Pflochsbach

Video: Tierische Weihnachtsgrüße aus Pflochsbach in die Welt

Wenn dieses Beispiel Schule macht, kann sich der Weihnachtsmann entspannt zurücklehnen: Schäferhündin Cady nimmt ihm einen Großteil seiner Arbeit ab.
Schäferhündin Cady mit Blume im Maul wartet auf den Klick ihres Frauchens Karoline Hergenröder. Foto: Roland Pleier

Wenn dieses Beispiel Schule macht, kann sich der Weihnachtsmann entspannt zurücklehnen: Schäferhündin Cady nimmt ihm einen Großteil seiner Arbeit ab. "Cady von der Pflochsbacher Schmiede", wie die vierjährige Dame offiziell heißt, schleppt Päckchen an, platziert sie unterm Weihnachtsbaum, den sie selbst schmückt, und verschickt sogar Weihnachtsgrüße auf Youtube.

Der Weihnachtsmann macht es sich bequem

"Weihnachten 2019 in Pflochsbach" ist das aktuelle Video überschrieben: In weniger als 60 Sekunden entrollt Cady ein Banner mit dem Gruß "Frohe Weihnachten". Nach einer Streicheleinheit vom Weihnachtsmann verteilt sie auch Weihnachtsdeko – Fichtenwedel und Holzsterne. Der Weihnachtsmann kann sie bequem im Sitzen arrangieren.

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Hinter dem weißen Rauschebart und der rot-weißen Montur verborgen ist Karoline Hergenröder, die das ganze mit ihrer schwarzen Kurzhaar-Schäferhündin inszeniert hat. Die 50-jährige Pflochsbacherin ist auf dem Buchenhof bei Steinfeld mit Schäferhunden aufgewachsen, ist Zuchtwartin in der Ortsgruppe Lohr des Vereins für Deutsche Schäferhunde, deren Vorsitzender ihr Mann Alfred ist.

Seit 30 Jahren betreiben die beiden Hundesport, vor zwölf Jahren haben sie begonnen, selbst Schäferhunde zu züchten. Der Zwingername "von der Pflochbacher Schmiede" ist richtungsweisend: Alfred Hergenröder, 69, ist Schmiedemeister und betreibt mit seiner Frau und einem Lehrling immer noch eine kleine Kunst- und Bauschlosserei in Pflochsbach.

Debüt im vergangenen Jahr

Es ist nicht das erste Video, das Karoline Hergenröder mit ihrer Hündin fabriziert hat. Schon im vergangenen Jahr hat sie ein Weihnachtsfilmchen auf dem Video-Kanal Youtube im Internet eingestellt. Damals halfen noch Freunde ihres Sohnes – im Abspann heißt es nur Grit K., Lennart K. und Erik K. (Grit Kreusch und ihre Söhne) sowie Susanne N., die das Klavierstück spielte. 

Das Video des Vorjahres ist aufwändiger: Cady tappt auf den Autoschlüssel – die Kofferraumtür öffnet sich. Sie packt ein Päckchen nach dem anderen auf einen kleinen Bollerwagen. Auch dass eines davon herunterfällt ist, als sie den Wagen etwas zu forsch anzieht, entgeht ihr nicht: Cady holt es zurück. Dann klingelt sie an einer Glockenstrang, rüttelt an der scheppernden, rustikalen Türglocke, die am Holzstapel hängt: Der Weihnachtsmann muss helfen, den Wagen die Treppe hochtragen.

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In der guten Stube hängt Cady erst einmal eine große rote Kugel an den Weihnachtsbaum. Dann legt sie Päckchen für Päckchen ab, ausgenommen das kleinste. Das serviert sie dem Weihnachtsmann im Schaukelstuhl auf den Schoß.

Warum Cady immer wieder aus dem Bild läuft

Das liebenswerte Filmchen dauerte dreieinhalb Minuten, wurde von 1900 Nutzern angeschaut und hat immerhin 64 Likes erhalten, also positive Beurteilungen: "Gefällt mir". Es ist etwas aufwändiger gedreht und geschnitten. Dabei entgeht dem aufmerksamen Beobachter nicht, dass Cady immer wieder aus dem Bild läuft. Was der geneigte Zuschauer nicht sieht: Nach jeder Aufgabe holt sich Cady bei Frauchen ihr Leckerchen ab.

Denn einen Hund dazu zu bringen, Päckchen von A nach B zu bringen oder einen Wagen zu ziehen, das funktioniert nur mit Belohnung. Um es zu trainieren, praktiziert Hergenröder die Klickermethode: Wann immer Cindy im Training etwas richtig macht, klickt Frauchen mit einem kleinen Gerät. "Ein Klick ist das Versprechen einer Belohnung mit kurzer Zeitverzögerung", erläutert Hergenröther.

Koi-Karpfen-Futter oder Käsestückchen

Um Neues zu trainieren ist, muss die Belohnung "schon was Besseres sein als nur das alltägliche Trockenfutter", sagt sie. Cady steht zum Beispiel auf Futter für Koi-Karpfen oder Käsestückchen. Und Frauchen steht auf Klickern: "Hunde, die geklickt sind (also diese Lernmethode kennen), sind offener für freies Lernen und haben mehr Ideen, was Mensch von einem will." Wenn etwas Neues kommt und sie weiß nicht so recht, was gefordert ist, dann kann es schon mal sein, "dass sie ihr ganzes Programm abspult".

Karoline Hergenröder übt mit Schäferhündig Cady: Blume fassen und im Maul behalten bis das Auflösungs-Kommando folgt. Danach gibt's Leckerli. Foto: Roland Pleier

Von heute auf Morgen geht es auch nicht: Zwei Wochen lang, täglich zehn Minuten sollte man für Apportiertraining schon aufwenden. Bis es gut klappt, so Hergenröder, "braucht es dann auch mal zwei Monate." In fremder Umgebung, wenn die Hündin abgelenkt ist, kann es dann aber auch wieder schwieriger werden.

Sitzt die Lektion aber, dann brauchen Frauchen und Cady gar nicht so lange, um ein Video mit Weihnachtsbotschaft zu drehen. Die Version 2019 mit verschiedenen Schauplätzen war nach 45 Minuten im Kasten, die aktuelle in nur fünf Minuten. "Verarbeiten, Schneiden und Hochladen dauert für einen Ungeübten wesentlich länger", gesteht Hergenröder. 

Ob es heuer auch wieder ein Neujahrs-Video geben wird so wie vor einem Jahr, das muss sich erst noch zeigen. "Wenn ich eine Idee habe ...", so Hergenröder. "So was entscheide ich dann spontan."

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