Lohr

Vor 150 Jahren: Sendelbacher Kindsmörderin verurteilt

Am 5. Februar 1870, vor 150 Jahren, berichtete der Aschaffenburger „Beobachter am Main“ von einem Mädchen aus Sendelbach, das ein paar Tage zuvor, des Kindsmordes dringend verdächtig, verhaftet worden war und nun in Lohr einsaß. Weiter hieß es: „Andern Tages versuchte ein verheiratheter Mann desselben Ortes, mit ihr in der Frohnveste zu sprechen. Vom Gefangenenwärter aufmerksam gemacht, daß dies unstatthaft sei, übrigens durch ein paar Zeilen eine Verständigung herbeigeführt werden könnte, schrieb derselbe einen Brief, der statt in die Hände der Verhafteten, zum königlichen Untersuchungsrichter wanderte und solche Indizien ergab, daß sofort die Verhaftung dieses Mannes angeordnet wurde.“

Nach der Leiche des Kindes wurde bis dahin erfolglos gesucht. Vermutlich, so die Zeitung, war sie in den Main geworfen worden. Am 18. Februar vermeldete das Würzburger Abendblatt, dass die Mutter der mutmaßlichen Kindsmörderin auf dem Weg zur Vernehmung zum königlichen Untersuchungsrichter spurlos verschwand. Zehn Tage später dann schrieb die Zeitung, dass Josepha Albert, so hieß die Mutter, am „Überfahr“ eingefroren im Eis gefunden wurde. Es habe sich wahrscheinlich um einen Unglücksfall, nicht um Selbstmord gehandelt.

Tochter legte umfassendes Geständnis ab

Ihre Tochter soll unterdessen ein umfassendes Geständnis abgelegt haben. Ihr „Zuhälter“, wie Geliebte damals hießen, war eine Woche vorher aus der Haft entlassen worden. Im Bericht über die Verhandlung des Schwurgerichts Würzburg im Mai 1870, nachzulesen beispielsweise im Lohrer Anzeiger, erfuhren die Leser mehr über die Angeklagte: Katharina Albert, 26 Jahre alt, ledig.

In Sendelbach hat es Ende Januar das Gerücht gegeben, sie sei schwanger gewesen, nun aber nicht mehr. Eine ärztliche Untersuchung ergab denn auch, dass sie kürzlich geboren haben muss. Sie soll vier Jahre lang „unerlaubten Umgang“ mit dem verheirateten Bauern R. aus Sendelbach gepflogen haben, „einem leichtsinnigen und verschwenderischen Manne“. R. sagte aus, er habe von der Mutter der Angeklagten die Mitteilung erhalten, diese habe am 31. Dezember mittags ein totes Kind geboren, das „in einem Hafen im Bette versteckt“ gewesen sein soll, den er in den Main geworfen habe.

Das Kind war am Leben

Die angeklagte Albert gab nach bis dato beharrlichem Leugnen (ein Widerspruch zur Meldung des Würzburger Abendblatts über ein „umfassendes Geständnis“) daraufhin zu, am 31. Dezember ein Kind geboren zu haben, das zwar keinen Laut von sich gegeben, aber den Mund bewegt und geschnauft habe. Sie habe das Kind mit der Nottaufe versehen und dann mit der rechten Hand den Hals des Kindes ungefähr zwei Vaterunser lang zugedrückt, bis es tot war. Ihr wurde geminderte Zurechnungsfähigkeit zugesprochen und sie wurde zu einer zweijährigen Gefängnisstrafe verurteilt.

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