ARNSTEIN

Vegane Ernährungstipps in aller Munde

Steht im Finale: Recht deutlich gewann der Hesse Andy Ost die zweite Vorrunde des Fränkischen Kabarettpreises 2015 in der Arnsteiner Stadthalle. Er hat sich damit für das Finale am 24. Oktober qualifiziert.
Steht im Finale: Recht deutlich gewann der Hesse Andy Ost die zweite Vorrunde des Fränkischen Kabarettpreises 2015 in der Arnsteiner Stadthalle. Er hat sich damit für das Finale am 24. Oktober qualifiziert. Foto: Günther Roth

Nach einer durchwachsenen ersten Vorrunde im März erlebten die Besucher in der Stadthalle von Arnstein diesmal gleich drei Leckerbissen des deutschen Kabaretts. Im Mittelpunkt standen hier jedes Mal die musikalischen Beiträge. Obwohl sich letztendlich Andy Ost doch recht deutlich absetzen konnte, zeigten sich seine Mitbewerber, der Zweitplatzierte Andy Sauerwein und die Dritte, Katie Freudenschuss, von der allerbesten Seite.

Wahrscheinlich waren es die Power, die nahezu perfekte Performance und natürlich die umwerfend skurrilen, aber doch intelligenten musikalischen Parodien, die dem jungen Hessen in zerschlissenen Jeans den Sieg brachten. „Zurück zur deutschen Sprache – oder wie intelligent sind die Lieder unserer Stars?“ Mit der hinreißenden, rauen Stimme eines Eros Ramazotti lockte er sein Publikum, bis es zur Übersetzung des italienischen Textes kam: „Wenn Oma ein Bus wäre, hätte sie hupen können“ oder „Ich muss nochmal mit dem Hund raus!“

Wunder gibt es immer wieder

Äußerst vergnüglich auch die Metamorphosen nach Herbert Grönemeyer über Besonderheiten beim Stoffwechsel von Veganern. Schließlich gab es noch Howard Carpendale mit „...dann mäh doch!“, Katja Ebsteins Betrachtungen zu weiblichen Einpark-Versuchen: „Wunder gibt es immer wieder“ oder Bon Jovis Philosophien über Männer und Aufräumen in hessischem Dialekt. Den großen Schlusspunkt aber ließ Andy Ost dem deutschen Barden Udo Lindenberg beim Enthaaren von Männerbeinen mit heißem Wachs. Insgesamt zeigte sich Ost als kabarettistische Urgewalt mit toller Mischung von Kabarett, Comedy und Parodie.

Eine Spur zu viel von erhobenem Zeigefinger und Missionarsbestreben mutete wohl der Würzburger Andy Sauerwein seinem Publikum zu. In epischer Breite unterbreitete er zu Beginn sein Camembert-Out: „Ich bin Veganer und das ist gut so!“ Schöne Gags zur veganen Ernährung „.. den Blumenstrauß ess' ich später“ gingen doch bei all den Belehrungen etwas unter. Musikalisch konnte Sauerwein sowohl mit seinen Texten als auch mit dem Gesang voll überzeugen. „Ich wär' so gern ein Tiger!“, dann käme er bei den Frauen besser an, so das Klagelied.

Probleme hat er auch mit der „geplanten Obsoleszenz bei modernen Geräten“. Während er früher mit seinem Auto Schluss gemacht habe, weil es fast unkaputtbar war und „klammerte“, gehe heute alles genau zwei Tage nach Ablauf der Garantiezeit in die Brüche.

Viel Beifall gab es für das Schlusslied mit „Aida“, pfiffigen Betrachtungen über das Bordleben auf Kreuzfahrtschiffen.

Obwohl sie letztendlich doch nur mit kaum sieben Zehntel Prozentpunkten Rückstand auf dem dritten Platz landete, hätte Katie Freudenschuss mit ihrem Programm in anderen Vorentscheidungen womöglich den Sieg errungen. Die junge Hamburgerin in schwarzem Overall überzeugte durch eine musikalisch anspruchsvolle Darbietung, enorm wandlungsfähiger Stimme und gewitzten Songs, wie einem verrückten Soul nach dem alten Volkslied „In einem kühlen Grunde“.

Der Name ist Programm

Natürlich kokettierte sie ausführlich mit ihrem Namen, mit dem man eben nur Komödiantin werden könne – oder vielleicht Wurstsängerin für anspruchsvolle Werbelieder. Den mangelnden Erfolg als Schlager-Star hat sie klar erkannt: wenn sie eine Schwedin, eine der ätherischen Vegan-Elfen wäre, wäre alles einfacher. Vergnügliche Gedanken machte sich Katie über den Dualismus von Sprache und Kosmetikberatung: „Es kommt darauf an, was Sie mit Ihrer Haut erreichen wollen!“

Begeisternd dann ihre Betrachtungen über deutsche Fußball-Orks und die künstlerische Bedeutung von Fußballer-Liedgut sowie der gebotene musikalische Vorgeschmack auf das angeblich bevorstehende Fußball-Musical mit Texten von Lukas Podolsky und der Musik von Lothar Matthäus.

Moderiert wurde die zweite Vorrunde des Fränkischen Kabarettpreises von der Siegerin des Jahres 2013, Daphne Deluxe, die bestens aufgelegt im voll ausgefüllten barocken Dirndl nicht nur die jeweiligen Barden ansagte, sondern auch durch ihr komödiantisches Können glänzte.

Andy Ost hat durch seinen Sieg die Eintrittskarte für den 24. Oktober zum Finale um den „Schaffer“, der Symbolfigur des Kabarettpreises, errungen.

Dritte mit Pep: Auch als Drittplatzierte konnte die Hamburgerin Katie Freudenschuss voll überzeugen.
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Knapper Zweiter: Unterhielt mit pfiffigen Songs und gewitzten Gags – Andy Sauerwein aus Würzburg.
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