polizei, Staatsanwaltschaft und Fachstellen. Dieser Arbeitskreis bot Tagungen zur Istanbul-Konvention (Bekämpfung von Gewalt und häuslicher Gewalt gegen Frauen), Traumareaktion Instinktive Täuschung Kindeswohl (2015) sowie zu Schutz und Sicherheit (2017) bei häuslicher Gewalt für Fachkräfte an.

Zwangsverheiratung war das Thema eines Vortrages mit Diskussion im Juli im Pfarrheim St. Michael in Lohr. Zum internationalen Tag zur Beseitigung von Gewalt gegen Frauen" wurde am 23. November erstmals ein Infostand zum Thema "Häusliche Gewalt" auf dem Marktplatz in Karlstadt aufgebaut.

Der Landkreis ist an den beiden Frauenhäusern in Würzburg beteiligt. Im Jahr mussten sie von 277 Anfragen 175 wegen Vollbelegung abweisen. Seit 1. September können staatliche Fördermitteln für den Platzausbau und mehr Personal in Frauenhäusern beantragt werden, nachdem Bayerns Sozialministerin Kerstin Schreyer das Hilfesystem in Qualität und Umfang ausbauen will.

Die Kreisräte zeigten sich vom Bericht beeindruckt. Es sei wichtig, dass sich bei den Frauenhäusern etwas ändert, sagte Gerhard Kraft von den Grünen. "Der Vorschlag für einen unabhängigen Pflegestützpunkt nehmen wir gerne auf", versprach Walter Höfling (CSU).

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