Gemünden

Von Parasiten ausgezehrte tote Ziege: Tat zu geringfügig für Gerichtsurteil

Nach dem Hinweis, dass lediglich eine Verurteilung wegen der "fahrlässigen Herbeiführens des Leidens eines Tieres" erfolgen kann, war das Verfahren rasch beendet.
Ein Teil der betroffenen Ziegenherde. Foto: Björn Kohlhepp

"Das Tier hatte kein schönes Leben." Zu diesem Ergebnis kam Professor Dr. Dr. Michael Erhard vom Lehrstuhl für Tierschutz, Verhaltenskunde, Tierhygiene und Tierhaltung der Tierärztlichen Fakultät der Universität München. Der Fachmann sollte als Gutachter im Prozess gegen einen 49-jährigen Landwirt entscheiden, ob der Mann einer Ziege Leid oder Schmerzen zugefügt hat. Das Tier war Teil einer Herde, die dem Landwirt weggenommen wurde. Eine Woche danach starb die Ziege.

Drei Tage Verhandlung mit der Anhörung von insgesamt elf Zeugen und einem Sachverständigen waren notwendig, um diese Frage zu klären. Nicht zum ersten Mal war der Landwirt angeklagt, gegen das Tierschutzgebot verstoßen zu haben. Drei Mal war er deshalb auch schon bestraft worden. Außerdem bestand gegen ihn ein allgemeines Tierhalte- und betreuungsverbot. Aus diesem Grund hatte das Veterinäramt am Landratsamt Main-Spessart die 30 bis 40 Tiere zählende Herde dem Landwirt am 6. März 2018 weggenommen und vorübergehend bei einem zuverlässigen Schafhalter untergebracht. Inzwischen befindet sich die Herde in einem Betrieb außerhalb des Landkreises.

Behandlung gegen Parasiten vernachlässigt

Bei der Haltung von Tieren hatte der angeklagte Landwirt seine eigene Philosophie, die oft deutlich von dem abweicht, was gängige Praxis unter Tierhaltern ist. Im Falle der hauptsächlich aus Tieren der Rassen "Weiße deutsche Edelziege" und "Thüringer Waldziege" bestehenden Herde war es vor allem die Behandlung der Tiere gegen Parasiten und Wurmbefall, die der 49-Jährige stark vernachlässigt hat. "Hier wäre ein Parasitenmanagement erforderlich gewesen", hielt der Gutachter dem Angeklagten vor.

Das hätte bedeutet, dass er am Ende der Weidesaison im November Kotproben nimmt, die untersucht und anschließend die Tiere behandelt. Das Gleiche erneut am Ende der Stallhaltung. "Mindestens zwei Mal im Jahr, besser noch vier Mal", hielt die Tierärztin vom Veterinäramt am Landratsamt Bamberg, die die Sezierung der toten Ziege vorgenommen hat, für angebracht.

Stattdessen hatte der Angeklagte die Behandlung nur sporadisch bei einzelnen Tieren vorgenommen und auch keine umfassenden Nachweise angefertigt. Auch die vorgeschriebenen Abgabebelege für das Behandlungsmittel, von einem Tierarzt aus dem Nachbarlandkreis Bad Kissingen erworben, fehlten gänzlich.

Tier war "hochgradig ausgezehrt" und litt unter Lungenödem

Auch die Veterinäre des bayerischen Landesamtes für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit in Erlangen fanden: "Eine Entwurmung war schon lange überfällig." "Hochgradig ausgezehrt" sei das Tier gewesen obwohl es regelmäßig und gut gefüttert wurde. Neben zahlreichen Parasiten hatte er zusätzlich ein Lungenödem festgestellt.

"Den Tieren ging es gut, wenn sie auch nicht besonders gut im Fleisch standen", so äußerte sich der Schafhalter, bei dem die Herde vor der Wegnahme untergebracht war. Bis zu drei Mal täglich habe sich der Halter um seine Tiere gekümmert. "Sahen nicht krank aus", meinte der Schafhalter, bei dem das Landratsamt die Herde anschließend untergebracht hat und bei dem die eine Ziege verstarb. "Es kommt immer mal vor, dass ein Schaf oder eine Ziege tot im Stall liegt", betonte er.

Am Ende der sehr umfangreichen Beweisaufnahme gab Strafrichterin Katrin Heiduck schließlich den Hinweis, dass lediglich eine Verurteilung wegen der "fahrlässigen Herbeiführens des Leidens eines Tieres" erfolgen kann, aber wohl kein Vorsatz vorliegt. Daraufhin beantragte der Staatsanwalt die Einstellung des Verfahrens, da die Tat nur noch eine Ordnungswidrigkeit darstellt und die zu erwartende Strafe zusammen mit der Verurteilung durch das Landgericht Würzburg zu einer Gesamtstrafe zusammengefasst werden kann.

Dabei fiele die neue Verurteilung nicht mehr ins Gewicht. Der Landwirt, der nach eigenen Worten künftig keine Tiere mehr halten will, war im Herbst zu einer Geldstrafe von 4200 Euro (140 Tagessätze zu 30 Euro) verurteilt worden. "Ich halte das gegen sie verhängte Tierhalteverbot für richtig", gab Richterin Heiduck dem Angeklagten  in ihrem Schlusswort mit auf den Weg.

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