Marktheidenfeld

Von Tod, Trauer und dem Schöpfen neuen Muts

Musikalische Begleitung zu Literatur über den Tod im Franck-Haus-Festsaal: (von links) Christoph Arz, Mareike Väthröder und Alexander Wolf. Foto: Martin Harth

Tod, Trauer und Leid haben den Menschen als existenzielle Erfahrung immer bewegt. Dass solche grundlegenden Themen auch in allen literarischen Epochen ihren entsprechenden Ausdruck fanden, davon konnten sich am Sonntag gut 60 Gäste im Festsaal des Franck-Hauses einen Eindruck verschaffen. Das ambulante Kinderhospiz Sternenzelt Mainfranken nahm den Kinderhospiztag und die gegenwärtig im städtischen Kulturzentrum stattfindende Karikaturen-Ausstellung "Sie hat mir der Himmel geschickt" zum Anlass, um mit Rezitationen und Musik auf das sensible Thema aufmerksam zu machen.

Der stellvertretende Vorsitzende des Marktheidenfelder Vereins, Bernhard Elsesser, lud die Gäste zu einer eineinhalbstündigen inneren Einkehr ein, zu der außer ihm Dr. Klaus Roos mit Textvorträgen und ein Instrumental-Trio mit Mareike Väthröder (Cello), Christoph Arz (Sopran und Tenorsaxophon) und Alexander Wolf (Klavier) als musikalischer Begleiter beitrugen.

Der Tod gehöre als natürlicher Vorgang zum Leben, meinte Elsesser und stellte mit Klaus Roos die Veranstaltung unter ein Thema, das Rainer Maria Rilke in seinem Gedicht "Schlussstück" so zum Ausdruck brachte: "Der Tod ist groß. Wir sind die Seinen lachenden Munds." Der so beschriebene Kontrast beschreibe nachdenklich und besinnlich einen Weg der Bewältigung in lebensbejahender Heiterkeit, wie ihn vielleicht auch die im Franck-Haus von der Hospiz-Akademie Bamberg präsentierten Karikaturen zeigten.

Trauer, Tod und Leid als literarische und poetische Themen: (von links) Bernhard Elsesser und Dr. Klaus Roos. Foto: Martin Harth

Dennoch sollte der Ton der Lesung, die Elsesser und Roos im Wechsel gestalteten, vorwiegend ernst bleiben und Alexander Wolf unterstrich dies mit seinen einfühlsamen, begleitenden Kurzimprovisationen auf dem Klavier.

Vier Blöcke hatte man zusammengestellt mit poetischen und literarischen Fundstücken aus der Zeit der Bibel bis hin zur Gegenwart. Sie wurden von Musikstücken kunstvoll umrahmt, etwa mit ruhig-meditativen Eigenkompostionen von Christoph Arz und zeitgenössischen Werken des norwegischen Komponisten Ola Gjelo oder des Italieners Ludovico Einaudi.

Eine Zeit, die vom Tod wie kaum eine andere geprägt war, war mit dem Dreißigjährigen Krieg angebrochen und keiner hatte dies wohl so meisterlich beschrieben wie der Glogauer Barockdichter Andreas Gryphius (1616-1664).

Matthias Claudius, Annette von Droste-Hülshoff, Joseph von Eichendorff oder Eduard Mörike - sie alle hatten in Reimen etwas zur Begegnung mit dem Tod zu sagen. Die beiden jüdischen Poetinnen und Emigrantinnen Else Lasker-Schüler und Mascha Kaléko hinterließen auf ihrem Lebensweg unter dem Eindruck ihrer Erlebnisse besonders eindrucksvolle Zeugnisse zum Thema.

Bertolt Brecht oder Erich Kästner wurden mit modernen Gedichten vorgestellt, die sachliche und satirische Gestaltungen vorgaben, die in unseren Tagen vom Kabarettisten Hanns Dieter Hüsch oder dem Vertreter der neuen Frankfurter Schule, Robert Gernhardt, fortgeführt wurden.

Aus den Märchen der Gebrüder Grimm oder dem orientalischen Märchenschatz wurden Bezugspunkte aufgegriffen und der norwegische Autor Jo Nesbø war sogar mit einem Auszug aus seiner aktuellen, modernen Fassung des blutrünstigen Shakespeare-Dramas "Macbeth" zu hören.

So floss der umfangreiche Reigen von Texten und Gedichten kurzweilig vorbei, berichtete von der Unausweichlichkeit des Sterbens, von der Begegnung mit dem Tod, von Lebenssinn, Trauer und dem Schöpfen neuen Muts. Am Ende sollte der älteste Text der Lesung stehen, denn schon im biblischen Psalm 49 findet man in den Versen 11 bis 21 grundlegende Glaubensüberzeugungen zum Thema Tod und Leben.

Die Karikaturen-Ausstellung "Sie hat mir der Himmel geschickt" der Hospiz-Akademie Bamberg ist noch bis zum 24. Februar im vorderen Galeriebereich des städtischen Kulturzentrums Franck-Haus (Untertorstraße 6) in Marktheidenfeld von Mittwoch bis Samstag von 14 bis 18 Uhr sowie an Sonn- und Feiertagen von 10 bis 18 Uhr zu sehen.

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