Karlstadt

Vollgelaufene Keller: Jetzt vorsorgen fürs nächste Mal

Feuerwehrkommandant und Stadtwerkeleiter ermuntern Hauseigentümer, tätig zu werden. Was mit den Pump-Einsätzen alles zusammenhängt.
Nach dem Einsatz wird das Material der Karlstadter Feuerwehr wieder gereinigt, geprüft und startklar gemacht für den nächsten Notfall. Im Vordergrund ein verschmutzter Nass-Sauger.  
Nach dem Einsatz wird das Material der Karlstadter Feuerwehr wieder gereinigt, geprüft und startklar gemacht für den nächsten Notfall. Im Vordergrund ein verschmutzter Nass-Sauger.   Foto: Karlheinz Haase

61 Einsätze der Feuerwehr in Karlstadt und Laudenbach. Das ist die Bilanz des Unwetters vom Sonntagabend. Doch wer bezahlt diese Einsätze? Bei 60 Wehrleuten, die rund fünf Stunden aktiv waren, macht das immerhin 300 Einsatzstunden. "Im Stadtgebiet von Karlstadt wollen wir eigentlich nichts verrechnen, sondern einfach für die Bürger da sein", sagt Stephan Brust, Kommandant der Karlstadter Wehr. Und er liegt da auf einer Linie mit der Ordnungsamtsleiterin Sabine Zabl. Bei Naturereignissen sollte den Betroffenen nicht auch noch eine Rechnung geschickt werden.

Am Sonntagabend hatte es auch keinen Arbeitsausfall gegeben. Brust hofft mit den ehrenamtlichen Hilfseinsätzen auf einen gewissen Werbeeffekt: "Wenn wir bei jemandem den Keller leergepumpt haben, könnte das bei ihm den Gedanken wecken, selbst zur Feuerwehr zu gehen." Denn Personal ist bei der Karlstadter Feuerwehr immer willkommen – bei 150 Einsätzen im Jahr. Die werden von rund 65 Aktiven gestemmt, von denen wiederum rund 60 Prozent regelmäßig bei allen Einsätzen ausrücken.

Kriterien für die Dringlichkeit

Wem bei einem solchen Ereignis wie dem am Sonntag zuerst geholfen wird, entscheidet die Feuerwehr zum Beispiel nach folgenden Kriterien: Sind ältere oder gebrechliche Personen betroffen? Wie hoch steht das Wasser im Keller? Brust: "Wenn es bei jemandem nur ein oder zwei Zentimeter sind, kann er nicht erwarten, dass wir mit dem Nasssauger anrücken. So jemand kann auch mal einen Putzlappen in die Hand nehmen." Da sei es dringender, dort zu helfen, wo 50 Zentimeter Wasser stehen. 

Hans Ried reinigt die Feuerwehrschläuche und prüft, ob sie den vorgeschriebenen Druck von 16 Bar aushalten.
Hans Ried reinigt die Feuerwehrschläuche und prüft, ob sie den vorgeschriebenen Druck von 16 Bar aushalten. Foto: Karlheinz Haase

Gibt es "Dauerkunden", zu denen die Feuerwehr bei jedem Unwetter ausrücken muss? Der Kommandant: "Es gibt schon den einen oder anderen, der mal nachschauen müsste, warum er schon wieder Wasser im Keller hat." Etliche hätten auch schon Rückschlagklappen eingebaut oder ihr WC im Keller stillgelegt. Wer schon häufiger Wasser im Keller hatte, sollte über eine technische Lösung nachdenken. Manchen sei zu raten, dass sie einfach mal die Dachrinne putzen.

Schwerpunkt bei Kant- und Uhlandstraße 

Wie Stadtwerkeleiter Klemens Albert hinzufügt, ist die Straßenoberkante laut Satzung die Rückstauebene. Für alles, was darunter liegt, müssen die Hauseigentümer selbst Vorsorge treffen. Bei älteren Anwesen seien oft die Schmutz- und Regenwasserrohre miteinander verquickt und es fehlt ein Kontrollschacht.

Ein besonderer Schwerpunkt war am Sonntag die Gegend um die Kantstraße/Uhlandstraße. Offenbar regnete es dort besonders stark. An der Kläranlage wurden beispielsweise nur 23 Liter pro Quadratmeter gemessen, in der Angerstraße aber 45.

Ein Schwachpunkt ist bisher der Kanal am Sohl. Der wird aber gerade aufdimensioniert. Albert berichtet, dass am Montag viele Anrufe bei den Stadtwerken eingegangen sind. "Wir können aber die Kanäle nicht für ein hundertjährliches Regenereignis auslegen. Üblich ist die Berechnung für ein zehnjährliches Hochwasser.

Einsatzzentrale ertüchtigt

Die von Überschwemmung Betroffenen wählen entweder die übliche Feuerwehrnummer 112 für Notfälle. Dann schickt die Leitstelle aus Würzburg einen Einsatzauftrag per Fax an die Feuerwehr in Karlstadt. Oder sie rufen auf der Telefonnummer des Feuerwehrhauses in Karlstadt an. Das dortige Telefon ist allerdings nur während der Einsätze besetzt.

Zehn solche Tauchpumpen mussten nach dem Sonntagseinsatz gewartet werden.
Zehn solche Tauchpumpen mussten nach dem Sonntagseinsatz gewartet werden. Foto: Karlheinz Haase

Wie Brust berichtet, wurde die Einsatzzentrale im Karlstadter Feuerwehrhaus ertüchtigt. Zwei Mann kümmern sich um den Funk und die Kommunikation nach außen. Mindestens drei werten die Aufträge aus und organisieren die Einsätze.

Nacharbeiten nötig

Nach einem solchen Abend wie am Sonntag ist die Arbeit noch längst nicht getan. Es gilt Schläuche zu reinigen und zu prüfen. Zusammen mit den Stadtteilwehren verfügt man über zehn Tauchpumpen, die gewartet werden müssen. Bei jeder ist eine elektrische Prüfung durchzuführen. "Nach dem Einsatz ist vor dem Einsatz." Die Nass-Sauger sind zu reinigen. Zudem waren Stromaggregate in Betrieb. Denn die Feuerwehr verlässt sich nicht darauf, dass in einem Gebäude mit vollgelaufenem Keller die Elektrik noch intakt ist. Rund 24 Mannstunden sind für die Nachpflege nötig.

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