Karbach

Vor 100 Jahren: Einwohnerwehr schützte Karbach

Im November 1918 war es vorbei mit dem Königreich Bayern, doch Ruhe kehrte damit nicht ein. Das Kabinett war nach der Ermordung Eisners aus dem gefährlichen München nach Bamberg geflüchtet und versuchte, Sicherheit und Ordnung zu wahren. Noch herrschte Kriegsrecht, machten Standgerichte kurzen Prozess. Das Generalkommando des II. Bayerischen Armeekorps ordnete die sofortige Umwandlung der Bürgerwehren in die Militär-Landpolizei an. Auch die Karbacher Einwohnerwehr sollte nun Raub, Plünderung, Schmuggel und Erpressung verhindern und die Gendarmerie unterstützen.
Richard Rügamer, Wirt des "Löwen" in Karbach, war der Chef der Einwohnerwehr. Foto: Josef Laudenbacher (Repro)

Im November 1918 war es vorbei mit dem Königreich Bayern, doch Ruhe kehrte damit nicht ein. Das Kabinett war nach der Ermordung Eisners aus dem gefährlichen München nach Bamberg geflüchtet und versuchte, Sicherheit und Ordnung zu wahren. Noch herrschte Kriegsrecht, machten Standgerichte kurzen Prozess. Das Generalkommando des II. Bayerischen Armeekorps ordnete die sofortige Umwandlung der Bürgerwehren in die Militär-Landpolizei an. Auch die Karbacher Einwohnerwehr sollte nun Raub, Plünderung, Schmuggel und Erpressung verhindern und die Gendarmerie unterstützen.

In Karbach ging wiederholt das Gerücht um, es kämen von Lohr her marodierende Banden, in denen sich entlassene Soldaten und frühere Hamsterer sammelten, um die Bauerngemeinden zu überfallen und auszuplündern. Doch es bleib beim Gerücht. Im Amtsbezirk Marktheidenfeld wurden die Gemeinden, angelehnt an die vorhandenen sieben Gendarmeriebezirke, in die sieben Militär-Polizeibezirke Marktheidenfeld, Esselbach, Urspringen, Remlingen, Neubrunn, Stadtprozelten und Kreuzwertheim eingeteilt.

Jeder erhielt ein Gewehr und 45 Schuss

Aufgenommen in die Militärlandpolizei wurden solche Männer, die treu zur Regierung Hoffmann standen, 22 bis 45 Jahre alt waren, einen guten Leumund hatten, körperlich fit und militärisch ausgebildet waren. Jedes Mitglied erhielt ein Gewehr K 98; dazu 45 Stück scharfe Patronen.

Rügamers Stellvertreter war der Landwirt und Gemeinderat Roman Hart, der später Bürgermeister wurde - so wie nach ihm Sohn Ruprecht und Enkel Helmut. Foto: Josef Laudenbacher (Repro)

Kaum vier Wochen nach diesem Erlass und nachdem die Siegermächte die Militär-Landpolizei beanstandet hatten, wurde die sogenannte „Einwohnerwehr“ ins Leben gerufen. Das Bezirksamt stellte dazu klar: „Es handelt sich um eine freiwillige Organisation, die weder militärische Truppen noch Polizeitruppen bilden. Jede Gemeinde ist verpflichtet, nur Leute aufzunehmen, die gut beleumundet, regierungstreu und mehr als 20 Jahre alt sind." Verpflichten konnten sich die Mitglieder zum Ortsaufgebot am Wohnort oder zum Landaufgebot, das auch in den Bezirken und im Kreis zum Einsatz kam.

Für manche Gemeinde war es nicht leicht, herandrängende Leute, die für die Landwehr nicht passten, zurückzuweisen, schreibt Heimatforscher und Bezirksschulrat Peter Apfelbacher. Schließlich wollte man nicht „Böcke als Gärtner“ aufstellen. In Karbach meldeten sich 55 Mann zum Ortsaufgebot und einige zum Landaufgebot an. Sie wählten zu ihrem Führer den Weltkriegsteilnehmer und Löwenwirt Richard Rügamer (1876-1955).

Waffenprüfung im Gemeindezimmer

Die vom Bezirksamt gelieferten Gewehre und 1500 Stück Munition wurden in gesonderten Depots aufbewahrt, denn die Zuteilung der Waffen und Munition an die Mitglieder beschränkte sich in der Hauptsache auf Appelle und kurze Sammelübungen. Die Gewehre wurden von einem Militärbüchsenmeister aus Würzburg im Gemeindezimmer geprüft und geölt. Für Auslagen genehmigte der Gemeinderat 150 Mark, davon entfielen allein 88 Mark auf Armbinden.

Als Bezirksleiter der Einwohnerwehren wurde Lehrer Georg Apfelbacher (Ansbach) gewählt, zu seinem Stellvertreter der Kaufmann Hartmann aus Marktheidenfeld. Gauleiter für den aus den Bezirken Lohr und Marktheidenfeld gebildeten Gau „Ost-Spessart“ war zunächst Lehrer Schneider (Lohr) und nach ihm Major Naegelbach, der im Schloss Triefenstein wohnte.

Schriftführer Gottfried Schubert hatte eine besonders verantwortungsvolle Aufgabe: Er war der Waffenmeister. Foto: Josef Laudenbacher (Repro)

In der Karbacher Einwohnerwehr standen Richard Rügamer als Stellvertreter der Landwirt und Gemeinderat Roman Hart (später Bürgermeister) und Karl Herrmann (Hannesä-Peter) zur Seite. Schriftführer war der Lagerhausverwalter Gottfried Schubert, der auch das Amt des Waffenmeisters übernahm. Schubert war später 1. Kommandant der Feuerwehr.

In Remlingen war der Schießplatz

Im Laufe der Zeit hatte man folgende Anordnungen getroffen: Jeder Angehörige der Einwohnerwehr hatte entweder ein Gewehr oder einen Karabiner Nr. 98 und 88, dann eine Armbinde (blaues Band mit weißem Streifen), zwei Verbandspäckchen und einen Waffenschein. Richard Rügamer verwahrte alle Munition, insgesamt 50 000 Schuss, sowie den Vorrat an Verbandsstoffen und Gewehrreinigungsmaterial. In Remlingen gab es einen Schießplatz für das Üben mit scharfer Munition.

Auf den Empfang eines Maschinengewehres hatte Karbach zu Gunsten der Pulverfabrik Hasloch verzichtet. 1920 wurde jedem Gewehr in der Schmiede von Karl Hartmann vom Staatsleiter Schunke, dem späteren Prokuristen der Pulverfabrik Hasloch, das Zeichen „E.B.“ (Einwohnerwehr Bayern) eingebrannt. Doch nach den Militär-Landpolizeien war den Alliierten auch die Einwohnerwehr ein Dorn im Auge. Ihrem Drängen auf Auflösung wurde am 21. August 1921 nachgegeben. Ihre Bestände wurden zerstört, wobei Millionenwerte verloren gingen.

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