MÜHLBACH

„Vision“ – die Äbtissin Hildegard

(dh) Die Burg-Lichtspiele in Mühlbach zeigen am Sonntag, 3. Januar, um 11.15 Uhr sowie am Dienstag und Mittwoch, 5. und 6. Januar, jeweils um 20 Uhr den Film „Vision“ – aus dem Leben der Hildegard von Bingen.
Die Burg-Lichtspiele-Mühlbach zeigen am Sonntag, 3. Januar, um 11.15 Uhr sowie am 5. und 6. Januar jeweils um 20 Uhr den Film „Vision“ – aus dem Leben der Hildegard von Bingen. Foto: FOTO FILMVERLEIH

Unangepasste Frauenfiguren und intensive schwesterliche Konflikte stehen häufig im Zentrum des filmischen Werks der renommierten Regisseurin Margarethe von Trotta. Ob in „Die bleierne Zeit“, „Rosa Luxemburg“ oder „Die Balance des Glücks" – immer geht es von Trotta um Frauen, die sich durchgesetzt haben.

Ihr differenziertes Porträt der Äbtissin Hildegard von Bingen, eine der faszinierendsten Frauengestalten und ganz großen Universalgenies des Mittelalters, deren ganzheitliches Denken in unseren Tagen eine regelrechte Renaissance erlebt, fügt sich da nahtlos ein.

Als einflussreiche Äbtissin gelang es ihr, die strengen Konventionen von Kirche und Gesellschaft der damaligen Zeit zu durchbrechen und ihren vorbestimmten Weg konsequent zu gehen. Mut, Intelligenz und ein Wissensdurst, der auch dem Leben außerhalb der Klostermauern zugewandt war, zeichneten die wegweisende Heilkundige und begnadete Komponistin aus.

Von Trotta interpretiert das Leben der religiösen Mystikerin als Emanzipations- und Karrieregeschichte einer unbeugsamen Frau, die sich als geschickte Verhandlungsführerin gegen die katholische Männerwelt durchzusetzen weiß, und beginnt ihren Film mit einer bildmächtigen Endzeit-Vision. Dann schildert sie chronologisch wichtige Lebensstationen der Adeligen, die um 1106 als Achtjährige in die Klause am Disibodenberg gebracht wird. Enge Vertraute ermutigen sie, ihr eigenes Frauenkloster in Bingen zu gründen und ihre Visionen aufzuschreiben. Am Schluss erleben wir die ungefähr Sechzigjährige im Aufbruch - bereit zu Predigerreisen, um ihr Wissen weiterzugeben.

Von Trotta beschreibt das Leben Hildegards, ohne sich dabei in schwärmerischer Mystik zu verlieren. Zugleich werden die religiösen Wurzeln ihrer vielseitigen Aktivitäten aber auch nicht unterschlagen, und sogar Hildegards Visionen werden in dezenten, metaphorischen Schlaglichtern visualisiert.

Von Trottas trotz einer stellenweise großen Faktendichte über weite Strecken reduzierte Inszenierung besticht durch ein hohes Maß an Authentizität – gedreht wurde in den Klöstern Eberbach und Maulbronn – und zeichnet mit großer Detailgenauigkeit in Set-Design und Ausstattung sowie sparsam eingesetzter Originalmusik Hildegards die Atmosphäre des streng ritualisierten Lebens im Orden nach.

Unter den hochkarätigen Schauspielern wirkt vor allem die charismatische Grimme-Preisträgerin Barbara Sukowa, in ihrer reifen, überlegenen Art dem historischen Vorbild sehr wesensverwandt, das sie als fehlbare und widersprüchliche Figur mit den Zügen einer emanzipierten, modernen Frau brillant verkörpert.

Der Film ist freigegeben ab zwölf Jahre.

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