Arnstein

Von Hexen, Schmusern und Rosenkranzherren

Der Heimatkundeverein Arnstein präsentierte das 29. Jahrbuch für das "Amt Arnstein". Im Bild von links: Die Autoren Günther Liepert, Josef Oberst, Klaus Göbel, Willi Albert und der Moderator Josef Grodel. Foto: Günter Roth

Fünf Herren haben sich viel Arbeit gemacht und mit akribischer Spurensuche sowie großem Engagement für die Heimat das 252 Seiten starke Jahrbuch, das 29. in Folge, herausgebracht. Es bietet in elf Beiträgen einen bunten Mix aus fundierter Historie, ein bisschen Skurrilem und vor allem Hintergründe, die wohl sonst verloren gegangen wären. Die Präsentation hatte Josef Grodel übernommen; er berichtete auch über die Aktivität des Heimatvereins während dieses Jahres.

Etwas gruselig ist sie, die umfangreiche Geschichte über "Spiritismus im Amt Arnstein". Kaum zu glauben, dass auf dem flachen Land Séancen im "Höflein" abgehalten wurden, dass Geistheiler durch Handauflegen heute noch wirken und dass noch in der Mitte des vergangenen Jahrhunderts die betagte Margarete Neder wegen "Gaukelei" angeklagt und verwarnt wurde, weil sie mit Kräutertees, Massagen und Gebeten Kranke behandelt hatte. Auch ein "Viechdoktor" und Kurpfuscher aus dem Amt Arnstein war recht aktiv und offensichtlich auch erfolgreich.

Ernster dann waren aber die Vorfälle um die Hexerei in der Stadt: 1603 wurde die Brückenbäckerin verdächtigt, ein Unwetter herbeigehext zu haben. Zu ihrem Glück wurde der Verdacht im Prozess ausgeräumt und stattdessen der Denunziant bestraft. Gut ein Vierteljahrhundert später gerieten der Arnsteiner Hans Göbel und vier weitere Frauen in Gefahr.

Die Autoren des Jahrbuchs 2018 berichten aber auch über Skurriles, wie zum Beispiel das Wirken von Schmusern. Das waren oftmals Landwirte oder Handwerker, die viel herumkamen und nebenbei ihre Dienste als Vermittler anboten. Aber sie fädelten nicht nur, wie oft vermutet, Ehebündnisse ein, sondern vermittelten auch Knechte und Mägde, Vieh und anderes. Der Schmuser galt jedenfalls als ein durchaus ehrenwerter Beruf.

Nicht unbedeutende Musiker kam auch aus dem District Arnstein: In Gauaschach wuchsen um 1800 die Brüder Johann Sebastian und Joseph Demer als Lehrerskinder auf und machten als Komponisten sowie Musiker bis nach Paris von sich reden. Von den ehemals 16 katholischen Vereinen in Arnstein wird im Jahrbuch der Rosenkranzverein erwähnt. Der reine Männerverein war strikt auf 15 Mitglieder beschränkt. Wieso - das konnte nicht herausgefunden werden.

Als eher sachliche Themen hat das Jahrbuch die Geschichte der Schreiner und Fensterbauer aus Gänheim anzubieten. Die beiden Firmen Ziegler und Scheuring haben sich mittlerweile von kleinen Handwerksbetrieben zu überregionalen Betrieben entwickelt. Die Chefs Burkard und Erich Ziegler zählen neben Hans-Bernd Weinand auch in diesem Jahr zu den Hauptsponsoren des Jahrbuchs. Interessant für die Bewohner des Werntals dürfte auch die Geschichte der Poststelle Müdesheim sein. Ein kurzer Bericht erzählt vom glimpflich verlaufenen Kriegsende in Altbessingen, und die Reihe der "Arnsteins außerhalb" berichtet von dem gleichnamigen Ortsteil von Waldmünchen im Bayerischen Wald direkt an der tschechischen Grenze. Ein Mundartgedicht "Die bitteren Pillen" rundet das heurige Jahrbuch ab.

Der fleißigste Schreiber und Vorsitzende des Heimatvereins, Günther Liepert, dankte den Autoren und Sponsoren. Das Jahrbuch 2017 habe sich sehr gut verkauft und er hoffte dasselbe auch für dieses Jahr.

Zu kaufen gibt es das Werk bei der VR-Bank, beim "Bücherwurm", in Sabines Schreib- und Bastelstube sowie in der Gaststätte "Goldener Engel".

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