RODENBACH

Vom Surfboard aus fürs Leben helfen

In den Wellen des Atlantischen Ozean: Jan-Peter Väthjunker bringt Kindern aus dem Township von Kapstadt das Surfen bei. Foto: Jan-Peter Väthunker

Ihr Alltag ist geprägt von Armut, Gewalt, Drogen und Hunger. Die Kinder in den Townships von Kapstadt wachsen ohne Perspektive auf. Jan-Peter Väthjunker aus Rodenbach sorgt für Lichtblicke - vom Surfbrett aus.

Seit 2012 engagiert sich die „Kulu Manzi Surfing Foundation“ unter Leitung des Südafrikaners Brad Kleingeld im Township Lavender Hill. Die Organisation holt die Kinder stundenweise aus ihrem Elend, lehrt ihnen Schwimmen und Surfen, gibt ihnen die fehlende Zuneigung und Aufmerksamkeit und möchte Hoffnung auf einen Ausweg aus ihrer Lebenssituation geben. Einer der Helfer ist der 24-jährige Jan-Peter Väthjunker. Der Rodenbacher hat bereits zwei Praktika in Kapstadt absolviert und hautnah das Leid der Kinder erlebt, aber auch deren Dankbarkeit spüren dürfen.

Als Väthjunker 2012 für sein Studium an der Sporthochschule Köln ein Praktikum absolvieren musste, war ihm klar, dass er „mal was anderes“ machen wollte. „Ich wollte schon lange mal Wellenreiten mit Charity-Arbeit verbinden“, erzählt er. Der begeisterte Surfer befragte die Online-Suchmaschine google, gab die Worte „Praktikum“ und „Surfen“ ein und landete auf der Seite von „Projects-Abroad“ – einer Organisation, die der „Kulu Manzi Surfing Foundation“ freiwillige Helfer aus der ganzen Welt vermittelt. Der Praktikumsplatz war gefunden. Für neun Wochen ging es schließlich für den Rodenbacher ab nach Kapstadt.

Erschütternde Eindrücke

„Ich war überwältigt“, schildert er seine Eindrücke von der Stadt. An seinem ersten Praktikumstag ging es gleich ins Township. Provisorische Wellblechhütten prägen das Bild, bis zu 130 000 Menschen sollen dort leben. „Ich war nicht naiv, ich wusste eigentlich was mich erwartet“, berichtet Väthjunker. „Aber mich hat's umgehauen.“ Er erlebte Armut, Gestank, Leid. Er erzählt von kleinen Kindern, die in zerfetzten Klamotten auf der Straße im Dreck sitzen, auf Flaschendeckeln kauen. „Man neigt dazu zu sagen, dass sie das doch nicht in den Mund nehmen sollen. Doch es ist normal für sie, es ist das Einzige was sie zum Spielen haben.“

Väthjunker verbrachte prägende Wochen in Südafrika. Er holte die Kinder aus dem Township ab, betreute sie am Strand, baute Sandburgen mit ihnen, nahm ihnen die Angst vor dem Wasser, lehrte ihnen Schwimmen und Surfen und schmierte Ernussbutter-Sandwiches. „Die meisten können gar nicht schwimmen“, berichtet er. Ein bisschen stolz erzählt er, wie er einem kleinen Mädchen innerhalb von vier Tagen die Angst vor dem Wasser genommen und ihm das Schwimmen beigebracht hat. „Unsere Arbeit ist eine Mischung zwischen individueller Betreuung und dem Gewähren von Spielraum für die Entwicklung der Kids. Wir wollen ihnen zeigen, dass man auch etwas anders machen kann als in Gangs rumzuhängen. Dass man mit Engagement etwas lernen und vorankommen kann. Und dass sie kämpfen, aber auf dem richtigen Weg bleiben sollen.“

Schwere Schicksale

Der Umgang mit den rund 50 Kindern und Jugendlichen zwischen drei und 18 Jahren sei oft nicht einfach, vielmals bewegend. „Hinter jedem Kind steckt ein Einzelschicksal, oft mit kriminellem Hintergrund“, sagt er. „Manchmal verschlägt es einem die Sprache, da weiß man gar nicht, was man sagen soll. Man versucht einfach, ihnen das Leben ein bisschen leichter zu machen.“

Dies war auch der Grund, warum sich Jan-Peter Väthjunker 2014 entschied, in seinem Master-Studiums für Sporttourismus und Erholungsmanagement erneut ein Praktikum bei der Kulu Manzi Surfing Foundation (Kulu Manzi bedeutet „großes Wasser“) zu absolvieren. Im Vorfeld seiner Reise fragte er bei Eltern und Verwandten nach Spenden, richtete bei Facebook die Seite „Kulu Manzi Surfing Foundation“ ein, um auf das Projekt aufmerksam zu machen. „300 Euro an Spenden aufzutreiben, wäre super“, schrieb er. Davon wollte er vor Ort Essen kaufen und Schuluniformen besorgen. Doch was passierte, war für Väthjunker fast unfassbar: Es kamen 2275 Euro zusammen.

Im August reiste er erneut für fünf Wochen nach Kapstadt. Neben der Betreuung der Kids kümmerte er sich darum, wie er das Geld am sinnvollsten einsetzen könnte. Er verhandelte mit Supermarktketten, Surfshops und Bekleidungsunternehmen, um das Beste herauszuschlagen. Strahlend erzählt Väthjunker, dass er mit einem Teil des Geldes die Verpflegung der Kinder mit Sandwiches, Obst und Fruchtsäften für ein Jahr sicherstellen konnte.

Enorme Freude

Der Bus, mit dem die Kinder in Lavender Hill abgeholt werden, wurde repariert, Väthjunker beschaffte Handtücher, Kulu-Manzi-Shirts mit Aufdruck, Softboards, Fußbälle, Sonnencremes und vieles mehr. „Am Coolsten war aber, dass ich statt der erhofften zwei 26 Schuluniformen kaufen konnte.“ Die Kids seien angesichts der Geschenke „außer Rand und Band“ gewesen. „Sie haben sich gefreut, rumgetobt und die Sachen gleich angezogen.“

In Erinnerung geblieben ist ihm die Reaktion des 16-jährigen Levi. „Er hat mich in den Arm genommen und immer wieder gesagt wie dankbar er mir ist. Hat erzählt, dass seine Mutter sich nicht um ihn kümmert und er nicht wüsste, wann er das letzte Mal neue Schuhe gehabt habe.“

Das hat Väthjunker geprägt. „Man lernt das, was man hat, viel mehr zu schätzen“, sagt Väthjunker. Deswegen möchte er die Foundation auch nach seiner Rückkehr aus Kapstadt unterstützen. Er verrät, dass er bereits „ein paar Pläne im Hinterkopf“ hat.

Wer Väthjunker unterstützen möchte, kann ihn unter jan@kulumanzi.co.za kontaktieren.

Neue Schuluniformen: Jan-Peter Väthjunker konnte Dank der großen Spendenbereitschaft 26 Kinder für die Schule ausstatten.
Für ein Jahr ist die Verpflegung der Kinder nun sichergestellt.

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