Lohr

Urteil: Haftstrafen für Nazi-Schläger im Zug nach Lohr

Zwei Männer, die im Juli 2019 im Regionalexpress einen 64-Jährigen brutal geschlagen hatten, sind zu je 28 Monaten Haft verurteilt worden. Doch nicht nur wegen der Schläge.
Der Vorfall am 15. Juli 2019 ereignete sich in einem solchen Regionalexpress vor der Ankunft in Lohr. Foto: Roland Pleier

Zu zwei Jahren und vier Monaten Haft hat das Amtsgericht Würzburg die beiden Männer verurteilt, die im Juli vergangenen Jahres einen 64-jährigen Fahrgast im Zug nach Lohr krankenhausreif geschlagen hatten. "Macht die Nazi-Musik aus", hatte der 64-Jährige aus dem Landkreis Main-Spessart die beiden 35 und 40 Jahre alten Männer aufgefordert. "Zecken schlagen", glaubte er aus dem Liedtext herausgehört zu haben. "Wirkliche Probleme im Lande sind Leute wie ihr", sagte er noch.

Der 64-Jährige wollte sich mit Worten wehren

Der Sozialwissenschaftler, der in Südamerika schon einem Mann mit blutiger Machete gegenüber gestanden war, wollte den Konflikt im Zug mit Worten lösen. Doch dieses Mal ohne Erfolg: Die beiden Mitfahrer antworteten mit ihren Fäusten. Der 64-Jährige wehrte sich nicht, rappelte sich mehrfach auf und trug massive Gesichtsverletzungen durch brutale Fauststöße davon. 

"Der Rechtsstaat muss Flagge zeigen, wie Sie Flagge gezeigt haben", wandte sich der Richter am  Mittwoch in der Urteilsbegründung an den Nebenkläger. Allein schon wegen der elf beziehungsweise 18 Vorstrafen der beiden Angeklagten habe das Schöffengericht "eine Bewährung gar nicht erwogen". 

Dazu kam, dass sich die beiden auf ihrer Fahrt aus dem Kreis Mittelsachsen nach Köln, die dann vorzeitig in Lohr endete, schon mehr erlaubt hatten: Am Hauptbahnhof Nürnberg hatten sie "Sieg Heil" gerufen und sich dann bei der Weiterfahrt "ungebührlich benommen", berichtete ein Kripobeamter  im Zeugenstand. In Würzburg waren die beiden deshalb des ICEs verwiesen worden. Im Würzburger Hauptbahnhof hatte der 40-Jährige seinen Oberkörper entblößt und auf dem Bauch das Tattoo "Blood & Honour" gezeigt. Die englische Version der Parole "Blut und Ehre" der Hitlerjugend, die verboten ist. 

Richter: Keine Zweifel an der Gesinnung im rechten Bereich

Auf den Handys der beiden Angeklagten fand sich Musik einschlägiger Bands aus dem rechten Spektrum. An der "Gesinnung im rechten Bereich keine Zweifel" bestünde kein Zweifel, so der Richter. Hinweise, dass die Männer einem rechtsradikalen Netzwerk angehören, ergab die achtstündige Verhandlung am Würzburger Amtsgericht nicht. 

Der 35-jährige stammt aus Sachsen, der 40-Jährige kommt aus Hessen und arbeitete im Sommer 2019 erst seit drei Monaten in Sachsen. Beide haben abgebrochene Lehren hinter sich, jeweils zwei Kinder, die bei ihren Müttern leben und Schulden in Höhe von mehreren zehntausend Euro. Beide zeigten sich vor Gericht reuig, entschuldigten sich bei ihrem Opfer und waren geständig. Das Geschehen im Wagon war durch die Überwachungskamera dokumentiert worden, das Handy des 40-jährigen hatte weitere Beweise geliefert.  

Der 35-Jährige nahm das Urteil noch im Gerichtssaal an. Das Urteil gegen den 40-Jährigen ist noch nicht rechtskräftig. 

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