Lohr

Von Skater-Kater Adelbert und dem Kohleherd im Kino

Der Kinderbuchautor Paul Maar (Mitte) und die beiden Musiker Konrad Haas (links) sowie Wolfgang Stute beim Literaturfestival in der Lohrer Stadthalle. Foto: Günter Roth

Eigentlich schreibt ja der weithin bekannte fränkische Schriftsteller in erster Linie für Kinder - und das seit Jahrzehnten äußerst erfolgreich. Doch bei der Lesung in der Lohrer Stadthalle im Rahmen des Jugendliteraturfestivals waren unter den fast 100 Hörern gut und gerne genauso viele Erwachsene, viele auch ohne Kinder. Menschen, die mit dem Sams oder dem tätowierten Hund groß geworden sind und diese noch in bester Erinnerung haben.

Mit dem Gitarristen und Perussionisten Wolfgang Stute sowie dem Allround-Musiker Konrad Haas mit Querflöte, Saxophon und Keyboard bescherte Paul Maar  seinen Gästen 80 vergnügliche Minuten mit Kostproben aus dem neuesten Buch "Schiefe Märchen und schräge Geschichten", mit denen er alte Märchen in einen neuen, zeitgemäßen und heiteren Zusammenhang bringen wollte.

Da waren beispielsweise die wirklich skurrilen Erlebnisse des Katers Adelbert, der elegant auf seinem Skateboard durch die Stadt flitzte, die Passanten mit seinen Kunststückern erfreute und mit dem Geld, das ihm diese ihm zuwarfen, sein Frauchen daheim unterstützte. Aber er wollte werden wie der "Gestiefelte Kater" aus dem Märchen. Hier zeigte sich Maars besondere Begabung, literarische Vorlagen liebevoll mit einer gehörigen Portion kindgemäßer Logik und einigem Quatsch so amüsant zu verbinden, dass es kleine und große Kinder gleichermaßen erfreut.

Bei der Signierstunde nach der Lesung mit Paul Maar. Foto: Günter Roth

Hänsel und Gretel ohne Handyempfang

"Pech gehabt" galt für Hänsel und Gretel in einem weiteren Märchen – quasi als Version 2.0 in die aktuelle Zeit verlagert: Per SMS auf dem Smartphone kündigen die beiden Geschwister der Hexe im Knusperhäuschen ihre Ankunft an. Weil es draußen so kalt ist, bitten sie den Ofen schon einzuheizen und Essen bereitzustellen. Aber nicht schon wieder Kekse, Pfefferkuchen und Zuckerwerk – sie stehen viel mehr auf Currywurst. Blöd nur, dass der Plan nicht aufgeht, weil im Wald das Handynetz nicht funktioniert.

Alte Märchen im 21. Jahrhundert gab es noch mit der königlichen Prinzessin, die plötzlich mit ihrem goldenen Haarfön telefonieren kann: "Kein Anschluss unter dieser Nummer!" Des Weiteren war da noch der König, der mit dem Motorrad abends seiner Tochter ein Glas warme Milch besorgt und schließlich die wirklich haarsträubende Story vom alten Kohleherd, der auf eigene Faust einen Kinofilm besucht.

Mit Zwergenmützen auf dem Podium 

Bestens begleitet und musikalisch ergänzt wurde Paul Maar von den beiden Künstlern Wolfgang Stute und Konrad Haas, die auch gemeinsam in der Schneewittchen-Variation mit Zwergenmütze eine fröhlich, verrückte Verwechselungsgeschichte zum Besten gaben.

Wenn ein Autor im stolzen Alter von 81 Jahren noch so viele Ideen und "Hirnschwurbel" im Kopf hat, ist das ein sicheres Zeichen, dass er nicht nur ein unverbesserlicher Kinderfreund geblieben ist und sich problemlos in deren Lebenswelt versetzen kann. Wahrscheinlich, weil er im neunten Lebensjahrzehnt selbst noch im besten Sinne ein Kind geblieben ist.

Lang, sehr lang war nach der Vorstellung die Warteschlange von Maar-Fans, die sich von dem Autor persönlich ein neu oder auch schon länger erworbenes Buch signieren ließen.

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