Arnstein

Vier Landratskandidaten, ein Thema: Pflege im Alter

Erster gemeinsamer Auftritt: Bei den Mehrgenerationentagen im Pfründner-Spital in Arnstein diskutierten die vier Landratskandidaten für Main-Spessart (von links) Pamela Nembach (SPD), Sabine Sitter (CSU), Christian Baier (Grüne) und Christoph Vogel (Freie Wähler). Foto: Markus Rill

Bei den Mehrgenerationentagen am Sonntag in Arnstein trafen die vier Landratskandidaten für Main-Spessart erstmals aufeinander. In einer Podiumsdiskussion auf der Terrasse des Pflege- und Seniorenheims Pfründnerspital diskutierten Pamela Nembach (SPD), Sabine Sitter (CSU), Christian Baier (Grüne) und Christoph Vogel (Freie Wähler) über das Thema "Muss ich Angst vorm Alter haben?".

Arnsteins Bürgermeister Franz-Josef Sauer begrüßte gut 100 Zuschauer bei strahlendem Sonnenschein. "Ich freue mich außerordentlich, dass alle vier Kandidaten an dieser Diskussion teilnehmen." Älter werden sei "keine Katastrophe", sagte Sauer, sondern "eine Gnade und ein Geschenk". Arnstein wolle sich bei der Premiere der Mehrgenerationentage als eine Stadt präsentieren, in der auch ältere Menschen gut leben können. Infostände begleiteten die Veranstaltung. Am Nachmittag fand eine weitere Diskussionsrunde mit Pflege-Experten und Politikern statt.

Keine Wahlkampfveranstaltung

Die Landratskandidaten gingen mit unterschiedlicher Expertise in die Diskussion mit Fachjournalistin und Gesprächsleiterin Pat Christ: Sabine Sitter ist studierte Sozialpädagogin und hat lange in der Pflege gearbeitet, Christian Baier ist selbstständiger Anästhesiearzt, seine Ehefrau ist Krankenpflegerin. Weniger berufliche Berührungspunkte mit dem Thema hatten bisher Gymnasiallehrerin Pamela Nembach und Christoph Vogel, Verkaufsleiter von Vogel-Druck in Würzburg.

Zeit, sich und ihre politischen Ziele vorzustellen, bekamen sie nicht. Pat Christ war vorrangig am Thema Pflege interessiert. "Haben Sie Angst vor dem Älterwerden?", fragte sie Sabine Sitter. Die 43-Jährige erwiderte, sie sei mit ihren Eltern und Großeltern in einem Mehrgenerationenhaus aufgewachsen. Der Gedanke ans Altern belaste sie nicht. "Wir haben unser Haus schon barrierefrei gebaut", verriet die Gräfendorferin. 

Sie berichtete, die CSU-Kreistagsfraktion habe neulich das sehr demenz-sensibel gebaute Klinikum in Lichtenfels besucht und dort Anregungen mitgenommen. "Wir setzen uns dafür ein, dass diese Ideen auch in den Neubau des Klinikums Main-Spessart einfließen."

Das Interesse an der Podiumsdiskussion war groß. Foto: Markus Rill

Christoph Vogel berichtete, dass seine Mutter vor eineinhalb Jahren an Demenz gestorben sei und zuvor lange in der Familie gepflegt worden sei. Der 48-jährige Karbacher sagte, er sehe das Heim der Otto-und-Anna-Herold-Stiftung in Karlstadt als "leuchtendes Vorbild". Eine derart "lebenswerte und gute Umgebung" wünsche er sich auch für das Klinikum MSP.

Welche Rolle organisierte Nachbarschaftshilfe bei der Pflege älterer Menschen, die noch zuhause leben, spielen könne, fragte Pat Christ. Pamela Nembach antwortete, in ihrem Wohnort Glasofen sei das gang und gäbe. Das sei aber normale "zwischenmenschliche Unterstützung, nicht großartig organisiert", so die 43-Jährige.

Teilhabe auch im Alter

Beim Thema Digitalisierung in der Pflege zeigte sich, wer mit dem Thema vertraut ist. Während Vogel sagte, er hoffe, dass die menschliche Betreuung weiterhin im Mittelpunkt bleibt und Nembach vor allem Chancen für die Fortbildung sah, berichtete Christian Baier von Robotern und Computern, die bei den körperlich anstrengenden Arbeiten und der Anamnese helfen könnten. Zuwendung und Wärme müssten freilich weiterhin vom Menschen kommen, betonte der 60-jährige Karlstadter. 

Wie der Landrat Einfluss auf den Pflegekräftemangel nehmen könne, wollte Pat Christ wissen. Sitter verwies auf die Ausbildungsmöglichkeiten im Pflegebereich im Landkreis. Wichtig sei auch ein gutes Arbeitsklima. "Es muss den Patienten gut gehen und den Pflegern", so die CSU-Kandidatin. Christoph Vogel sagte, das Bild des Berufs in der Öffentlichkeit sei verzerrt. "Diese Tätigkeit gibt einem auch viel." Natürlich müssten die Rahmenbedingungen stimmen. Der Landkreis sei Arbeitgeber von 350 Menschen in der Pflege; insgesamt gebe es 1400 Stellen in diesem Bereich in Main-Spessart.

Musikfan Christian Baier rundete die Diskussion zum Thema Älterwerden mit einer Anekdote ab. Als Paul McCartney gefragt wurde, ob er sich mit 77 Jahren nicht langsam zurückziehen wolle, habe der Ex-Beatle zurückgefragt: "Zurückziehen von was?" Auch der Landkreis Main-Spessart biete älteren Menschen Möglichkeiten zur Teilhabe, waren sich die vier Kandidaten einig.

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