Vom Schreinerlehrling zum fränkischen Heimatdichter

Karlstadt Die Nikolaus-Fey-Straße ist in der Karlstadter Siedlung eine untergeordnete Straße. Ihr Namenspate dagegen ist in Franken bekannt. Nikolaus Fey dichtete in fränkischer Mundart. Er war Redakteur, Schriftsteller, Herausgeber und Stückeschreiber.

Am 13. November 1958 benannte der Karlstadter Stadtrat zwei neu geschobene Siedlungsstraßen für eine Wohnbebauung nach zwei fränkischen Dichtern: Friedrich Rückert und Nikolaus Fey. Beide Straßen wurden erst in den 60er Jahren asphaltiert. Die Nikolaus-Fey-Straße verbindet die Rückert- und die Sudetenstraße. Wohnhäuser stehen auf der südlichen Straßenseite. Nördlich erstreckt sich auf fast ganzer Länge die Einfriedungsmauer der Bauunternehmung Rösch KG.

Besonders die Nachbarstadt Lohr betrachtet Fey als ihren großen Sohn. Hier wirkte und lebte er von 1918 bis zu seinem Tod 1956.

Geboren wurde Fey am 2. März 1881 in Wiesentheid bei Kitzingen als drittes von neun Geschwistern. Nach einer Lehre in der väterlichen Schreinerei trat er in die Klosterschule St. Ottilien am Ammersee ein und machte als Privatschüler in Würzburg das Abitur.

1910 übersiedelte Nikolaus Fey, der sich zuvor als freier Schriftsteller in seinem Heimatdorf niedergelassen hatte, für ein Jahr nach Berlin. Er schrieb für verschiedene Zeitungen und studierte als Gasthörer an der Freien Universität und später in Würzburg Theater und Kunstgeschichte. Im Ersten Weltkrieg war er einfacher Soldat. Am 15. August 1918 ließ sich Fey mit seiner Frau Ottilie und seinen Töchtern in Lohr nieder, übernahm den "Lohrer Anzeiger", der die Inflation nicht überstand, und arbeitete seit Sommer 1923 als freier Schriftsteller.

In seinem eigenen Philippus-Verlag Lohr erschienen seine Werke wie Essays, Erzählungen und fränkische Dichtungen. Sein Festspiel "Konrad Wiegand" wurde zur 600-Jahr-Feier Lohrs 1936 aufgeführt. Er arbeitete für Zeitungen und Zeitschriften, rief 1925 die "Florian-Geyer-Festspiele" ins Leben und war 1932/33 künstlerischer Leiter der Erler Passionsspiele, der ältesten neben denen aus Oberammergau.

Für seine teilweise Nähe zu den Nazis musste Nikolaus Fey schwer büßen. Er war seit 1940 Beauftragter der Reichsschrifttumskammer für Mainfranken, versuchte aber in dieser Funktion wohl nur, der fränkischen Dichtung einen höheren Stellenwert zu verschaffen. Bei der Hochzeitsfeier des fränkischen NS-Gauleisters Dr. Otto Hellmuth im Juni 1936 allerdings soll Fey als Gast kernig Fränkisch-Völkisches zum Besten gegeben haben.

Zwischen 1945 und 1950 war Nikolaus Fey teilweise mit Schreibverbot belegt. Stattdessen musste der Mittsechziger zur Waldarbeit.

In den letzten Jahren seines Lebens schrieb Fey wieder Schauspiele, die aufgeführt werden durften, und reiste für Lesungen durch Franken. Auf einer dieser Vortragsreisen starb Nikolaus Fey am 19. Juli 1956 in Gerolzhofen - mitten in der Arbeit.

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