Homburg

Vier Papiermühlen wollen auf Weltkulturerbe-Liste der Unesco

Die Papiermühle Homburg entstand 1807 und ist damit die jüngste der vier europäischen Mühlen, die sich gemeinsam um den Eintrag in die Weltkulturerbe-Liste bewerben. Foto: Thomas Obermeier

Im Streben nach dem gemeinsamen Ziel, der Anerkennung als Unesco-Weltkulturerbe, ist aus dem Trio ein Quartett geworden: Zu den Papiermühlen im polnischen Duszniki-Zdroij, im tschechischen Velké Losiny und in Homburg ist mit der Papiermühle Richard de Bas im französischen Ambert ein vierter Mitstreiter gekommen. Vertreter aus allen vier Standorten unterzeichneten am Dienstag in der Papiermühle Homburg gemeinsam ihre Absichtserklärung über die weitere Zusammenarbeit. Schon zur Begrüßung machte Homburgs Museumsleiter Johannes Follmer deutlich: "Wir müssen uns zusammen gut aufstellen, um den Titel Weltkulturerbe zu bekommen, und wir müssen die Besonderheit hervorheben, die unsere Papiermühlen so einzigartig macht."  

In dem Dokument wird die Absicht formuliert, das kulturelle, pädagogische und touristische Angebot der vier Mühlen gegenseitig zu fördern und den Erfahrungsaustausch zu forcieren. Auch sollen Arbeitsgruppen organisiert werden. Eine finanzielle Verpflichtung ergibt sich daraus aber nicht. Die Unterzeichner ermächtigen das Papiermuseum in polnischen Duszniki-Zdroij, bei den polnischen Behörden einen Antrag auf Registrierung aller vier Papiermühlen auf Serieneintrag in die Unesco-Tentativliste einzureichen.

Schiebel: Durchhaltevermögen erforderlich

Die Beurkundung war eingebettet in eine Fachtagung, in der sich die Mühlen gegenseitig vorstellten und eben jene Gemeinsamkeiten herausarbeiteten. Sie war hochkarätig besetzt und so stellte auch Landrat Thomas Schiebel anerkennend fest, dass der Landkreis selten so internationale Gäste von diesem Format bei einer gemeinsamen Kulturveranstaltung habe. Der angestoßene Prozess erfordere viele Jahre Durchhaltevermögen und Engagement von allen, betonte Schiebel, sei diesen Einsatz aber wert. "Unsere Demokratie, unsere Kultur hätten sich ohne Papier nicht so entwickeln können."

Beim Unterzeichnen der gemeinsamen Absichtserklärung (vorne von links) Petr Foucek, Direktor der Papiermühle in Velke Lo... Foto: Joachim Spies

Nach der Würzburger Residenz, dem Limes bei Miltenberg und vielleicht bald den Bädern in der Rhön sei die Papiermühle in Homburg hoffentlich eines Tages das vierte Weltkulturerbe in Unterfranken, meinte Bezirkstagspräsident Erwin Dotzel. Seit über 30 Jahren unterstütze der Bezirk die Einrichtung in Homburg und werde das weiterhin tun. Er freute sich über die internationale Zusammenarbeit. Dotzel: "Es ist wichtig, dass wir unsere Kulturgüter in die Zukunft retten."  

Seit Jahrhunderten überliefertes Wissen bewahren

Falls es mit der Ernennung der Papiermühle Homburg klappe, ginge ein persönlicher Herzenswunsch in Erfüllung, verriet Triefensteins Bürgermeister Norbert Endres. Und Weinprinzessin Lena Dornbusch nannte es wichtig, dass in unserer schnelllebigen, von Technik beherrschten Zeit weiter altes Handwerk gelebt und seit Jahrhunderten überliefertes Wissen bewahrt werde.

Von bayerischer Seite aus betreut wird der Antragsprozess von Katharina Arnold vom Landesamt für Denkmalpflege, die auch die Tagung moderierte. Sie wies in einem Vortrag auf wesentliche Bausteine hin, die für eine Anerkennung erfüllt sein müssen. Auch Professor Boguslaw Szmygin aus Polen ging in seinem Referat darauf ein. Der Bamberger Professor Dr. Thomas Eißing stellte eine digitale 3D-Präsentation des Dachstuhl der Homburger Mühle vor. 

Die Vorstellung der einzelnen Mühlen war beeindruckend und Johannes Follmer stellte bilanzierend fest: "Homburg ist die jüngste und wohl auch kleinste der beteiligten Papiermühlen." Sie ist auch nur von Mai bis Oktober geöffnet und bietet neben Museumsbetrieb, Vorführungen und Tagungen auch Kunstausstellungen und Akademien, in denen der Werkstoff Papier im Mittelpunkt steht. Zu den Abnehmern der Produkte zählen etwa Künstler Georg Baselitz oder der Prinz von Hohenzollern. 

Papierbögen für Dali und Picasso

Gar bis ins 14. Jahrhundert zurück reichen die Ursprünge der Papiermühle Richard de Bas. In und um Ambert habe es früher bis zu 200 solcher Mühlen gegeben, heute sei seine die letzte, berichtete Sylvain Peraudeau, dessen Großvater die Anlage 1941 erwarb. 1971 wurde sie grundlegend restauriert. Noch heute werden 200 bis 300 Bögen täglich produziert. Sogar Dali und Picasso nutzten die hochwertigen Papiere und auch manche Nobelpreisurkunde ist auf Papier aus Ambert gedruckt. Dreieinhalb Millionen Gäste haben dem Museum, das zu den Nationalen Denkmälern Frankreichs zählt, seit den 1970er Jahren bereits einen Besuch abgestattet.   

Noch bis heute produziert Papier in größerem Stil die Manufactur im tschechischen Velké Losiny. Aus der 1568 gegründeten Getreidemühle wurde 1591 eine Papiermühle, die aber in späteren Jahrhunderten teilweise auch Textilien fertigte und bleichte. Die Besitzer wechselten häufig und manch trauriges Schicksal verbirgt sich dahinter, nicht nur wirtschaftlich. So wurde 1678 Besitzerin Barbara Göttlicher als Hexe verbrannt. Dass die Papiermühle nach dem Zweiten Weltkrieg überlebte, ist vor allem Künstlern zu verdanken, die auf die Aufnahme in die Liste der staatlichen Kulturdenkmäler drängten. Seit 2002 Nationales Kulturdenkmal wurde die Mühle Velké Losiny umfassend restauriert.

Papiermüller in Adelsstand erhoben

Eine wechselvolle Geschichte erlebte auch die Papiermühle in Reinertz, heute Duszniki-Zdroij in Niederschlesien. Erste Hinweise führen ins Jahr 1562 zurück. Die Habsburger und später die Preußen schätzten das Papier und erhoben die Papiermüller sogar in den Adelsstand. Friedrich der Große, der "Alte Fritz", kam persönlich vorbei, um die Anlage zu besichtigen. Doch im 20. Jahrhundert verkam die Mühle. 1936 wurden die letzten Maschinen verkauft. Die Wende brachte wie bei der tschechischen Mühle die Aufnahme in die nationale Denkmalliste 1956 und die nachfolgende grundlegende Restaurierung. Seit 2011 hat Duszniki-Zdroij den Status "Denkmal der Geschichte Polens".

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