Gemünden

Von Sonne geblendet: Unfallverursacher vor Gericht

61-jährige Radfahrerin angefahren – acht Monate später verlangt die Frau Schmerzensgeld.

Die tiefstehende Sonne war die Ursache für einen Verkehrsunfall, der sich im Juni 2019 in Arnstein ereignet hat und bei dem eine Fahrradfahrerin erheblich verletzt wurde. Jetzt stand der Verursacher, ein 22-jähriger Autofahrer, deswegen vor dem Amtsgericht Gemünden. Der Prozess wurde jedoch vorläufig ausgesetzt, weil noch Fragen zum Schmerzensgeld und den entstandenen Kosten der verletzten Frau geklärt werden müssen.

"Es war ein Unfall, wie er mir und jedem anderen hier im Gerichtssaal hätte passieren können", betonte Staatsanwalt Joscha Kreßmann gleich zu Beginn der Verhandlung beim Verlesen der Anklageschrift. Dies bestätigte auch eine 38-jährige Zeugin, die wenige Sekunden vor dem jungen Mann mit ihrem Auto an gleicher Stelle der Straßeneinmündung gestanden hat: "Ich habe die Frau  im letzten Moment gesehen, sonst wäre mir der Unfall passiert".

Es war der 13. Mai 2019 gegen 16.45 Uhr als der 22-Jährige aus dem Landkreis Bad Kissingen in Arnstein von einer untergeordneten Straße in eine Hauptstraße einbiegen wollte. Gegen die tiefstehende Sonne blickend hielt er mit seinem Skoda an und fuhr dann, nachdem er kein anderes Fahrzeug wahrnahm, wieder an. Genau in diesem Moment befand sich aber eine 61-Jährige Auf einem Fahrrad fast genau vor der Motorhaube des Mannes. Sie wurde angefahren, prallte zunächst gegen die Windschutzscheibe des Wagens und dann mit dem Kopf auf den Asphalt.

Sofort kümmerten sich Passanten um die Verletzte, alarmierten Rettungsdienst und Polizei. Zwei Wochen verbrachte sie in der Universitätsklinik in Würzburg, bevor sie entlassen und zur weiteren Behandlung in ihre polnische Heimat fahren konnte. Auch acht Monate nach dem Unfall leidet die Frau, die keinen Fahrradhelm trug, an Kopfschmerzen und Schmerzen im rechten Bein.

Juristisch geahndet werden sollte der Verkehrsverstoß des Autofahrers mit einem Strafbefehl über 2400 Euro (60 Tagessätze zu 40 Euro). Dagegen legte der Mann Widerspruch ein. So kam es zur mündlichen Verhandlung vor Strafrichterin Laura Paczesny. Die erläuterte den Prozessbeteiligten, dass jetzt nach acht Monaten, der Anwalt der verletzten Frau einen Adhäsionsantrag angekündigt hat, in dem er Kostenersatz und Schmerzensgeld für seine Mandantin erstreiten will. "1000 Euro für jeden Monat", als Kostenersatz und "mindestens 5000 Euro Schmerzensgeld", wolle sie erhalten.

"Der Antrag kommt völlig überraschend", wunderte sich der Verteidiger des Angeklagten darüber, dass acht Monate lang keine Ansprüche an seinen Mandanten oder dessen Haftpflichtversicherung gestellt worden waren. Er sah deshalb auch den 22-Jährigen als den falschen Adressaten für diese Forderungen an und will nun Kontakt mit dem Haftpflichtversicherer sowie dem Anwalt der Verletzten aufnehmen.

Danach soll die Verhandlung erneut aufgenommen werden. Eine Einstellung des Verfahrens kommt allerdings für Staatsanwalt Kreßmann nicht infrage, ließ er durchblicken. Es gebe noch die Möglichkeit eines Vergleichs oder einer Verurteilung des Autofahrers.

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