LOHR

Verbindungsstraße durchs Buchental

Michael Fuchs vom Staatlichen Bauamt präsentierte am Donnerstag in der Lohrer Stadthalle vor rund 100 Zuhörern einen Vorschlag zur Verbesserung der künftigen Verkehrssituation im Raum Lohr. Foto: Wolfgang Dehm

Dass man die geplante B26n, die zusätzlichen Verkehr in die Region bringen wird, nicht einfach in Karlstadt enden lassen kann, ohne das jetzt schon stark befahrene nachfolgende Straßennetz zu verbessern, ist relativ unstrittig. Vor diesem Hintergrund präsentierten Staatssekretär Josef Zellmeier und Michael Fuchs, Leiter des Bereichs Straßenbau am Staatlichen Bauamt Würzburg, am Donnerstag in der Lohrer Stadthalle vor rund 100 Zuhörern einen Lösungsvorschlag, der begleitend zum B26n-Bau bis 2030 umgesetzt werden solle.

Hinter dem Romberg herum

Demnach soll ab der künftigen Ortsumgehung Wiesenfeld unter Einbeziehung der Kreisstraßen 13 oder 14 sowie noch zu bauender Anschlussstücke (drei Varianten) nordwestlich von Hausen eine Verbindung zur nach Lohr führenden Staatsstraße 2437gebaut werden. Südlich des Sendelbacher Rombergs soll von dieser Straße eine noch zu bauende Bundesstraße abzweigen, die in Höhe des Obi-Marktes mit einer Brücke den Main queren und auf die Staatsstraße 2315 führen soll. Entlastet werden sollen durch diese Maßnahme vor allem Steinbach und Sendelbach.

An der zur Autobahn 3 führenden Staatsstraße 2315 sind bereits Ortsumgehungen in Rothenfels und Rodenbach vorhanden. In Hafenlohr und Neustadt sollen bis 2030 Ortsumgehungen verwirklicht werden.

Städtisches Verkehrskonzept in Arbeit

Die Verkehrsbelastung Lohrs liege weit über dem bayerischen Durchschnitt, sagte Fuchs. Man müsse „jetzt handeln, um das Verkehrsnetz fit zu machen für die Zukunft“, wobei in dieses Projekt auch der zwischenzeitlich beauftragte Gesamtverkehrsplan der Stadt Lohr einfließen müsse; Fuchs ging davon aus, dass dieses städtische Verkehrskonzept in anderthalb bis zwei Jahren vorliegen könnte.

Mit welchen Kosten für die geplante Verbindung von Wiesenfeld zur Staatsstraße 2315 in Höhe des Obi-Marktes zu rechnen ist, sagte Fuchs nicht. Er machte lediglich deutlich, dass Bund und Freistaat an der Finanzierung beteiligt seien. Die Ortsumgehung Neustadt ist seinen Worten nach mit 3,7 Millionen Euro veranschlagt, die Ortsumgehung Hafenlohr einschließlich Hochwasserschutz mit 7,3 Millionen.

„Das, was in der Region angedacht ist, ist mehr als vorzeigbar“, meinte Staatssekretär Zellmeier. Auch Bürgermeister Mario Paul zeigte sich zufrieden: „Aus Sicht der Stadt Lohr eine sehr gute Lösung“, lautete sein Urteil. Besonders gefiel ihm an dem Lösungsvorschlag, dass möglichst viele bestehende Straßen eingebunden seien. Auch Thorsten Schwab, Landtagsabgeordneter und Bürgermeister von Hafenlohr, lobte: „Eine gute Lösung für den ganzen Raum Main-Spessart.“

Umgehung für Rechtenbach gefordert

Nicht ganz so glücklich wirkte der Rechtenbacher Bürgermeister Klaus Bartel. Angesichts der 7000 bis 8000 Autos, darunter viele Schwerlastfahrzeuge, die jetzt schon täglich auf der B26 durch den Ort fahren, forderte er, eine Umgehungsstraße für Rechtenbach in die Planung aufzunehmen oder zumindest die B26 zwischen Lohr und Aschaffenburg für den Schwerlastverkehr zu sperren; dieser könne über die Staatsstraße 2315 zur Autobahn fahren.

„Mit Sperrungen lösen wir das Problem nicht“, konterte Staatssekretär Zellmeier, der von einer Verbesserung der Situation durch die ab 1. Juli geltende Lkw-Maut auf allen Bundesstraßen ausging. Dem hielt ein Veranstaltungsbesucher entgegen, dass sich dann der Mautausweichverkehr auf Staatsstraßen verlagern werde. Im Falle sehr gut ausgebauter Straßen wollte Zellmeier das nicht ausschließen.

Kritik: Steinfeld nicht informiert

Ebenfalls nicht erfreut war der Steinfelder Bürgermeister Günter Koser. Ihm missfiel, dass die Gemeinde Steinfeld im Vorfeld nicht über die Planung informiert worden sei, obwohl die vorgesehene Anschlussstraße auf Steinfelder Gebiet und durch Gemeindewald gebaut werden solle; unter anderem seien dort Bodendenkmäler vorhanden. Er forderte Fuchs auf, das Projekt kurzfristig dem Steinfelder Gemeinderat vorzustellen.

Kritik kam auch von Stadt- und Kreisrat Gerhard Kraft aus Karlstadt, der Verständnis hatte für Kosers Unmut über die bislang nicht erfolgte Information der Gemeinde Steinfeld. Ferner hätte Kraft gerne mehr gehört zur Finanzierung und zeitlichen Umsetzung der ins Auge gefassten Verbindungsstraße zwischen Wiesenfeld und der Staatsstraße 2315 einschließlich Mainbrücke.

Die Antwort von Staatssekretär Zellmeier fiel schwammig aus. Er sprach von einer „zeitnahen Planung“ und davon, dass es danach ausschaue, „dass wir das alles finanzieren können – zum jetzigen Zeitpunkt schaut's gut aus“.

Staatssekretär Josef Zellmeier (links) und Michael Fuchs vom Staatlichen Bauamt (rechts) präsentierten in der Stadthalle einen Vorschlag zur Verbesserung der künftigen Verkehrssituation im Raum Lohr. Bürgermeister Mario Paul (Mitte) sprach von einer „sehr guten Lösung”. Foto: Wolfgang Dehm

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