LOHR

Von der Muttermilch bis zu Biodiabetes

Schluck für Schluck: Kabarettist Philipp Weber begeisterte das Publikum im Alten Rathaus. Foto: Ferdinand Heilgenthal

Dass Essen und Trinken Leib und Seele zusammenhalten, ist eine alte Volksweisheit. Der Teufel steckt allerdings in den Details. Genau diese servierte Philipp Weber mit seinem neuen Programm „Durst – warten auf Merlot“ am Freitagabend im voll besetzten Alten Rathaus genussvoll dem Publikum.

Nach seinen schonungslosen Analysen blieb den Besuchern so mancher Schluck im Halse stecken, meistens wegen plötzlich einsetzender Lachanfälle, obwohl Webers Botschaften bisweilen eher zum Weinen sind oder mindestens zum Nachdenken anregen. Mit viel Schwung stürmt der Odenwälder die kleine Bühne und genauso temperamentvoll steigt er als Dauersprecher in sein Programm ein. In einer Mischung von Volksaufklärung, beißender Satire und Heimatwitz widmet sich der studierte Chemiker und Biologe im hinreißenden Stakkato seiner Wortflut den überlebenswichtigen Dingen der Menschheit, nach dem Essen ist es jetzt das Trinken: „Das fängt schon mit der Muttermilch an, die schmeckt zwar etwas fad, aber gegen die Verpackung ist nichts zu sagen.“

Für die Vorstellung der landläufigen Durst- und Genussstiller wie Bier, Wein und Amorbacher Apfelmost steht Weber der trotz seiner Robustheit bereits verstorbene Onkel Rudi zur Seite. Der hatte errechnet, dass er beim Konsum von acht Halben Bier soviel B1-Vitamine aufnimmt, dass er sich den täglichen Apfel sparen kann. Auch die alkoholfreien Trendgetränke rückten ins Visier: Red Bull mit 27 Gramm Zucker pro Dose schmecke „wie ein Chemieunfall, wie der Morgenurin eines zuckerkranken Gummibärchens“. Fraglich sei, ob man vom „Biozucker aus kontrolliertem Anbau“ in der Bionade vielleicht „Biodiabetes“ bekäme.

Wer jetzt zur Tasse Kaffee ausweichen wollte, dem neben Öl das am meisten gehandelte Produkt der Welt, hatte ebenfalls Pech. Gerade einmal skandalöse 0,5 Prozent würden fair gehandelt, die Discounter führten oft nur eine Sorte, die werbewirksam in Szene gesetzt werde. Ganz schlimm sei das mit den Kaffee-Kapseln, die ganze fünf Gramm Kaffee enthalten, aber für 4 000 Tonnen Aluminumabfall sorgen, der meistens im Restmüll landet. Hochgerechnet koste so ein Kilo Kaffee 60 Euro: „Damit kann ich mir einen Kaffee kaufen, bei dem die Bohnen einzeln ökologisch betreut werden.“

Im Schnelldurchlauf widmete sich der mehrfach ausgezeichnete Kabarettist weiteren volksnahen Ereignissen, wie dem Nürnberger Christkindlesmarkt („so eine Art Weihnachtsballermann“) oder den Wallfahrern: „Da habe ich schon welche durch die Kornfelder schwanken sehen, die hatten garantiert schon ihre drei Marienerscheinungen.“

Mit seinem hintergründigen Humor traf Weber die fränkische Volksseele wie es sonst nur ein ehrlicher Silvaner vermag. Und es gelang ihm souverän, elementare Themen der Menschheit mit originellem Wortspiel und niveauvoll zu vermitteln.

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