KARLSTADT

Verschläft Karlstadt Mitsprache bei B 26n?

Teilweise hitzig verlief die Diskussion um den Bau der B 26n während einer Informationsveranstaltung, zu der die Bürgerinitiative (BI) „Bürger und Kommunen gegen die Westumgehung Würzburg“ ins Hotel „Mainpromenade“ eingeladen hatte. Auch Karlstadts Bürgermeister Paul Kruck nahm daran teil.

Wie aus einer Pressemitteilung der BI hervorgeht, prangerte Stadtrat und BI-Sprecher Armin Beck an, der Bürgermeister und die Stadtratsmehrheit würden hinnehmen, dass „Karlstadt das neue Arnstein werde“. Arnstein ist bekanntlich bisher der Flaschenhals, der unter dem überörtlichen Verkehr leidet, zugleich aber verhindert, dass dieser weiter zunimmt.

Der BI-Sprecher kritisierte, das Straßenbauamt habe bis heute kein Konzept für die Verbesserungen im Straßennetz zwischen Karlstadt und der A 3 vorgelegt. Durch einen Bau der B 26n bis Karlstadt würden bis zu 10 000 Fahrzeuge zusätzlich den Weg von Karlstadt zur A3 suchen.

Dieser zusätzliche Verkehr betreffe neben Karlstadt mit den Ortsteilen Mühlbach, Rohrbach und Stadelhofen insbesondere auch Lohr mit Steinbach und Sendelbach sowie Steinfeld mit Hausen und Waldzell beziehungsweise Rechtenbach. Für diese künftigen Verkehrsprobleme müssten Lösungen erarbeitet werden.

Beck erläuterte die Forderung von Bürgermeister und Stadtrat, dass auf die geplante Ausfahrt Karlstadt-Ost (jetzige B 26n auf Höhe Abfahrt Schönarts) und den Zubringer östlich des Saupurzels verzichtet werden soll. Stattdessen solle eine direkte Anbindung auf die B 27 erfolgen.

Kruck: Stadtrat reagiert rechtzeitig

Bürgermeister Kruck pflichtete ihm bei, betonte aber, dass sich die Stadt erst nach Abschluss des sogenannten Linienbestimmungsverfahrens einbringen könne. Da dies erst Anfang 2018 der Fall sei, werde die vom Stadtrat eingesetzte Arbeitsgruppe rechtzeitig ihre Arbeit aufnehmen.

Dem widersprach die große Mehrheit der Anwesenden. Auch Armin Beck forderte, die Arbeitsgruppe des Stadtrats müsse endlich starten. Mit Blick auf das nunmehr geschlossene Karlstadter Krankenhaus sagte er: „Wer zu lange wartet, wird vor vollendete Tatsachen gestellt.“

Für das Gebiet der Eußenheimer Straße müsse eine Linienführung gefunden werden, welche die Belastung – laut Verkehrsprognosen des Straßenbauamts rund 14 000 Fahrzeuge täglich – möglichst gering hält. Eine Führung dieses Verkehrs über den Tegut-Kreisel müsse unbedingt verhindert werden, so Beck.

Die von dem Rohrbacher Reinhard Rauch vorgestellten Auswirkungen und Verkehrszahlen der B 26n für Karlstadt zweifelte Kruck an. Diese seien überholt und daher falsch. Dies gelte insbesondere für die Verkehrsbelastung von 14 200 Fahrzeugen auf der Eußenheimer Straße, 13 000 auf der Karolingerbrücke und 15 500 auf der Ortsumfahrung Karlburg.

Rauch beharrte jedoch darauf, dass diese Prognosen dem offiziellen Zahlenmaterial des Straßenbauamtes entsprächen. Beck kritisierte, dass Kruck die Bürgerinitiative für die vorgelegten Zahlen rüge, anstatt aktuellere Zahlen von Straßenbauamt einzufordern. So nehme er hin, dass anstelle einer transparenten Beteiligung von Bürgern und Stadt über die Köpfe der Bürger hinweg geplant werde.

Der BI-Sprecher bekräftigte die ablehnende Haltung der BI zum Bau der B 26n bis Karlstadt. Die BI wolle Lösungen ohne die B 26n, die das Werntal entlasten, ohne die Orte zwischen Karlstadt und der A3 zu belasten. So müsse etwa der sechsspurige Ausbau der A 7 vorrangig erfolgen. Ein Nachtfahrverbot für Lkw-Verkehr auf der bestehenden B 26n dürfe nicht länger an der ablehnenden Haltung auch des Innenstaatssekretärs Gerhard Eck scheitern. Schließlich zeige die nun angegangene Ortsumgehung Heugrumbach, dass Ortsumfahrungen auch im Werntal möglich sind. All dies würde, so zeigte sich Beck überzeugt, die B 26n selbst aus Sicht der Befürworter überflüssig machen.

Weiteren Widerstand gefordert

Dass der zweite Bauabschnitt von Karlstadt bis zur A3 im weiteren Bedarf (also mit einem Baubeginn nach 2030) ist, zeige, dass auch das Bundesverkehrsministerium von der Verbindung der A7 mit der A3 zumindest nicht vollständig überzeugt sei. Die Vertreter der Bürgerinitiative riefen die Zuhörer zu weiterhin massivem Widerstand gegen die B 26n auf. Sie sollten das Gespräch mit politischen Mandatsträgern suchen, kritische Fragen zu den drohenden Verkehrsbelastungen stellen und so diese zum Umdenken bewegen.

Rückblick

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  48. Neues Angebot steht im Raum
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