Marktheidenfeld

Volkstrauertag: Sich stark machen für Demokratie und Menschwürde

Am Mahnmal für die Kriegsgefallenen auf dem Altfelder Friedhof fand am Sonntagmorgen eine der Gedenkfeiern der Stadt Marktheidenfeld zum Volkstrauertag statt. Foto: Martin Harth

Am Sonntagmorgen gedachten Bürger und Abordnungen der Vereine aus der Stadt Marktheidenfeld bei drei Gedenkfeiern an den Mahnmalen aus Anlass des Volkstrauertags der Opfer von Krieg und Gewalt.

Auf dem Mainberg leitete Dritter Bürgermeister Joachim Hörnig die Feier, die vom Gesangverein 1906 und vom Posaunenchor Altfeld musikalisch umrahmt wurde. Auch die Bürger und Vereine aus Zimmern nahmen an der Gedenkfeier teil. Im Stadtteil Marienbrunn wandte sich Bürgermeisterin Helga Schmidt-Neder an die Versammelten, die auch aus dem benachbarten Glasofen gekommen waren. Für einen würdigen Rahmen sorgten der Posaunenchor aus Marktheidenfeld und die Chorgemeinschaft Glasofen/Marienbrunn.

Für die Stadtteile Altfeld, Michelrieth und Oberwittbach stand die gemeinsame Gedenkfeier auf dem Friedhof unter Leitung des Zweiten Bürgermeisters Martin Harth, der die diesjährige Gedenkrede der Stadt verfasst hatte. Der Singkreis und der Posaunenchor Altfeld begleiteten.

Jugendliche trugen die Namen der Gefallenen und Vermissten des Zweiten Weltkriegs vor

Jugendliche trugen bei den drei Gedenkfeiern die Namen der Gefallenen und Vermissten des Zweiten Weltkriegs vor. Zur Erinnerung wurden Kränze niedergelegt. In Marktheidenfeld wurden außerdem die Opfer der NS-Gewaltherrschaft verlesen, wie sie auf den Gedenktafeln des Mahnmals verzeichnet sind.

In der Gedenkrede der Stadt gingen die Bürgermeisterin und ihre beiden Stellvertreter auf die Notwendigkeit der Erinnerung ein, da gegenwärtig von rechtsextremen Kräften versucht werde, die dunklen Seiten der deutschen Geschichte zu relativieren. Sie erinnerten an den kürzlich versuchten Anschlag auf die jüdische Gemeinde in Halle mit zwei unschuldigen Todesopfern und an das Novemberpogrom 1938 gegen die Juden im Deutschen Reich.

Am 9. November sei aber auch der Glücksfall der friedlichen Wiedervereinigung Deutschland in den Blickpunkt gerückt worden. 30 Jahre später müsse sich eine wehrhafte Demokratie entschieden gegen aufkeimenden Rassismus, Antisemitismus und Hetze zu Wehr setzen. Dabei sei jeder aufgerufen, sich für Demokratie und Menschenwürde an seinem Platz im Alltag stark zu machen.

Drohende Gefahr für die Europäische Idee durch blinden Nationalismus

Weiterhin ging die diesjährige Rede der Stadt Marktheidenfeld auf die drohende Gefahr für die Europäische Idee durch blinden Nationalismus ein. Mit den lebendigen Städtepartnerschaften zu Montfort sur Meu in Frankreich und Pobiedziska in Polen wolle man den Europäischen Gedanken gerade durch die Begegnung mit neuem Leben erfüllen.

Zur besonderen Erinnerung und zur Gestaltung der Zukunft lag ein Schwerpunkt der Ansprache beim Überfall der deutschen Armee auf das Nachbarland Polen vor 80 Jahren am 1. September 1939. Das Leid des polnischen Volks unter der deutschen Schreckensherrschaft voll Willkür, Terror und Gewalt sei nicht jedem in seiner unfassbaren Dimension bewusst. Das Eingeständnis eigener Schuld und Verantwortung sei ein langer und schmerzhafter Prozess gewesen.

Dass man in dieser besonderen Aufarbeitung heute so weit gekommen sei, dürfe aber auch ein wenig stolz machen. Trotzdem stelle sich immer wieder, wie auch an diesem Volkstrauertag, die Frage nach angemessenen Formen des Erinnerns und Gedenkens.

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